Mossat – Interview

Ende Dezember verdunkelte sich der Himmel über der beschaulichen Universitätsstadt Siegen. Ja, es wurde noch dunkler als sonst schon in 57‘, und das lag nicht an der heranbrausenden Kältefront aus dem Osten. The Bro Code Commitment lud zur letzten Show des Jahres in die heiligen Hallen des Vortex nur um diese zu entweihen. Headliner des Abends waren die apokalyptischen Reiter von Hierophant, die auf Tour aus Italien einritten. Der düstere Support kam an diesem Abend von blank aus Köln und Mossat aus Hamm. Mit letzteren hingen dann Michael und Paul nach einem bitterbösen Set ab. Sänger Chris, Gitarrist Adrian, Basser Alex und Drummer Nico plauderten in entspannter Runde über das erste Jahr als Band, die Show in Siegen und die Pläne für 2015.

Hi Jungs! Ihr sitzt hier alle schön beisammen und macht euch über das gesunde Obst im Backstage her. Ist eine vitaminreiche Ernährung eine gute Voraussetzung, um bei Mossat einzusteigen?

Chris: Vorraussetzung für Mossat… Es gibt keine Vorraussetzung. Wir kennen uns alle schon so lange und sind alle grundverschieden.

Adrian: Man muss es aushalten können. Sonst dreht man am Rad.

Nico: Man muss es besonders mit dir aushalten können, ADRIAN!

Chris: Ja, ganz wichtig für’s Protokoll.

Also ihr kennt euch schon aus Vorgänger-Bands und kommt jetzt in Mossat musikalisch auf einen grünen Zweig?

Chris: Wir waren vor 7-8 Jahren noch voll auf Metalcore. As I Lay Dying und Co. Da waren schon vier von den jetzigen Leuten dabei. Damals hat sich das dann so herauskristallisiert. Zwischendurch hatten wir noch eine Hardcore Band und daraus ist dann Mossat entstanden.

Erklärt mir bitte mal, was es mit dem Namen auf sich hat. Mossat wird doch mit D geschrieben!?

Nico: Wir haben die Rechte daran!

Adrian: Der Name Mossat war erst mal nur ein Geistesblitz. Einfach in den Raum geworfen und es klang schön bissig. MOSSAT! Mit dem scharfen S darin und da haben wir weiter überlegt, ob man was daraus machen kann. Wie wir mit dem Namen und dem Konzept spielen können. Wir dachten uns „Mossad, das ist ja dieser Nachrichtendienst.“, der immer so dargestellt wird, als würde er im Hintergrund arbeiten und gewisse Dinge tun, von denen wir nichts wissen… ob sie jetzt gut oder schlecht sind sei mal dahingestellt. Das fanden wir interessant, dieses Verborgene, was man einfach nicht greifen kann. Was aber auch durchaus negativ sein kann. Mit der Geschichte des Mossad als Geheimdienst, in der er Nazis durch die Welt jagte, fühlten wir uns verbunden. Das soll jetzt nicht irgendwie heißen, dass wir pro oder contra Mossad sind. Wir haben da unser Konzept reininterpretiert und wir hoffen, dass die Leute da kein falsches Bild von uns bekommen. Obwohl wir das durchaus schon gehört haben.

Also seid ihr nicht gegen Palästina?

Adrian: Also ich für meinen Teil halte mich da raus. Ich weiß nicht, was dort wirklich vor sich geht, ich kann nichts dazu sagen. Ich kriege nur mit, was die Medien mir da hinlegen.

Ok, lasst uns noch mal über die Band sprechen. Viele verschiedene Typen dabei… Wie bekommt ihr da alle Geschmäcker unter einen Hut? Gerade beim Songwriting stelle ich mir das schwierig vor.

Adrian: Die meiste Zeit jammen wir einfach. Wir kommen Montags in den Proberaum, haben den ersten Tag wieder gearbeitet und könnten kotzen deswegen. Dann kommste in den Proberaum, siehst deine Kumpels wieder, chillst erst mal `ne Runde und trinkst ein Bier. Dann geht es los, alle greifen ihre Instrumente, wie sie gerade Bock haben und wir jammen einfach. Wenn der eine dann in letzter Zeit viel Death Metal gehört hat oder der andere viel Hardcore gehört hat, dann schlägt sich das natürlich im Sound nieder. Aber dann wird das auch durchgezogen und versucht, alles unter einen Hut zu kriegen. So entsteht das dann. Also da kommt keiner hin und sagt: „Ich hab ein geiles Riff“ oder so, sondern das entsteht alles im Proberaum.

Nico: Ich kann mir auch vorstellen, dass das für einen Ausenstehenden vielleicht manchmal so klingt, als ob wir uns nicht einigen können, was für Musik spielen wollen. Aber das sind wir. Wir spielen halt alles.

Adrian: Jo, und für uns klingt es halt ganz ok. Von daher hoffen wir, dass andere das auch so empfinden.

Fühlt ihr euch eigentlich in einer bestimmten Szene zu Hause oder ist es euch egal, ob Metal- oder Hardcore Show?

Chris: Also ich fühle mich auf jeden Fall eher im Hardcore zu Hause. Punkt.

Adrian: Ich war sehr intensiv in der Death Metal Szene unterwegs, aber das hat sich dann auch jetzt relativiert. Ich bin viel lieber auf Hardcore Shows, weil es sich einfach besser anfühlt. Die Death Metal Shows sind zwar technisch geil und der Sound ist auch fett, aber wenn ich dann da stehe wünsche ich mir aber mehr das Feeling einer Hardcore Show. Besonders das drum herum passt im Hardcore einfach besser für mich.

