Neighborhood Watch – Interview & Songpremiere

Im Saarland bewegt sich was. Aus dem Bundesland mit dem verrücktesten Dialekt kommt mittlerweile einiges an Bands.Doch nicht nur Größen wie World Eater, sondern auch interessantes Frischfleisch wie Caracosa oder im heutigen Fall, die Jungs von Neighborhood Watch. Irgendwo zwischen Saarbroklyn und Trier hat sich aus Mitgliedern von Blood For Betrayal und weiteren motivierten Musikern die Band gegründet, die Mitte letzen Jahres bereits eine Demo via Backbite Records raus gebracht hat, und jetzt im November diesen Jahres mit ihrer LP überzeugen wollen.

Ich habe mich mit Michael, dem Gitarrist der Band und Sänger von BfB zusammengesetzt und nachgehakt, wer Neighborhood Watch überhaupt sind, wofür die Band steht und was wir von der neuen zehn Track LP erwarten dürfen.

Hi Micha, schön, dass wir endlich mal Zeit gefunden haben, um uns über dein neues Projekt, Neighborhood Watch und die kommende LP zu unterhalten. Wir beide kennen uns ja schon, aber für die, dies noch nicht wissen – erzähl doch mal, wer bist du eigentlich?

Hi! Ja freu mich im Namen der gesamten Truppe, dass wir mit dem BTL Zine zusammenarbeiten dürfen (bin persönlich ein Fan der Printausgabe, sowie der Online-Präsenz). Was gibts zu mir selbst zu sagen? Ich bin ein 24 jähriger Typ aus Saarbrücken, der in seinem Leben eigentlich nichts lieber macht, als Musik zu machen/zu hören. Habe vor NW bereits mit anderen Bands und Projekten zusammengespielt, das ging schon mit diversen Schulbands los und zog sich bis zur ersten eigenen Band.

Aktuelle singe ich auch noch bei Blood For Betrayal. Die ersten Alben in meinem Regal waren eher Hip Hop, bis mich dann diverse Freundeskreise im Alter von 13 Jahren Richtung Punk/Hardcore/Metal führten. Das sind sozusagen meine Roots.

Ihr habt letztes Jahr ein Demotape über Backbite rausgebracht, für die, dies noch nicht geschafft haben mal reinzuhören bzw. sich jetzt denken „wat machen die eigentlich“ – kurz und knapp, wie lässt sich euer Sound, auf dem Tape zusammenfassen? Was gibt dir NW?

Mit NW erfüllte ich mir den Wunsch, endlich wieder Gitarre spielen zu können, aber auch etwas mehr persönliche, musikalische Einflüsse unter zu bringen, die recht weit von dem viel diskutierten Subgenre „Beatdown“ entfernt sind. Unser Sound auf dem Demotape ist wohl als eine Art „Suche nach dem eigenen Stil“ zu definieren. Vor allem der Song „Doomsday“ traf es ganz gut. Da sind schnelle und aggressive Metalparts, die mit einer verranzten Hardcorestimme und sogar etwas Melodie kollidieren. Tanzbar, ohne die Musik irgendwie auf Mosh auszulegen. Machen uns auf jeden Fall viele Gedanken beim Songwriting.

Zu erwähnen sei auch, dass unser Basser Andi, sowie Schreihals James, noch eine weitere Band haben namens No Leash. Sind also alle schon länger auf Bühnen der Underground Szene unterwegs.

Grade euer Name, Neighborhood Watch hat auch etwas polarisierendes. Gerade in der heutigen Zeit kommt ein rassistischer Beigeschmack der sogenannten „Bürgerwehren“ dazu – ihr zieht das ganze aber komplett anders rum auf, und wollt mit eurer „Neighborhood Watch“ eben genau dieses rassistische Pack aus euer Umgebung raushalten. Kann man davon ausgehen, dass eure Texte ähnliche Themen aufgreifen?

Wenn mich in Zukunft irgendjemand auf die Bedeutung unseres Namens anspricht, könnte ich deine Definition 1:1 weitergeben, da sie genau den Kern der Sache trifft. Und damit soll nicht gesagt werden, dass wir jedem „besorgten Bürger“ mit einem Basey hinterherrennen, sondern dass wir uns vor allem mit unserer Musik ausdrücken wollen.

Die bisherigen Songs tragen lyrisch gesehen alles in die Welt, was uns so durch den Kopf geht. Vor allem Konflikte mit anderen oder sogar sich selbst. Wer sich mit den Texten beschäftigt, wird das sicher merken. 

Wir positionieren uns in verschiedenen Songs auch politisch ganz klar. Trier (sozusagen die Hometown der Band) hat eine sehr aktive und antifaschistische Szene, was unserem Bandnamen daher umso mehr Sinn verleiht.

Freut mich, dass ich euch bezüglich zukünftiger Einträge im Hardcore-Wikipedia helfen konnte! Wie ist denn bisher so das Feedback zum musikalischen Output?

Feedback gabs bisher nichts wirklich Negatives, waren ja wie gesagt auch nur zwei Songs. Mo von Backbite fand die Songs tight und war direkt bereit, das Tape zu releasen. Unsere Anteil der Tapes wurde auch recht schnell ausverkauft. Die gängige Meinung war, dass es ein solider Einstieg sei und kein „0815 Brei“.

