Deluminator – Interview

Mit “Built To Kill” erscheint bald via Farewell Records die langerwartete Debut LP von Deluminator aus Dresden. Fans von düsterem Hardcore dürften die fünf Jungs schon lange auf der Karte haben. Vor einem Jahr hatten wir bereits das Vergnügen ein Interview mit der Band zum Release “Enemy Of God” zu führen, welches hier zu finden ist. Sänger Tariq im Gespräch über das neue Album, den Wechsel zu Farewell Records, den aktuellen Trend von düsterer Musik und politische Probleme in Deutschland und der Welt.

Deluminator - Built To Kill
Deluminator – Built To Kill

Hi Tariq! Cool, dass du dir nochmal die Zeit genommen hast mit uns zu quatschen! Flo hatte dich zum Release der “Enemy Of God” schon bei uns im Gespräch, darum sparen wir uns hier nochmal ein erneutes “wer, wie & warum” und steigen direkt ein. Grund der Zusammenkunft ist euer bald erscheinendes Full-Length Debut “Built To Kill” via Farewell Records. Wieso seid ihr weg von Choke Records und wie kam der Kontakt zu Farewell zu stande?

Markus, hey! Vielen Dank, dass du uns schon wieder die Chance gibst hier unseren Senf zu spreaden. Die “Enemy of God” EP ist jetzt ein gutes Jahr alt und wir sind derbe aufgeregt, was mit der neuen Platte “Built To Kill” so passieren wird. Für den Wechsel zu Farewell gibt’s dafür im Prinzip keinen wirklich schwerwiegenden Grund. Danny von Choke Records hat einen super professionellen und durchgeplanten Job bei der letzten EP erledigt und wir haben ihn wirklich lieb gewonnen. Wir wollten unsere Debut LP lediglich bei einem Label rausbringen, was schon von vorn herein eine größere Reichweite hat und von der wir als Band vielleicht auch am Ende profitieren können.

Dass es Farewell geworden ist, liegt einfach daran, dass wir mit Risk It! vier Tage unterwegs waren, die Jungs besser kennenlernten und wussten, dass Tomek der richtige Mann für den Job ist, eben auch deshalb weil er in der selben Stadt wohnt und damit logistisch vieles einfacher zu handhaben ist.

Die LP wird auch über Injustice Records als Tape erscheinen. Teile von Injustice bestehen aus dem nun aufgelösten Label Redbeard Revolt Records, die auch euren alten Kram schon als Tape herausgebracht haben. Wieso war es euch wichtig, die Platte parallel noch auf Tape zu veröffentlichen? Glaubst du dieses Medium ist wirklich wieder “wichtig” für eine Band, oder ist das einfach nur als Liebhaber- oder Sammlerstück gedacht?

Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob Tapes heutzutage noch wichtig für eine Band sind. Ich glaub’s fast nicht. Allerdings haben wir einfach gemerkt, dass sich unsere bisherigen Tapes wirklich gut verkauft haben und viele Leute solche Datenträger in allen möglichen Ausführungen sammeln. Seitdem ich bei Deathrite mal so derbe aufwendige Tapes von deren ersten Longplayer gesehen habe, wollte ich solche auch haben, weil ich’s einfach super schick und gleichzeitig super nostalgisch fand. Das Album ist in meinen Augen der richtige Rahmen dafür mal eine ausgefeiltere Tape-Version rauszubringen. Das ist quasi der einfache Grund dafür, obwohl ich das Medium Tape jetzt nicht als sonderlich essentiell für das Erreichen unserer Hörerschaft erachte.

Built To Kill” stellt mit zehn Songs und einer Laufzeit von ca. 25 Minuten eure bisher erste LP dar und logischerweise damit auch euer längstes Release. War es ein Problem für euch so viel Kram zu schreiben, der auch noch irgendwie einen roten Faden besitzt? Bisher waren eure Releases immer sehr überschaubare EPs.

Ja, wir haben uns für eine LP entschieden, weil ein Full Length immer mehr Aufmerksamkeit bekommen wird als eine EP. Viele Leute (besonders Menschen, die sich nicht jedes Wochenende dieselben Bands in irgendwelchen kleinen Läden angucken) kaufen keine Eps, weil es einfach nicht so repräsentativ für das Können einer Band ist, wie ein Full Length. Wir wollten versuchen mal etwas längeres aufzunehmen und wir sind gespannt, was die Leute davon halten und ob wir am Ende der Herausforderung gewachsen waren. Schwerwiegende  Probleme hat das Ganze allerdings kaum gemacht. Klar, wir hatten dann die Studiotermine gefixt und am Ende bisschen Zeitdruck, aber das ließ sich alles aushalten. Am schwierigsten war es meistens wirklich zu fünft zu proben. Oftmals hat man ewig an einem Song rumgeschraubt, bis er wirklich allen gefiel. Trotzdem, die Songs sind in einem relativ kleinen Zeitrahmen von vielleicht zwölf Monaten geschrieben und aufgenommen worden. Aufgrund der kurzen Zeitspanne von Songwriting zum Recorden sind die Songs stilmäßig vermutlich ähnlich.

