Light It Up – Interview

Light It Up aus Weißwasser sind eine der jungen, deutschen Bands, die man auf dem Schirm haben sollte. Im letzten Jahr haben sie nach einer Demo und einer EP ihre erste LP namens “The Heaviest Weight” bei Farewell Records releast und brettern seitdem über die Bühnen der Republik. Grund genug für ein Interview mit Drummer Marco.

Hallo Jungs. Danke, dass Ihr euch die Zeit für uns nehmt. Für alle, die euch noch nicht kennen: Erzählt mal bitte, wer ist „Light It Up“?

Erst einmal danken wir euch für die Möglichkeit des Interviews. Ursprünglich kommt der Großteil von uns aus Weißwasser, einer kleineren Stadt im östlichsten Sachsen, der Lausitz. Gegenwärtig leben wir jedoch in Dresden und Berlin verteilt. Gegründet haben wir uns bereits 2008. Über die Jahre war es uns nicht möglich in der selben Besetzung zu bleiben. Light It Up sind Thomas (Gesang), Marko (Bass), Martin und Jacob (Gitarre), sowie Marco (Schlagzeug). In dieser Besetzung spielen wir seit knapp einem Jahr.

Aus eurem aktuellen Release „The Heaviest Weight“ sticht als aller erstes die Stimme von Thomas heraus und gibt euch einen unverwechselbaren Touch. Wie würdet Ihr euren Sound beschreiben?

Den eigenen Sound zu beschreiben ist auf jeden Fall eine schwere Aufgabe. Für uns war Musik schreiben schon immer sehr emotionsgebunden und „aus dem Bauch heraus“. Rougher Hardcore mit etwas Groove und knallenden voluminösen Gitarren. Wie gesagt, schwer zu beschreiben. Wir versuchen schon einen eigenen Touch rein zu bringen, welcher Light It Up einen charakteristischen Klang gibt. Wir versuchen uns dabei weniger an Anderen zu orientieren. Die Eigenständigkeit würde dabei verloren gehen. Etwas „unverwechselbares“ ist schon gut und das gibt uns unter anderem Thomas mit seiner Stimme. Das ist gut so! Ob dieses “Eigene” positiv oder negativ ist, sei jedem_r jedoch selbst überlassen. Wenn man uns aber wiedererkennt, haben wir unseren Sound erreicht.

Welche Bands haben euch besonders dabei inspiriert ?

Inspiriert haben jeden Einzelnen von uns sicherlich viele Bands. Alle von uns hören die unterschiedlichste Musik. Demnach kann auch nicht genau gesagt werden, welche Bands uns explizit inspiriert haben. Sicherlich lassen sich verschiedene Parts mit alten oder neuen Bands vergleichen oder erinnern den Einen oder Anderen an eine bestimmte Band, jedoch ist dies nicht beabsichtigt. Der Pool an gehörten Bands ist groß. Wir sitzen demnach zusammen im Proberaum und arbeiten ausgiebig an jedem Song. Im Endeffekt stecken da Ideen jedes Einzelnen von uns drin. Und das ist dann das Ergebnis.

Was mich immer interessiert: wie kamt ihr zum Hardcore? Aus meiner eigenen Erfahrung heraus erweist es sich als durchaus schwierig die ersten Berührungspunkte mit diesem Genre zu finden, wenn man aus der Provinz, anstatt aus einer Szenemetropole kommt.

Das klingt lustig. Ich könnte dir noch nicht mal eine Szenemetropole nennen. Ob Provinz oder Metropole spielt meiner Meinung nach dabei keine Rolle. Wie bei vielen sicherlich, sind wir auch durch Freunde auf die Musik gestoßen. Man hat einfach mal eine CD oder Kassette bekommen, ist auf eine Show mitgenommen worden oder hat die Musik einfach im Auto oder im Zimmer eines Freundes mitgehört. Wir selbst haben in Weißwasser auch Konzerte veranstaltet und haben somit den_die Eine_n oder Andere_n in Kontakt mit der Musik bringen können. Später hat man sich besser kennen gelernt und man ist zusammen auf Shows gefahren oder hat eine Band gegründet (wie in unserem Fall). Klingt nicht spektakulär, oder? Dies waren aber einschneidende Erfahrungen in unserem Leben.

Was treibt euch als Band an Hardcore zu spielen und in dieser Szene aktiv zu sein?