Im Frühjahr habt ihr eure erste Show gespielt und die erste EP releast. Wie ist das Jahr bis jetzt für euch weitergegangen?

Chris: Wir haben schon sehr viele Songs geschrieben. (Alle Lachen) Ist mittlerweile schon ein Album geworden mit 12 Songs. Konzept steht und die Lieder stehen. Wir haben jetzt auch selbst wieder mal drei Songs aufgenommen. Einer davon ist jetzt auch schon auf der BTL Compilation 4 raus und heißt „Amok“. In die Compilation solltet ihr auf jeden Fall mal reinhören! Also es kommen von uns jetzt auf jeden Fall noch mehr Songs, die ihr jetzt bald hoffentlich auf Platte oder auf Tape hören könnt. Wir schauen uns gerade noch um, wo und wie wir das Material veröffentlichen könnten.

Was geht eigentlich mit der Split mit Cold Sun aus den Staaten?

Chris: Leider werden wir die nicht releasen können. Die Terminkalender beider Bands passen da leider nicht zusammen und auch die Suche nach einem passenden Label war erfolglos.

Was sind eure Pläne für 2015?

Adrian: Auf jeden Fall der Release vom Album und dafür müssen wir natürlich noch in Studio. In welches steht noch nicht fest, weil wir noch mit der Pre-Production beschäftigt sind. Wir haben jetzt zwar die drei Songs durchgemischt und gemastert, aber mit den übrigen Songs haben wir noch gut was zu tun im Hinblick auf die Arrangements. Wir wollen ja auch, dass man hört, wie wir uns weiterentwickelt und mehr zu uns gefunden haben. Deswegen nehmen wir uns da ein bisschen mehr Zeit mit, aber wir hoffen Mitte 2015 zu releasen. Die Pre-Produktion sollte bis Februar im Kasten sein und dann geht’s zeitnah ins Studio.

Knackt ihr denn die 20 Minuten Spielzeit?

Chris: Ich glaube, wir liegen im Moment so bei 22 Minuten.

Auf der Show hatte ich gerade den Eindruck, eure Songs sind etwas eingängiger geworden und ihr habt so etwas wie einen roten Faden gefunden. Oder irre ich mich da?

Adrian: Ja, wir versuchen auch bei den Proben uns noch besser aufeinander einzuspielen, dass wir wissen, was für Taktwechsel für welche Riffs passen. Da kommen wir uns schon ein bisschen entgegen, verlieren dabei aber nicht unseren individuellen Background. Irgendwie klappt das ja auch. Wir finden, das ist ein Fortschritt und die Resonanz ist bisher auch echt positiv .

Eine Besonderheit ist ja, dass ihr eigentlich mit zwei Bässen unterwegs seid. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Und heute rückt ihr leider wieder nur mit einem an… Welche Auswirkungen hat das auf eure Show?

Chris: Also dafür, dass wir heute nur mit einem Bassisten und einem Gitarristen gespielt haben, war es überraschend gut. Und die Sachen mit den zwei Bassisten haben wir nicht aus Spaß gemacht. Wir haben das einfach mal ausprobiert und uns hat das direkt gefallen. Mit sechs Leuten in einer Band ist das natürlich auch immer eine organisatorische Herausforderung, was Shows angeht, aber klappt bei fünf von sechs immer.

Adrian: Der zweite Bass ist nicht nur ein Gimmick. Wie gesagt, bei uns läuft alles über das Jammen im Proberaum. Da war Broschi dann einfach dabei, weil er da saß und seine Band immer im Anschluss probte. Dann hat er sich mal den Bass geschnappt und mitgespielt. Das hat im Proberaum eine Wucht dazu gegeben, wo wir uns sagten : „Boah geil, warum nicht!?“ Und seitdem ist er fest bei uns eingestiegen. Es ist zwar schwer den Sound so einzustellen, dass man beide Bässe auch hört, beziehungsweise dass es auch was bringt. Aber wir versuchen das einfach und gucken wo es hinführt. Wir experimentieren halt rum

Wie war Hardcore 2014 für euch und was erwartet ihr vom nächsten Jahr?

Chris: Für mich hatte Hardcore 2014 viel mehr Variation. An so Bands wie Skinfather merkt man besonders, dass heute immer mehr vermischt wird. Von der Basis her Hardcore, aber mit ein bisschen Oldschool Death Metal drin. Das macht die Musik auf jeden Fall vital und ich hoffe, es geht 2015 so abwechslungsreich weiter. Ich habe auf jeden Fall nichts Schlechtes.

Adrian: Da kann ich nur zustimmten. Skinfather haben mir meinen Arbeitsweg auf jeden Fall erleichtert.

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.

Adrian: Grüße an Broschi und Dennis. Grüße an Bockler, der auch öfters mal bei den Proben am Bass aushilft.

Chris: Danke auf jeden Fall an alle Leute, die uns die Shows organisiert haben. Sei es Still Cold, sei es The Bro Code Commitment und der Markus von Still Ill. Alle die Shirts oder EPs gekauft haben, vielen Dank an euch. Ich hätte echt nicht gedacht, dass unsere Musik so gut ankommt.

Michael Breuer / Paul Frenzel

Für weitere Informationen checkt:

http://facebook.com/mossatband

http://mossat.bandcamp.com

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