Deluminator - Built To Kill Cover
Deluminator – Built To Kill Cover

Musikalisch seid ihr euch treu geblieben, es stehen immer noch enorm viele Riffs auf dem Programm, an moshbaren Passagen wird auch nicht gespart und alles hat irgendwie einen speziellen Groove. Generell scheint sehr metallischer Hardcore aktuell der Zahn der Zeit zu sein. Denkst du, diese Musikrichtung ist aktuell das, was No Warning-Hardcore Mitte der 2000er war?

Zum Glück sind wir uns (aus meiner Sicht) mittlerweile ziemlich einig, was die Musik betrifft. Jeder bringt andere Stile mit in den Proberaum und trotzdem wollen alle eine Mischung aus spielerisch ordentlichem Riffing zum Headbangen und Parts, damit die Leute ausrasten, machen. Ich denke den Mix haben wir uns seit der ersten EP eingetrichtert und wir steigern unser Songwriting dahingehend immer mehr. Ich finde wir haben uns seit der ersten EP aus dem Jahr 2014 enorm verbessert, sowohl musikalisch als auch in der Live Qualität und wir sind gespannt, wie der neue Kram ankommt. Dass wir mit der Mucke genau zur richtigen Zeit angefangen haben und genau ins Schwarze getroffen haben, haben wir auch schon gemerkt, aber ich könnte jetzt nicht sagen, dass die Musikrichtung gerade der Trend schlechthin ist. Ich hab nicht den Eindruck, dass Shows mit düsteren Bands besser besucht sind als normale HC-Shows oder dass es in Deutschland mehr metalbeeinflusste Bands gibt, als normale HC-Bands. Es ist einfach eine Nische in der Musikszene, die ein paar Liebhaber gefunden hat, nicht mehr und nicht weniger. 

Textlich stellt sich das Album sehr negativ, aber auch sehr abstrakt auf. Viele Texte erschließen sich mir beim ersten Lesen nicht völlig. Liegt das daran, dass ich mich dumm anstelle oder hast du dir das beim Schreiben schon gedacht/geplant?

Dumm anstellen tust du dich sicher nicht, denke ich. Viele Texte sind in Momenten hoher psychischer Belastung entstanden, egal ob diese durch gesellschaftliche Umstände oder persönliche Probleme entstanden sind. Das war bei den vorherigen EPs nicht immer so. Das äußerst Negative und teilweise Aggressive sei damit erklärt. Wenn man seine Aufgaben nicht unter einen Hut bekommt oder mit der Welt nicht klarkommt, sind manche Gedanken für jemanden, der nicht die gleichen Probleme hat, vielleicht schwer nachzuvollziehen.

Generell entstehen verschrobene Gedanken bei mir immer, wenn ich psychischen Druck oder Frustration verspüre. Für mich war das Schreiben in solchen Situation immer die Möglichkeit meine Gefühle zu verarbeiten und die Abstraktheit in der Aufbereitung mancher Gedanken hat das Hinterfragen der eigenen Person hier und da einfacher gemacht. Dass die Texte dann alle auch einem roten Faden folgen, irgendwie miteinander zusammenhängen und womöglich schwer nachzuvollziehen sind an einigen Passagen, war nicht geplant oder so, es ist einfach so gekommen. Im Nachhinein bin ich allerdings super zufrieden damit, vielleicht bringt man ja den ein oder anderen zum Nachdenken.

Einige Ansagen hingegen sind klar und deutlich verpackt. So richtet sich der Song “129A” (steht übrigens für den Paragraphen § 129a StGB Bildung terroristischer Vereinigungen) ganz klar gegen die nicht immer so netten Herrn der Polizei. Würdet ihr euch als politische Band bezeichnen oder geht bei dir eine gewisse Grundhaltung als Selbstverständlichkeit durch? Und was verbindet dich eigentlich mit diesem Gesetztesparagraphen?