Da lassen sich einige Dinge nennen. Zum Einen ist es das Gefühl, der Szene das zurück zu geben, was wir selbst damals und auch heute noch selbst erfahren durften und dürfen. Das Gefühl einen Platz gefunden zu haben, abseits des alltäglichen Lebens und der Gewohnheiten, welche einem fremd zu sein scheinen. Es sind eigene Räume, die wir uns schaffen und uns damit identifizieren können. Diesen Platz zu erhalten und voran zu treiben, ist ein Grund warum wir diesen aktiv als Band mit gestalten. Außerdem ist es natürlich auch die Teilhabe und Gestaltung einer subkulturellen Bewegung. Eine kleine Welt eingebettet im Gesamten. Abseits des Alltäglichen. Ein gutes Beispiel ist das Erfahren von Freundschaft und Zusammenhalt zwischen Menschen, welche sich noch nie zuvor im Leben gesehen haben und doch die eine feste Basis der Gemeinsamkeit haben. Und natürlich ist es für eine Band ein riesen Erlebnis, viele Orte innerhalb kürzester Zeit zu sehen sowie immer wieder neue Leute kennen zu lernen. Hardcore und die damit verbundenen Wurzeln und Vernetzungen geben genug Ansporn, diese positiven Erfahrungen fortzuführen und aufzuzeigen, über die Musik zu verbreiten und an die Leute weiter zu geben.

Ich hab euch mittlerweile in ganz Deutschland auftreten sehen. Aber lese auch öfters das Ihr viele Gigs in Ost-Europa spielt. Gibt es Unterschiede zwischen “Dort“ und „Hier“? Und wie kann man sich die Shows dort vorstellen?

Grundlegend gibt es keine großen Unterschiede. Die Kids sind ebenfalls sehr interessiert an neuer, sowie alter Hardcore/Punk Musik. Sie erhalten die Szene im “DIY-Gedanken” am Leben und sind sehr aktiv. Sie stecken ihr Herz in eine Sache, welche sie leben. Wir haben den Eindruck, dass wirklich wenige west-europäische Hardcore Bands den Weg nach Osteuropa auf sich nehmen. Demnach begrüßen die Leute jede Band, welche zu Besuch kommt. Die Gastfreundlichkeit lässt keine Wünsche offen und die Konzerte an sich sind gefüllt und jeder ist in Bewegung. Die Kids zeigen sich sehr dankbar und haben absolut keine Berührungsängste mit neuen und jungen Bands. Sie gehen in der Musik auf, simpel “drauf los” und sind “einfach Mensch”. Uns macht es sehr viel Spaß dort unterwegs zu sein. Jederzeit wieder!

Wovon handeln eure Texte? Welche Message liegt euch am Herzen und möchtet ihr dem Hörer vermitteln?

Zum großen Teil handeln unsere Texten von persönlichen Erfahrungen, welche wir als Band und/oder als Personen gesammelt haben. Gesellschaft, Liebe, Hoffnung, Enttäuschung sind unter anderem Themen. Neben individuellen Erlebnissen spielen auch gesellschafts- und herrschaftskritische Ansätze eine wichtige Rolle. Die Auseinandersetzung mit Systemen und Institutionen hat auch schon in älteren Songs immer wieder stattgefunden. Hinzu kommt der Wunsch nach einem emanzipierten und freien Leben, Denken und Handeln. Diese Message soll an den Hörer vermittelt werden. Uns freut es, wenn sich Leute darin selbst wieder erkennen und dadurch noch einen intensiveren Bezug zu unserer Musik erleben. Im Grunde liegt die Message darin, dass nicht jede_r allein mit seinen_ihren Problemen auf der Welt ist. Die Themen betreffen viele Menschen und somit kann sich auch jede_r angesprochen fühlen. Die Texte sind zugänglich. Die Kids sollen diese aus sich raus schreien können. Genau das liegt uns am Herzen.

Ostdeutscher Hardcore hat immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Eines der brisantesten ist leider immer noch die Unterwanderung von Rechts in Form von NSHC. Wie schätzt Ihr diese Situation ein ?

Wir würden es nicht explizit als Problem der “ostdeutschen Hardcore Szene” bewerten. Betrachten wir es als Problem der gesamten Hardcore Szene. Nicht nur in Deutschland, auch europa- oder weltweit. Geschaffene Räume abseits der allgegenwärtigen Gesellschaft bieten attraktiven Unterschlupf und Anonymität für Gruppierungen, welche in der Gesellschaft keine Akzeptanz finden. Klar stoßen sie auch hier in der Hardcore Szene auf konsequente Ablehnung. Dies soll auch so bleiben. Viele können auf Grund ihrer optischen “Anpassung” nur schwer direkt ausgemacht werden. Tauchen unter und agieren aus dem “Hinterhalt”. Suchen in der Musik oder abzweigenden Bewegungen, wie Straight Edge, vermeintliche Werte und Normen, welche sie auf die NSHC Bewegung ummünzen und sich damit identifizieren. Hier besteht die Gefahr des Missbrauchs von der Hardcore Szene, wie wir sie kennen, sehen und verstehen. Deshalb ist es wichtig, uns das Thema immer wieder vor Augen zu halten. Die Leute hierfür zu sensibilisieren und zu zeigen, dass dies leider die Gegenwart ist. Das Thema muss auf Hardcore Shows präsent bleiben, um den betroffenen Personen zu zeigen, dass sie nach wie vor keinen Platz im Hardcore geboten bekommen.

