Grim Vision – Interview

Grim Vision aus Hamburg entstand aus ehemaligen Mitgliedern der Hamburger Bands Bricktop und Airtime und spielen einen Mix aus Black Metal und Hardcore. Nach einigen Shows und dem Release einiger Songs ihrer kommenden Platte “With Those Who Favor Fire” sollten sie einigen Lesern ein Begriff sein. Für Fans und die, die es noch werden wollen, hat Flo den Jungs einige Fragen gestellt.

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Hi! Für Leser, die euch noch nicht kennen, stell Grim Vision doch bitte einmal vor!

Moin! Grim Vision besteht aus Björn am Mic, Max am Bass, Dom an den Drums und mir (Claus) an der Gitarre. Wir haben uns letztes Jahr im August das erste Mal in der Konstellation zusammengefunden und haben relativ schnell gemerkt, dass wir ganz gut harmonieren, was unsere Vorstellung bezüglich des Stils der Band betrifft.

Einige Jungs aus eurer Band scheinen einfach nicht genug zu kriegen und spielen noch in anderen Bands. In was für andere Projekte seid ihr noch involviert?

Nach der Auflösung von Bricktop war für Dom und mich klar, dass wir weiter zusammen Musik machen wollen. Björn war sofort dabei, er war ja früher bei Airtime involviert (mit Dom) und hatte seither nichts mehr gemacht. Max haben wir dann einfach gefragt ob er Bock hat. Vernünftige Bassisten sind ja leider Mangelware und er hatte die zeitlichen Kapazitäten, sich einer weiteren Band anzuschließen. Dom spielt nach dem „Ableben“ von Suckapunch auch noch Schlagzeug bei Bust!, Max spielt Bass bei Back in Time und ich plärre mir bei Gentlemen`s Sports die Lungen aus dem Hals. Generell haben wir alle sehr viel Spaß an Musik und würden vermutlich noch tausend andere Sachen starten, wenn wir sonst nix zu tun hätten…

Wie gerade angesprochen, deckt ihr in anderen Bands auch zum Großteil komplett andere Musik als mit Grim Vision ab. Wie kam es zu dem Wunsch in die musikalische Richtung von Grim Vision zu gehen?

Stimmt, vom Stil her ist das was komplett anderes als unsere anderen Bands. Aber genau das hat den Reiz für uns ausgemacht. Björn ist Metalhead durch und durch, das hat sicher eine sehr große Rolle gespielt, auch Dominique hat früher schon in mehreren Metal Projekten geknüppelt. Für Max und mich war bzw ist die Band etwas Neues, wir mussten uns erstmal in den Sound reinfinden. Ich spiele auch noch keine 100 Jahre Gitarre, Bricktop war die erste Band bei der ich gespielt habe, somit ist das Ganze für mich auch eine neue Herausforderung, die mir sehr viel Spaß macht. Außerdem hatten wir einfach keine Lust, die gefühlt 1000. Band zu sein, die wie No Warning oder Madball klingt. Generell lassen wir beim Songwriting viele Einflüsse aus verschiedenen Richtungen zu, beschränken lassen wollen wir uns nicht. Das führt durchaus ab und an zu Diskussionen, ob das Riff oder der Drumpart jetzt vielleicht zu „bizarr“ ist, aber im Endeffekt bilden wir uns ein, immer wieder den roten Faden zu finden.

Erste Songs eurer EP „With Those Who Favor Fire” kamen im April raus, wie waren so die Reaktionen? Decken sich diese mit euren Erwartungen/Hoffnungen?

Wir waren nach dem Upload der ersten Songs sehr erfreut über die Reaktionen, gerade weil es für uns etwas neues ist und wir uns nicht sicher waren, ob das ganze gut ankommt. Wäre dem nicht so, wärs auch kein Drama für uns gewesen, wir machen das ja weil es uns gefällt und wir Spaß dran haben! Aber natürlich hat man immer im Hinterkopf, dass es auch anderen irgendwie gefallen soll. Denke das kennt jeder, der selbst Musik macht.

Bis dato ist die EP ja nur teilweise online erhältlich. Wird es zusätzlich ein komplettes physikalischen Release der EP geben, oder ist diese Ehre erst dem nächsten Release vorbehalten?

Jau, die EP wird demnächst als 7inch erhältlich sein! Bastardized Records aus Koblenz werden das Teil raus bringen. Als der Kontakt zu Stande kam hatten wir gerade aufgenommen und noch keine Show gespielt, weshalb wir uns sehr geehrt fühlen, dass die Jungs sofort Interesse zeigten. Tausend Dank dafür an dieser Stelle!

Da “With Those Who Favor Fire” schon seit April fertig ist, wie stehts mit neuem Materal? Gibt es schon Details zu dem angesprochenem nächsten Release?

Der Plan ist, Anfang des nächsten Jahres wieder zu Phillip ins 48Volt Studio zu gehen. Mit ihm haben wir schon viel gemacht, auch die jetzige EP, wir kennen uns gut und es läuft alles entspannt ab. Ob wir das so umsetzen können wird sich zeigen, wir sind „leider“ alle berufstätig und da auch ziemlich eingespannt mit Schichtdienst, Überstunden und dem ganzen Scheiss. Deshalb versuchen wir uns da keinen Druck zu machen, wenns länger dauert, dann ist es halt so. Wichtiger ist uns momentan eigentlich, Shows zu spielen, was eben auf Grund unserer Jobs auch nicht immer so einfach zu bewerkstelligen ist.

Was für musikalische Einflüsse helfen euch beim Schreiben der Songs für Grim Vision? Irgendwelche Bands, die ihr sogar als “Idole” betiteln würdet?

