Reingehört: Collide & Discord – Polygraph

Der Name Backbite Records ist im Rahmen dieser Kolumne nun schon öfter gefallen, und das in der Regel immer in einem positiven Kontext. Das liegt dadran, dass der Moritz zum einen scheinbar ein gutes Händchen für Musik hat, und uns diese zum anderen freundlicherweise meist sogar physikalisch zukommen lässt. Dieses mal war es aber sogar noch etwas besser: Ohne große Ankündigung lag ein Paket in meinem Postfach, welches nicht mehr beinhaltete als eine 12″ Vinyl mit der Beschriftung “Testpress”. Kein Bandname, kein Albumname, nichts. Einfach weißes Vinyl, bedruckt mit diesen neun Buchstaben. Diese Sendung hat auf jeden Fall ein wenig Weihnachtsfeeling in den Mai gebracht, und so konnte ich es kaum erwarten nach Hause zu kommen und herauszufinden, was mich denn da erwartet.

Collide And Discord

Mittlerweile weiß ich, dass es sich um die fünfköpfige Band Collide & Discord aus Stuttgart handelt, welche eben via Backbite Records ihre 12″ mit dem Namen “Polygraph” releasen. Und obwohl es die Band schon seit 2011 gibt, habe ich bis dato noch nie etwas von dieser gehört. Ich bin also sehr gespannt und neugierig, wie denn das klingt, was die Jungs auf Vinyl gepresst haben. Die Nadel bewegt sich Richtung Teller und die ersten Töne erklingen. In dem später mir vorgelegten Pressetext steht, dass die Band eine Mischung aus Comeback Kid, Have Heart und Dead Swans spielt. Große Namen, die man hier in die Runde wirft und so wirklich erkenne ich zu Beginn keine davon wieder. Der Opener “Profane” startet relativ schleppend und gewinnt erst ab der Mitte an Fahrt. Verspielte Melodien und Breaks dominieren das Geschehen, aber so wirklich zündet es nicht. Mir fehlt hier noch das mitreißende, schnelle und frische, was die genannten Referenzbands ausmacht. Müsst ich den Stil selber beschreiben, den ich im ersten Song gehört habe, würde ich eher Goldust in den Raum werfen, an die ich mich ab und an erinnert fühlte. “Allright Jack“, welcher direkt nach dem Opener folgt klingt meiner Meinung nach, als wäre er von einer anderen Band. Hier gesellt sich noch eine ordentliche Portion Groove in den Sound, sodass ich durchaus optimistisch auf den Rest der Platte gestimmt bin.

Leider wird direkt danach das Tempo wieder rausgedreht. Zwar ist der Track “Dusk Falls” auch deutlich über dem Niveau des Openers – aber er klingt halt auch wieder anders als Track Zwei. Und irgendwie auch als Track Eins. Ich weiß nicht ob es an mir liegt, aber einen so wirklichen roten Faden kann ich hier nicht entdecken. Der Sound ist zwar sehr stimmig und es klingt auch alles wie aus einem Guss, aber inhaltlich ist mir das doch etwas zu vielfältig. Normalerweise gehe ich bei dieser Kolumne eher weniger auf jeden Track einzeln ein, aber hier komme ich kaum drum herum, weil man die Songs schlecht zusammenfassen kann. Ich bin wirklich hin und her gerissen, was ich  bis dato von dem Release halten soll. Die Musik gefällt mir generell gut und erinnert mich an die Zeiten so um 2007-2009 rum, wo ich viel ähnliches gehört habe. Mal gefällt mir eine Stelle von einem Song überhaupt nicht, wenn z.B. meiner Meinung nach sehr generische Breaks aneinander gereiht werden – mal bin ich begeistert, wie z.B. von dem Ende des Songs “Achromasia“, das einfach nur unglaublich viel Groove hat und zum Kopfnicken einläd.

Zeit, die Seite zu wechseln und die letzten Songs wirken auf jeden Fall dann doch um einiges stimmiger als der etwas durchwachsene Anfang. Die Lieder sind immer noch sehr vielfältig und kommen mit schnellen Parts, Breaks und langsamen, schon fast schleppenden, Passagen daher – wirken aber in sich schlüssiger und interessanter. An dieser Stelle verstehe ich dann auch Referenzen zu Dead Swans. Anspieltipp ist für mich der Song “Fell Short Of Subject“, welcher mich zum Anfang hin dann auch endlich an die genannten Comeback Kid erinnert und zur Mitte eine abstrakte Eigenständigkeit entwickelt.

Collide And Discord - PolygraphEin Fazit zu der Platte fällt mir wirklich schwer, gerade im Vergleich zu anderen Platten aus dem Hause Backbite Records. Die Platte ist super produziert, reiht sich nicht in den heutigen Standard ein und hat definitiv Passagen und ganze Songs, welche wirklich gut sind. Auch sind Vergleiche in Richtung Comeback Kid und Co. sicherlich zu mindestens teilweise berechtigt und die Platte für Fans dieser Bands auch interessant. Allerdings fallen mir einige Songs zu sehr aus dem Raster bzw. sind einfach im Vergleich zu anderen Songs zu schwach. Gerade der Opener ist meiner Meinung nach katastrophal gewählt, denn die Platte hat auf jeden Fall deutlich bessere Songs. Generell ist die Verteilung von den sehr guten Songs auf den zwei Seiten eher schlecht gestaltet, denn Seite B ist deutlich spannender als Seite A. Es wäre schade, wenn Leute das verpassen, weil sie nach Seite A die Motivation verlieren.

Zum Abschluss nochmal ein Dankeschön an Moritz, denn gerade solche Reviews machen extrem viel Spaß und heben sich vom Rest ab. Und damit ihr euch über diese Platte auch eine Meinung bilden könnt, haben wir uns etwas besonderes ausgedacht. Da es unser #100 Online-Artikel ist, gibt es für euch etwas zu gewinnen. Shared einfach diesen Artikel auf Facebook und gewinnt ein Exemplar von “Polygraph” auf Vinyl! Den Gewinner ermitteln wir durch das Los bis zum 15. Mai!

Viel Spaß und viel Erfolg!

Markus Kasten

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/collideanddiscord

http://www.facebook.com/backbiterecords

http://collideanddiscord.bandcamp.com/album/polygraph-2015

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