Sowohl eure 7 Inch als auch eure LP sind über „Farewell Records“ erschienen. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Wir kennen Thomas von Farewell Records schon aus Zeiten von Something Inside. Er ist ein sehr guter Freund von uns. Wir haben damals schon einige Shows zusammen gespielt, uns getroffen und kamen dadurch immer wieder ins Gespräch. Farewell Records gibt es schon über Jahre und Thomas ist schon immer sehr aktiv im Hardcore. Er fragte uns nach unseren Plänen mit Light It Up und wir erzählten ihm von unseren Aufnahmen zur “Dog Days” EP. Er zeigte sich sehr interessiert und bot uns an, diese über sein Label zu veröffentlichen. Wir sagten zu und sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Demnach stand es auch außer Frage unsere LP “The Heaviest Weight” nicht über ihn laufen zu lassen. Wir sind sehr dankbar über seine jahrelange Unterstützung und das Vertrauen was er uns entgegen bringt. FAREWELL RECORDS!

Was hält 2015 für „Light It Up“ parat? Gibt es schon irgendwelche Pläne?

Pläne gibt es schon einige. Bisher haben wir grob bis Sommer 2015 geplant. Wir wollen einige Festivals spielen und Weekender fahren. Soweit es die Zeit natürlich erlaubt. Private und berufliche Veränderungen stehen bei einigen aus der Band an. Die schwierigste Aufgabe ist es dann, alles zu vereinbaren und auf einen Nenner zu kommen. Bisher können wir verraten, dass wir Ende Januar einen kurzen Trip auf die Kanarischen Inseln wagen, um dort zwei Shows zu spielen. Es wird auf eine gewisse Art ein Trip ins Ungewisse aber wir sind sehr gespannt und wollen es wissen. Weiterhin ist eine Tour mit Ashes Ende März geplant. Es soll Richtung Schweden gehen. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Mehrere Shows im Ausland sind ebenfalls in Planung. Unter anderem soll es nach Frankreich gehen, sowie wieder nach Osteuropa. Wir lassen uns überraschen, was das Jahr noch bringt. Eventuell noch eine Tour am Ende des Jahres. Wer weiß?!

In letzter Zeit stelle ich fest das DIY-Hardcore in Europa immer besser funktioniert. Und es immer mehr hart arbeitende kleine Bands gibt. Welche Bands sollten wir eurer Meinung nach dringend mal auschecken?

DIY funktioniert gegenwärtig echt super. Jede Band oder einzelne Leute die hart arbeiten, Zeit investieren, die Szene supporten und sich Woche für Woche ins Ungewisse begeben sind es Wert ausgecheckt zu werden. Mit vielen haben wir natürlich Kontakt. Zu nennen sind auf jeden Fall: RISK IT!, HAWSER, Ente von DUCKTAPE HC, ASHES, SOULGROUND, REASON TO CARE, REFLECTIONS, DULL EYES, GONE TO WASTE, BLACKSTONE, SANDLOTKIDS, RIVERS & TIDES, COLDBURN, NO TURNING BACK, THE HEIST, GHOSTWRITER, EISBERG, DEMONWOMB, DOGCHAINS, ROUGHNECK MEDIA SHOWCASE, MERCHPIT, WAR CHARGE, OPEN YOUR EYES, COLD REALITY, SENSE OF COHERENCE, INTENSE, FRUSTRATION. Checkt unsere Freunde von BENT LIFE! Hier kann man sicherlich seitenweise Bands nennen. Sorry, falls jetzt welche durchgerutscht sind.

Ganz kurz zum Abschluss was waren eure persönlichen Highlights dieses Jahr?

Jede Show hatte ihre persönlichen Highlights. Nennen wollen wir beispielsweise unsere Tour im Sommer mit BENT LIFE. Super Jungs, sehr sympathisch und machen spitzen Musik. Die Jungs gehen in der Musik genauso auf wie wir und man hatte einfach einen riesen Spaß zusammen unterwegs zu sein. Im gleichen Zeitraum ist noch das Voice Of Art Fest zu nennen. Der Abend und die Resonanz der Leute waren super. Weiterhin unser Trip mit Risk It und den Jungs von Hawser nach Kosicé und Prag. Wie gesagt, in Osteuropa lassen die Leute einfach mal von sich. Ausgelassene Stimmung vor, während und nach der Show. Einfach die Erfahrung sich auch über hunderte Kilometer noch wie zu Hause zu fühlen ist unbezahlbar. Grüße gehen raus an die “OUTCAST CREW”. Sicherlich ist für uns auch jede Show besonders, bei welcher die Kids unsere Texte mitsingen, tanzen und uns einfach unterstützen. Auf jeden Fall sind wir mehr als dankbar für jeglichen Support!

Paul Frenzel

Für weitere Informationen checkt:

http://facebook.com/lightituphc
http://light-it-up.bandcamp.com

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