James First – Interview

James First spielen geilen Punk-Rock, sind politisch unterwegs und vor allem bald mit neuem Album auf Tour. Mehr Gründe braucht es nicht für ein nettes Gespräch.

James First
James First

Holla Jungs! Schön, dass wir uns nun auch mal zu sprechen kriegen. Standesgemäß für alle, denen ihr bisher vielleicht noch kein Begriff seid: Wer seid ihr, wo kommt ihr her und was macht ihr eigentlich da für Krach?

Markus: Moin! Wir sind James First aus Lübeck und den Krach kann man mit “Hardcore-Punk mit etwas zu sagen” ganz gut beschreiben.

Ich bin durch eure erste self-titled EP auf euch Aufmerksam geworden und fand die äußerst erfrischend und angenehm kurzweilig. Wie war so das generelle Feedback auf die Platte und was macht ihr auf der neuen Platte im Vergleich zur EP anders?

Czassi: Das Feedback auf die Platte war unglaublich gut! Wir haben uns ja erst Anfang 2015 gegründet und für uns alle war der erste Output natürlich auch irgendwie eine Standortbestimmung. Umso mehr freut es uns, dass wir so viele Leute mit unserer Musik erreichen konnten.

Markus: Auf der neuen Platte haben wir uns musikalisch schon ein Stück weiterentwickelt. Außerdem steht die Aggresivität jetzt noch mehr im Vordergrund als vorher.

Klebo: Wir waren wirklich mega froh, dass wir sehr gute Kritiken für die EP bekommen haben. Ein Neuanfang ist halt immer ein bisschen schwierig und wenn man gleich verrissen wird, ist die Luft erstmal ein bisschen raus. Also bitte die Verrisse erst ab der dritten Platte. Bei der neuen Scheibe hat Markus sich mehr eingebracht, so klingt es für mich einfach runder und griffiger.

Die jetzt frisch erschienene Platte trägt den Namen “Choose Your Life” und erscheint wieder im Hause Backbite Records. Was muss ich mir unter diesem Titel vorstellen? Welches Leben soll ich mir denn genau aussuchen und bin ich nicht ab einem gewissen Grad in meinen Wünschen doch etwas limitiert?

Czassi: Indem du dir diese Fragen stellt, bist du schon mal weiter als wahrscheinlich 90% unserer Gesellschaft. Es ist einfach erschreckend wie verunsichert aber auch uninteressiert die Masse ist. Es geht darum sich Dinge bewusst zu machen und aus einem gewissen Verständnis heraus zu handeln. Mache ein Fanzine, engagiere dich politisch, von mir aus mache eine Bäckerei auf, aber mach etwas und werde nicht zu einem dummen Spielball der Interessen, der sich mehr auf die Playstation konzentriert, als auf das, was um ihn herum abgeht.

Markus: Welches Leben du dir aussuchst bleibt dir überlassen. Es geht im Grunde darum, dass du DEIN Ding machst und nicht das, was andere von dir erwarten. Möchtest du so schnell wie möglich in einen Anzug schlüpfen und der Chef einer Bank sein oder vielleicht doch eher die Welt sehen und andere Kulturen kennen lernen? Alles ist cool, solange du es möchtest.

Ihr positioniert euch mit dem Song “Anti-Fascist Crowd” erneut wieder klar gegen aktuelle rechte Tendenzen. Wie ist bei euch in Lübeck die lokale Situation? Verspürt ihr in eurer Gegend, dass Rassismus wieder salonfähig wird und was sind eure Gedanken dazu?

Czassi: Wir sind sehr froh, dass es viele aktive Leute aus dem Umfeld der Walli (Alternative e.V.) in Lübeck gibt, die sich engagieren. So werden Konzerte angeboten, Lesungen gehalten oder aktive Flüchtlingshilfe geleistet. Der Platz ist eine Möglichkeit zu feiern und sich zu engagieren. Ich denke, dass dies viele junge Leute abholt und sie eher interessiert, bevor sie auf irgendwelche dummen Gedanken kommen. Gerade diese selbst verwalteten Zentren sind in unserer Gesellschaft für den Kampf gegen Faschismus so unglaublich wichtig, weil sie eine Gegenkultur zu den rechten Idioten bietet. Nur dumm, dass unser Staat versucht genau diese Orte zu schließen.

Markus: Es gibt hier in Lübeck aber auch Orte (sogar öffentlich!), wo man auf viele Vollidioten trifft. Ich selbst wurde vor kurzer Zeit am ZOB mit den Worten “Leute wie dich sollte man vergasen” zwischen allen Menschen angesprochen. Naja.. seinen Schulabschluss hat er wohl auch auf der Bank am ZOB gemacht.

Klebo: Rassismus war immer da, jetzt tritt er nur öffentlicher auf. Durch Pegida oder AFD glauben viele Menschen, dass sie, als mündige Bürger, ihren Unmut kund geben dürfen, ohne zu realisieren, dass das alles rassistische, patriotische bzw. faschistische Kackscheiße ist. Wovor haben die Menschen eigentlich Angst? Ich bin nicht einmal im Ansatz in der Lage das Elend und das Leid in vielen Regionen der Erde begreifen zu können. Selbst wenn noch doppelt oder dreifach so viele Menschen nach Deutschland kommen, werden wir weiterhin ein privilegierter Teil der Weltbevölkerung sein. Es ist ja nicht so, dass wir in Deutschland zu den klügsten und fleißigsten Menschen gehören, wir wurden in unseren “Reichtum” reingeboren.