Also vorerst: Ich kenne niemanden persönlich, der mittels dieses Paragraphen irgendwelchen Repressalien ausgesetzt wurde. Trotzdem hört man immer wieder von verschiedenen Verfahren gegen Angehörige der Linken Szene, die mit diesem Paragraphen begründet werden. Ich finde in einer Zeit, wo täglich wieder Asylbewerberheime angezündet werden, linke Wohnprojekte hochgenommen werden anstelle stadtbekannte Nazis und Gewaltverbrecher dingfest zu machen, ist es absolut nicht selbstverständlich eine gewisse politisch korrekte Grundhaltung vorrauszusetzen. Wir sind eine klar politische Band, auch wenn wir keine Anarchiezeichen auf Shirts drucken und auf jeder Show gegen Staat und Kapital hetzen.

Die Zeiten des Wegschauens sollten in jedem klaren Kopf vorbei sein und das Lied „129A“ war für mich der Song, den ich deshalb geschrieben habe, weil die Polizei in vielen Konfliktsituationen der Schlüsselreiz ist. Warum lässt die Polizei Asylbewerberheime von rechtsextremen Straftätern belagern? Warum setzt die Polizei linke Autonome mit rechten Schlägern gleich? Warum werden so viele Leute für rassistische und staatsfeindliche Aussagen und Handlungen nicht maßgeblich belangt? Die Polizei muss sich damit auseinandersetzen, dass sie von Nazis und Rassisten unterwandert wurde und alle Cops, die das nicht merken wollen und nichts dagegen unternehmen, haben in meinen Augen ähnlich verwerfliches Gedankengut in sich. Eigentlich sollte die Polizei in jedem Land für Frieden sorgen, die Geflüchteten beschützen und Menschen, die für Menschlichkeit und Offenheit demonstrieren, nicht schikanieren. Stattdessen werden Nachrichten mit landesweit bekannten Nazis ausgetauscht, Linke und Ausländer mit Kriminalität stigmatisiert und am Ende wird sich gewundert, wie ein linkes Viertel von 250 Nazis verwüstet werden kann.

Aber sei es drum, vielleicht setzt sich der ein oder andere jetzt mal mit der ach so lieben Polizei auseinander und erkennt, was es für ein Scheißverein ist, egal ob in Deutschland, Amerika oder Bangladesch. Ist ja nicht so, als hätten andere bedeutende Künstler, wie Ice Cube, Slime oder Body Count nicht auch schon Songs gegen Cops geschrieben. Ich bin übrigens sehr froh, dass Schlange von Soulground mir bei diesem Song ausgeholfen hat, denn ich wusste, dass wir uns im Punkt „pauschaler Bullenhass“ sehr ähnlich sind. Sorry, liebe Polizisten, mit aufgeblasener Autorität bin ich noch nie sonderlich gut klargekommen. In diesem Sinne: ACAB (seit Juni 2016 eine legale Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG). 

Das Interview mit Flo ist etwas über ein Jahr her und damals habt ihr schon über PEGIDA und Co. gequatscht, welche gerade bei euch in Dresden ein quasi wöchentlich aktuelles Thema sind. Nun hat sich mit dem Aufstieg der AFD und den letzten Wahlergebnissen in dem Zusammenhang nicht gerade Positives ergeben. Wie würdest du eure aktuelle Lage schildern und wie nimmst du diese Eindrücke in deinem Alltag wahr?

Naja, ich glaube es hat sich nicht sonderlich viel geändert. Obwohl die Internet – und Realpräsenz von Pegida stark abgenommen hat in der Stadt und nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Menschenmenge auf die Straße geht, ist die Situation immer noch gefährlich. Rechtes Gedankengut wandert immer mehr in die gesellschaftliche Mitte, linke Aktivitäten werden mit denen von rechts gleichgesetzt und keiner begreift, dass die Extremismustheorie schon längst überholt ist. Eine AfD-Chefin stellt sich hin und sagt, dass sie an Grenzen auf Flüchtlinge schießen lassen will und viel zu wenige Leute reagieren empört auf diese unmenschlichen Ansagen.

Ich bin ganz ehrlich, ich bin in meinem Stadtteil relativ isoliert und krieg nicht so viel von der ganzen Scheiße mit, aber man sieht hin und wieder Leute, die Flüchtlinge extrem abwertend anschauen und es könnte mir nicht unangenehmer sein. Flüchtlinge tun niemandem was und vielen von ihnen laufen in den Sommermonaten durch die Straßen und man hat den Eindruck, dass sie einem gute Laune vermitteln, obwohl sie alles verloren haben in ihrem Herkunftsland. Für mich sind das bewundernswerte Menschen und Leute, die ihnen mit Verachtung begegnen, kotzen mich einfach nur noch an. Es sind einfach von Grund auf schlechte Menschen, die den armen Schweinen nicht mal 400€ im Monat gönnen. Es ist auf jeden Fall keine Entwicklung in eine sensibilisierte, aufgeschlossene, westliche Gesellschaft in unserem Bundesland zu erkennen.