Idole ist vielleicht etwas übertrieben, aber klar gibt es einige Bands die uns beeinflussen. Ob sich das nun für Aussenstehende direkt im Sound der Band widerspiegelt weiß ich nicht. Ganz bestimmt gehören Nails mit dazu, Marduk, Behemoth, Svartjern, diverse Deathmetal Bands, sowie metallischer Hardcore wie Gehenna, Disembodied oder alte Converge. Generell würde ich sagen, dass unser größter Einfluss von Bands aus den 90ern kommt. Wir lieben diesen ganz speziellen Sound, ich denke das kann man auf unsrer EP auch hören.

Das Bild der Band driftet sehr ins Okkulte und Düstere ab. Spiegelt sich dieser Weg auch in euren Texten wieder? Was wollt ihr mit Grim Vision zum Ausdruck bringen?

Düster ja, Okkult…naja. Keiner von uns opfert Säuglinge oder trinkt Jungfrauenblut. Unsere Texte sind inspiriert von und angelehnt an Gedichte aus der Zeit der Jahrhundertwende um das 19./20 Jahrhundert bzw. der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs. Eine sehr düstere und auch brutale Zeit, was wir hoffentlich nie erleben oder mitmachen müssen, auch wenn das momentane Geschehen in der Welt darauf hindeutet, dass solche Zeiten wieder kommen könnten. Unsere Musik stellt sozusagen eine musikalische Untermalung dar, wir versuchen z.B. die Verzweiflung und Angst des Soldaten auf dem von Granaten und Giftgaswolken umhüllten Schlachtfeld des Krieges widerzuspiegeln. Das Okkulte, ich vermute du spielst auf unser Logo an, unterstreicht diese düsteren Visionen und Geschehnisse. Der Mensch an sich ist unserer Meinung nach der personifizierte Satan, er ist verantwortlich für Leid, Schrecken und Verzweiflung in dieser Welt. Es fällt vielleicht auch auf, dass wir auf Groupshouts vollständig verzichtet haben, was einerseits unserem Metaleinfluss geschuldet ist, andererseits aber auch daher kommt, dass unsere Themen so düster sind, dass wir niemandem zumuten wollen, dies auch noch mitzuschreien.

Erzähl doch mal was über die lokale Szene in Hamburg. Erfahrt ihr mit eurer Band viel lokalen Support?

Die lokale Szene in Hamburg präsentiert sich leider sehr gespalten. Es gibt zwar relativ viele Bands, diese haben aber untereinander in den meisten Fällen nicht viel miteinander zu tun. Der Support für uns ist aber in Ordnung, wir spielen hier Shows, seien es nun von Freunden bzw der Crew organisierte Shows oder auch Shows von zB Death Or Better Days Booking. Natürlich hoffen wir auch hier mehr zu spielen, aber generell ist unsere Interpretation von HC bzw Metal hier in Hamburg momentan glaube ich nicht die „angesagteste“ Form von Musik. Was nicht weiter schlimm ist, vielleicht kommt das ja noch. Shows hier in Hamburg werden auch eher durchschnittlich besucht, nur wenn die Bigplayer aus Amiland hier auftauchen, zieht das die Leute aus ihren Hütten ( oder wir besuchen die falschen Shows, kann ja auch sein…). Finde ich persönlich schade, die lokale Szene hätte durchaus mehr Support verdient, aber so ist es nun mal.

Um den von dir angesprochenen Support nicht zu kurz kommen zu lassen: Welche 3 europäischen und welche 3 internationale Bands sollte man deiner Meinung nach unbedingt checken?

Ui, diese Frage ist nicht einfach, vor allem wenn ich mich auf jeweils 3 beschränken soll. Erstmal finde ich die Unterteilung in europäisch und international nicht ideal, ich unterteile mal lieber in deutsche und internationale Bands. Hier aus Deutschland führe ich jetzt mal als erstes Risk It! auf, auch wenn die Jungs schon überall bekannt sein sollten. Ist für mich momentan eine der, wenn nicht DIE, beste deutsche HC Band. Die Jungs touren sich den Arsch ab und sind live einfach IMMER Bombe. Dann fallen mir auch sofort Implore ein, welche hier aus Hamburg kommen und gerade mit ACxDC auf Tour waren. Richtig geiler Deathgrind, perfekt umgesetzt. Und um mal noch eine völlig unterbewertete Band zu erwähnen: Tiger Crew! Sollte sich jeder geben, der auch nur ansatzweise auf Hardcorepunk, Crust, oder wie man das auch immer nennen will, steht. Deren EP ist großartig und ich hoffe stark, dass sie auch irgendwann mal live spielen werden. International verdienen Hierophant aus Italien ein Ohr, großartige Band mit starken Black Metal Einflüssen. Agrimonia aus Schweden finde ich auch super, gibt es zwar schon lang, aber gerade ihr letztes Album hat es mir schwer angetan. Dann fallen mir noch Black Mask ein, die waren letztes Jahr auf Tour hier in Europa und haben live alles zerstört.

Die letzten Worte gehören dir, vielen Dank für das kurze Gespräch!

Wir haben zu danken für Euer Interesse, fühlen uns geehrt. Danke an alle die zu unseren ersten Shows gekommen sind, Merch gekauft haben und uns damit ein Rockstarleben in Suff und Drogen ermöglichen… Geht zu kleinen Shows, hört euch auch unbekannte Bands an und schiebt eure Kohle nicht immer nur den „Hardcore Superstars“ in den Arsch. Die kassieren auf ihren Touren genug Kohle, es gibt unzählige kleine Bands in der Szene die den Support mindestens genauso verdient haben.

Florian Fandrich

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/grimvisionhh

http://www.bastardizedrecordings.de

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