Reingehört: Container – The Celtic Kiss

Lange ist es her, dass bei mir ein physikalisches Exemplar eines Releases per Post reingeflattert ist. Dabei bespreche ich gerade diese Sorte von Material am liebsten, da ich den Aufwand und das Interesse des Labels/der Band immer sehr zu schätzen weiß und es einfach schöner ist, eine Platte in den Händen zu halten anstatt das digitale Pendant abzuspielen. In diesem Falle war der Absender wieder einmal Maurice von Backbite Records, welcher mir schon mit dem letzten Release von Tides Denied eine Freude machte. Heute stehen Container auf dem Programm, welche zwar schon Ende 2014 ihr neustes Release “The Celtic Kiss” als 7″ rausbrachten, aber irgendwie dafür gefühlt nicht so richtig Aufmerksamkeit bekommen haben. Von daher denke ich, dass auch nun ein paar Monate später eine kurze Impression nicht schadet.

Container - The Celtic Kiss EP - Cover

Was direkt auffällt, ist das ultra verrückte Design der 7″. Das hier nun groß zu beschreiben, würde recht albern werden, es ist einfach zu wirr und gleichzeitig auch zu vollgepackt, als dass man das kurz anreißen könnte. Aber irgendwie sieht es geil aus. Es ist nicht wirklich praktisch, da man die Songnamen im ersten Moment nicht wirklich findet oder zuordnen kann, und sich etwas verloren beim Betrachten fühlt, wenn man eigentlich nur ein paar Infos erhaschen möchte. Aber es ist anders als der andere 0815-Kram und bleibt definitiv im Gedächtnis. Dazu scheint es mir, obwohl es auf den ersten Blick etwas “amateurhaft” aussieht, handwerklich gut gemacht – von daher punktet hier das Release schon mal. Wenn die Musik allerdings auch so wirr wie das Artwork ist, hätte Container zum einen die größte musikalische Wandlung seit No Warning und “Suffer, Survive” durchlaufen, zum anderen wär das mir dann wohl auch zu chaotisch. Also ab auf den Teller mit dem guten Stück und rausfinden, was mich so erwartet.

Die Platte legt mit dem Track “Wisdom” los, der einen recht schnell ins Geschehen wirft und für Entwarnung sorgt: hier hat sich kein Mathcore eingeschlichen und Container klingt auch irgendwie noch wie Container. Nur halt irgendwie besser. Schnelle Strophen, groovige Parts, gesprochene Textpassagen und herausragende Backings durch Gitarrist Sam (welcher für selbige auch bei den großartigen Dull Eyes und einem Light It Up-Feature zuständig ist). All das, oder zu mindestens einen großen Teil dieser Liste gab es schon auf dem letzten Release “The Grounder” aus dem Jahre 2013. Aber es klingt auf dieser Platte noch einen Ticken besser, ausgereifter und vor allem: besser produziert. Wer die genannte Demo kennt, der weiß, dass Container viel Eigenständigkeit besitzen und sich schwer in eine Schublade stecken lassen, und so ähnlich steht es auch mit “The Celtic Kiss” – mir fällt keine Band ein, mit der man den Sound wirklich vergleichen könnte. Es ist schnell, rotzig, verspielt, teilweise auch hart – in einem interessanten Mischverhältnis.

Es folgen vier weitere Songs, welche dem Release eine Spielzeit von ca. 12.30 Minuten geben und damit auf jeden Fall eine stattliche EP abgeben. Ich weiß gar nicht, ob das nun ein positiver oder negativer Kritikpunkt ist, aber es gibt keinen Song auf dem Release, welcher wirklich herausstricht. Alles wirkt stimmig, der rote Faden zieht sich soundmäßig durch die Platte und kein Song langweilt oder fällt aus dem Raster. Aber es gibt halt auch nicht den einen Track, welchen ich mir immer und immer wieder auf Repeat anhören würde, auch wenn so Sachen wie das Ende von “80% Sweet, 20% Bitter” und der Übergang in den letzten Song “Bone Crusher” nette Spielereien sind.

Ich muss zugeben, dass ich mich früher wenig mit der Band befasst habe, da ich das Auftreten live als nicht unbedingt sympathisch erlebt habe und mir irgendwie diverses Aufpoppen auf verschiedensten großen Touren auf typischen “Pay-To-Play”-Slots negativ aufgestoßen sind. Kleine Bands, die plötzlich überall und mit jedem cool sind, und dazu alle großen Shows spielen, stoßen bei mir irgendwie immer auf eine gewisse Skepsis – aber unabhängig von dieser sehr subjektiven Wahrnehmung, muss man objektiv Feststellen: “The Celtic Kiss” ist ein gutes und interessantes Release, was man auf jeden Fall checken sollte. Sollte sich die Möglichkeit bieten, werde ich mir die Band auf jeden Fall auch nochmal Live geben um meine Meinung nochmal auf den Prüfstand zu stellen. Auch daher finde ich diese Wundertüten per Post sehr spannend, da man sich auch zwingend mit seiner eigenen Meinung auseinander setzt.

Markus Kasten

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/containerhc

http://backbiterecords.bandcamp.com/album/container-the-celtic-kiss-ep

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