Deluminator Live - Photo by MoLuxImago
Deluminator Live – Photo by MoLuxImago

Um im Osten zu bleiben: Gefühlt seid ihr auch als Band im Osten überpräsent und auch sehr gefeiert, in anderen Teilen des Landes aber noch sehr unbefleckt. Täuscht mich da mein Gefühl oder kommt ihr wirklich nur schwer aus eurer Ecke da raus? Gibt es Pläne gerade mit dem Farewell Deal und der LP daran etwas zu ändern?

Ganz unrecht hast du da nicht. Im letzten Jahr waren wir zeitlich und finanziell wegen der Platte nicht sehr gut aufgestellt. Wir konnten nach der Tour mit Slope keinen weiteren längeren Trip fahren und alle einzelnen Anfragen von weiter weg konnten wir nicht annehmen, weil wir entweder keine Zeit hatten oder miese gemacht hätten. Ist alles nicht optimal gelaufen. Generell ist es aber auch nicht schlecht sich eine coole Fanbase im Osten des Landes erspielt zu haben bevor man nochmal weiter weg angreift. Wir sind gerade dabei unsere Release Shows zu planen, da wird nicht nur Ostdeutschland dabei sein & eventuell wollen wir Anfang des nächsten Jahres auch noch eine Tour fahren. Mal schauen, die Pläne sind da, eins nach dem Anderen.

Prinzipiell ist es aber immer schwierig als kleine Band 500 km entfernt präsent zu sein. Geld, Zeit etc spielen immer eine Rolle. Wir wollen daran aber was ändern & ich denke mit Farewell Records haben wir da den Fuß in der richtigen Tür.

Um nochmal auf das Album und dich als Sänger/Texteschreiber einzugehen: welchen Song magst du am liebsten von der LP und welcher Text liegt dir am meisten am Herzen? 

Der Text von “Psychic Lability” liegt mir sehr am Herzen, weil er für mich sehr persönlichst ist. Carsten von Remover, der mit mir vorher bei Vengeance Today gespielt hat, hat mir da bei dem Text geholfen und ich bin sehr froh darüber, weil er für mich immer wieder Ansprechpartner in schwierigen Situationen war. Ansonsten ist “129A” mein klarer Favorit, weil es einfach eine plakative Punk-Nummer gegen alle Cops ist.

Da unsere Leser dich ja auch als Person ein bisschen kennenlernen sollen und ich auch meinen Voyeurismus befriedigen möchte, vervollständige bitte die folgenden Sätze.

Lucifer The Lightbearer sind… mega geile Typen! Und oft besoffen!

Das Merauder – “Master Killer” Video ist… derbe beschissen.

Falafel finde ich… ziemlich nice.

Das beste Hardcore-Release 2016 bis dato ist… Harm/Shelter – “Paycheck

In fünf Jahren sind Deluminator… in Therapie.

Der Bart von Flo ist… ziemlich ungemütlich, wenn man ihm einen Zungenkuss geben will.

Ich danke dir für deine Zeit, wünsche euch viel Erfolg mit dem Album und gebe dir die Bühne frei für Shoutouts, Liebeserklärungen, Morddrohungen oder anderen Quatsch!

Jo, vielen Dank, Markus. Du bist ein geiler Typ! Natürlich möchte ich im Namen der ganzen Band Tomek & Farewell Records danken – der Kerl buttert einen Haufen Kohle in das ganze Ding. Flo, Jan & Injustice Records natürlich auch, auch deren Aufwand ist alles andere als gering. Danny & Choke Records gebührt auch Dank für die super Begleitung bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Ansonsten … vielen Dank an Richard und Simon für’s Aufnehmen/Mixen/Mastern, alle Photographen und Filmleute, die Material für uns bereitgestellt haben, ganz besonders Alex (Phos Phoros Photography) und Hendrik. Jeder weitere Mensch ohne den unsere Debut LP nicht zustande gekommen wäre, besonders unsere Gastsänger Schommer, Olli, Carsten und Schlange. Alle Leute die bisher unseren Rotz gekauft haben, unsere Texte können und uns supporten, wann immer es geht. Vielen Dank! Wir sehen uns hoffentlich zur offiziellen “Built To Kill” Record Release Show am 17. September im Jugendhaus Roßwein mit Make Unsure, Method Of Proof, Light It Up, Harm/Shelter. Shoutouts an Bands schenke ich mir jetzt mal, diejenigen welchen wissen, dass wir sie besonders gut leiden können!

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/knockingyourlightsout
http://www.facebook.com/FarewellRecords

Checkt außerdem das neue Video zum Titeltrack!

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