James First - Choose Your Life Cover
James First – Choose Your Life Cover

Bei aller Positionierung und klaren Statements gegen diese aktuelle Welle, wird ja je nach Medium sogar noch mehr die linke Gewalt beleuchtet und kritisiert. Seht ihr da eine berechtigte Kritik dran und wo sind für euch die Grenzen zu ziehen? Darf sich eine Gegenbewegung auf mehr als nur Worte und Demonstrationen berufen?

Czassi: Du stellst heute aber auch nicht nur die ganz einfachen Fragen? Ich möchte da nur so viel zu sagen. Ich möchte mir nicht anmaßen, Gewalt zu verteufeln, wenn Menschen in Situationen kommen, in denen Gewalt die letzte Möglichkeit darstellt, sich und seine Mitmenschen zu schützen. Die Leute, die sich vor die Heime stellen, damit diese nicht angezündet werden, das sind für mich Menschen mit absoluter Zivilcourage. Und wenn dann einige von den rechten Idioten ein blaues Auge bekommen, damit keine Kinder und Familien in ihren Häusern sterben müssen, dann sollten wir nicht über die Gewalt von Links sprechen, sondern von der fehlenden Courage der so genannten “Mitte”! Leider gibt es auch Aktionen aus der Linken Szene heraus, die nicht der Sache helfen, sondern in denen es eher um die Selbstdarstellung geht. Das finde ich sehr schade und absolut unnötig.

Klebo: Na klar ist da teilweise berechtigte Kritik dran. Nur weil jemand “links” ist, heißt das noch lange nicht, dass die Person kein Arschloch sein kann und überzogene Gewalt anwendet, welche sich vermeiden ließe. Aber, leider helfen Worte nicht, wenn die Gegenseite taub ist.

Bevor wir die Musik zu kurz kommen lassen: Ihr geht auf große Tour und die hat den Namen groß tatsächlich verdient. Weit über 15 Dates in ganz Europa werden gespielt um eure Platte zu promoten. Unter anderem auch im schönen Aachen, wo ich sicher auch vorbei schauen werde. Wie stellt man so etwas als kleine Band auf die Beine? Welche Erfahrungen musstet ihr machen beim Buchen der Tour und habt ihr Tipps für andere Bands, wie man so etwas eigentlich angeht?

Czassi: Hey cool, sag Bescheid und dann gibt’s ein Bier oder ne Brause an der Theke! Also die Tour habe ich zum großen Teil gebucht, jedoch arbeiten wir nun mit dem Nico von Subkultura Booking zusammen und sind sehr glücklich. Die letzten zehn Jahre habe ich immer alle Konzerte und Touren meiner Bands selbst gebucht. Meistens trifft man auch viele tolle Orte mit sehr engagierten Menschen, die versuchen die Szene mit ihren Möglichkeiten zu erhalten. Genau da würde mein Ratschlag für junge Bands anfangen. Man kann nicht immer den geilen Backstage, das fette Catering und die Mega P.A. erwarten. Gerade wenn man im DIY-Bereich tourt und keine Offdays haben will, sollte man immer erstmal froh sein spielen zu können. Sei kein Arschloch den Leuten gegenüber und habe zusammen mit den Menschen eine mega Zeit! Dann kannst du dich auch immer wieder melden und du wirst wieder eingeladen. Das ist den Promotern im DIY Sektor oft wichtiger, als das du die krasseste Band auf dem Planeten bist. Darüber hinaus ist es einfach sehr zeitaufwendig eine Tour zu organisieren und man braucht immer einen in der Band, der sich gerne nächtelang vor den Rechner hockt, um E-Mails zu tippen.

Markus: Es ist echt gar nicht so einfach. Für manche machen es Job oder Familie schon schwer die Zeit dafür zu finden. Es müssen ja auch alle zur gleichen Zeit Urlaub bekommen usw. Ich denke mit der wichtigste Punkt ist die Leidenschaft, die man einfach dafür haben muss. Für uns ist es einfach das Größte Musik machen zu können an so vielen verschiedenen Orten mit so vielen verschiedenen Menschen.

Klebo: Mein Tipp an andere Bands? Ihr müsst nur Czassi bei euch Gitarre spielen lassen, dann kommt das alles von alleine.

Woomi: Das was man beim Buchen von Gigs braucht ist auf jeden Fall Ausdauer. Gebt nicht gleich auf wenn nichts oder ein Nein zurück kommt. Dazu nochmal ein großes Danke an Czassi!

Zu guter Letzt schmeiße ich euch einige kleine Happen hin und ihr haut einfach mal ein bisschen Infos raus.

Wer von euch macht am längsten Musik?

Als Klebo anfing Musik zu machen war Markus noch nicht einmal im Ansatz geboren.

Wie steht’s innerhalb der Band mit Alkohol?

Ja.

Wer ist der Älteste und wer der Jüngste innerhalb der Band?

Klebo (40) ist der Älteste, Markus (21) der Jüngste.

Lagwagon oder Millencolin?

Czassi: Millencolin

Markus: Millencolin

Klebo: What? ähhh, …But Alive.

Woomi: Ich kann mich nicht entscheiden. Es tut mir sehr Leid.

Die beste NOFX Platte?

Czassi: “The Decline

Markus: “Punk in Drublic

Klebo: “Bandera Pirata“! Wie, die ist nicht von NOFX?

Woomi: Das was Czassi sagt.

Das wars Jungs, vielen Dank für eure Zeit, nur das beste für eure Platte und eure Tour und wir sehen uns dann hoffentlich in Aachen!

Czassi: Alter, fetten Dank für deinen Support! Habe gerade die 003 und 004 auf dem Klo und muss sagen, sehr schick und sehr gut!

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/jamesfirstband

http://www.facebook.com/backbiterecords

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