Der Release unserer Platte wird auf jeden Fall mehr Zeilen auf das bisweilen noch recht unbeschriebenes Blatt bringen. Wir haben viel ausprobiert, manches wird den Erwartungen aus den Demos entsprechen, aber man wird auch merken dass unsere musikalische Einflüsse weitläufig sind.

Die neue LP wird ebenfalls über Backbite Records erscheinen – seid ihr zufrieden mit der bisherigen Zusammenarbeit?

Wir sind sehr froh mit Backbite Rec und Mo. Er hat eine wahnsinnige Passion für Musik im allgemeinen und auch bock, jungen Bands wie uns eine Chance zu geben, die Musik in die Welt hinauszutragen. Ein Blick in sein momentanes Labelroster oder auch in seinen Distro gibt einiges an qualitativer Musik her, was vielleicht noch nicht jeder kennt.

Kann nur jedem empfehlen, mal in aktuelle Scheiben von Stolen Mind oder Second Sight reinzuhören.

Heute soll jeder einen ersten Eindruck bekommen, was da neues aus Trier kommt. Der hier exklusiv releaste Song “Tales From the Hood” enthält auch ein Feature von Alex Klein von World Eater – wie kams dazu? Neben Alex habt ihr auch Ricci von Felony auf der Platte, warum grad diese beiden?

Das Feature mit Alex rührt daher, dass Alex eines der absoluten Urgesteine unserer Hardcoreszene hier ist. World Eater zählt zu meinen absoluten Lieblingsbands. Daher zwei Fliegen mit einer Klappe: eine wahnsinnig geile Stimme, die unser Album bereichert + das „Representing“ der Mukke aus unserer Ecke.

Ricci und die Jungs von Felony sind schon seit ein paar Jahren Dudes von mir und verdienen noch mehr Aufmerksamkeit in meinen Augen. Wir haben vor ein paar Monaten eine Show zusammen gezockt, welche zufällig genau zu unser Recordingzeit stattfand und dazu noch im gleichen Ort. Das passte wie die Faust aufs Auge.

Bist du denn happy mit der Hardcore Szene bei dir in Saarbrücken bzw. im Saarland generell? Man kennt ja mitlerweile neben World Eater auch andere Bands aus der Ecke und das Reality Bites Fest hat meist auch ein solides Lineup – gibts da deiner Meinung nach noch Verbesserungsbedarf in der Region?

Tja „happy“ wäre gelogen. Aber beschweren will ich mich auch nicht direkt, da ich selbst zum Beispiel noch keine Show in Eigenregie organisiert habe. Aber es ist allgemein schon etwas ruhiger geworden hier. Ich weiß von Erzählungen älterer Hardcorekids (Alex lässt zum Beispiel wieder grüßen), was hier schon so krasses abging.

Als ich selbst reinkam, hatte man zumindest 1-2x pro Monat eine lokale Hardcorshow laufen. Mittlerweile kommt selbst das schon nich mehr so hin, Tendenz also eher fallend.

Allerdings kommt aktuell wieder viel neues. Bands wie Carcosa oder Defilement machen Welle, auch außerhalb. Daneben auch Bands wie World Negation oder Additional Time, die schon ihren Namen ordentlich etabliert haben. Es läuft was hier, aber man spürt, dass eine große Band von weiter weg auf dem Flyer stehen muss, um die Bude zu füllen..

Der neue Song, der heute vorgestellt wird mit dem Namen „Tales From The Hood“  ist auch der Titeltrack zur gleichnamigen LP. Steht der Song für die restliche LP oder ist noch mit Überraschungen zu rechnen?

Wir haben den Song gewählt, da wir glauben dass er sehr komplett ist. Nach neun geschriebenen Songs war dieser der letzte, bevor wir ins Studio gingen. Man kann jetzt schon sagen, der Titeltrack hat die einzige „Hook“ des ganzen Albums. Daher sollte sich der Hörer darauf einstellen, sich mit anderen Songs unter Umständen etwas länger befassen zu müssen.

Es warten definitiv Überraschungen, die bisweilen auf keinem der veröffentlichen Songs zu hören waren, zB mehr Melodie, diverse Skits, Songs mit weniger Tempo usw. Wichtig war uns der eigene Stempel.

Ich wünsche euch auf jedenfall viel Erfolg mit der neuen Platte und bin gespannt auf das Feedback! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und ja, bis zur nächsten NW Show –  die letzten Worte gehören dir!

Wir finden den Song auf jeden Fall allesamt rund. Es gibt einen bandinternen Favoriten auf der Platte, was auch der letzte Track des Albums sein wird. Ein Musikvideo dazu wird es zum Zeitpunkt des Releases, sprich November folgen!

Ansonsten, vielen Dank an dich, Julius, sowie die gesamte Redaktion des BTL Fanzine, dass wir uns hier präsentieren zu dürfen. Eure Arbeit ist eine Bereicherung für die gesamte Szene! Keep it up.

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/nbrhdwatch

http://www.facebook.com/backbiterecords

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