Second Sight – Interview

Normalerweise bin ich recht lethargisch, was unseren Blog betrifft und beschäftige mich eher mit dem Printmagazin, da mich das als Medium persönlich mehr anspricht. Vor kurzem sind mir allerdings durch Empfehlung eines Freundes Second Sight aus Dortmund digital über den Weg gelaufen. Zum Glück habe ich da mal ein Ohr riskiert, denn was die fünf Herren spielen, geht mir sehr gut rein. Also direkt mal gecheckt, aus welchem Umfeld die Jungs kommen – nach ein paar Jahren in der Szene kennt man ja doch das ein oder andere Gesicht – und siehe da: ich kenne keinen. Um das zu ändern, und natürlich, um die Band an sich zu pushen habe ich mich mit Sänger Alex auf ein paar Fragen verabredet.

Second Sight Band
Second Sight Band

Hallo Alex, im Vorfeld habt ihr mir verraten, dass ihr unter dem Namen The Watergate Affair mit leicht anderer Besetzung bereits seit 2011 unterwegs wart. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir der Name nicht wirklich bekannt ist. Liegt das an mir oder an euch?

Hey! Das wird wohl an uns gelegen haben. Mit TWA kamen wir selten mal weiter als 50km raus und haben wenn es hoch kommt vielleicht 30 Shows gespielt. Wir hatten damals einfach nur Bock Musik zu machen und hatten keinen wirklichen Plan, wie wir das Ganze angehen und was wir damit erreichen wollen. Bis auf eine richtig beschissene EP, welche wir 2012 bei mir im Wohnzimmer aufgenommen haben, haben wir auch nichts recorded. Das hat sich dann irgendwie bis zum Ende so weitergezogen, weil wir auch wegen viel anderem Kram kaum Zeit für die Band hatten.

Lust auf mehr hatten wir natürlich immer, also haben wir uns Anfang 2015 überlegt das Projekt TWA auf Eis zu legen und mit was Neuem zu starten, diesmal aber etwas durchgeplanter.

Was hat sich seitdem getan bzw. wie hat sich aus der Asche von The Watergate Affair das aktuelle Projekt entwickelt?

Da hat sich tatsächlich ziemlich viel getan! Erstmal haben wir alle alten Songs verworfen und haben angefangen rumzuexperimentieren. Wir haben uns viel Zeit gelassen um den Stil zu finden mit dem wir weitermachen wollten und haben angefangen Songs zu schreiben. Das war echt zeitintensiv, hat aber ganz gut geklappt. Als das Grundgerüst soweit stand, haben wir einen Termin im Studio gemacht und darauf hingearbeitet. Nebenbei liefen dann auch die ganzen anderen Sachen wie einen neuen Namen finden, Merch produzieren lassen, usw… Jetzt ist das Ding im Kasten, wir haben den Kram Drumherum auch fertig und stehen in den Startlöchern für alles was kommt.

Was steckt hinter eurem Namen Second Sight?

Wir wollten, wenn wir schon alles neu machen, auch einen neuen Namen. Mit der Namenssuche haben wir uns dann aber echt schwergetan haha. Irgendwie kam beim überlegen nur Mist rum und letztendlich haben wir uns nach einem Song von Brutality Will Prevail benannt. Erstens ist der Song echt fett und zweitens fanden wir „zweiter Blick“ irgendwie passend. Weil es ja auch die zweite Band ist. Haha. Stumpf, ich weiß…

Second Sight Live
Bild: 3/60 Photography

Was mich wie schon eingangs erwähnt sehr interessiert sind eure “Hardcore-Wurzeln”. Wo seid ihr so auf die ersten Shows gegangen oder durch welche Bands seid ihr an die Sache ran gekommen?

Puh, gute Frage! Der Bezug zum Hardcore kam bei uns allen glaube ich recht schleichend und über Umwege. Klar hat man mal ab und zu zu Hatebreed im Kinderzimmer gemosht, trotzdem war der Geschmack eher ganz allgemein bei gitarrenlastiger Musik. Das hat sich dann irgendwie von Punk und Metal, über Metalcore und den ersten großen und kleinen Konzerten zum Hardcore entwickelt. Bis auf Joe sind wir alle in und um Waltrop, einem Dorf mit ca. 30.000 Einwohnern aufgewachsen.

Neben Bauerndisko und irgendwelchen Abivor-Feten gab es sowas wie Hardcore Shows nur ganz selten. Ein Highlight und eine unserer ersten Shows, die wir besuchten war As Enemies Arise & The Haverbrook Disaster im örtlichen Jugendcafé, da wurden wir alle schon ordentlich angefixt.

Was geht in Dortmund heute so showmäßig oder wo geht ihr gern hin? Hängt ihr auch außerhalb vom Proberaum gemeinsam ab und geht zusammen auf Shows?

In Dortmund ist leider tote Hose was Shows angeht. Ich hoffe, dass sich das irgendwann mal ändert, ein paar Venues hier sind nämlich ziemlich cool. Wir planen auch gerade was in Dortmund, dazu aber mehr wenn es spruchreif ist. Ansonsten sind wir relativ häufig auf Shows in der Umgebung, die letzte war glaube ich das Injustice Records Showcase im Café Nova.

Auf dem bereits auf Bandcamp veröffentlichten Track “Forgive/Forget” (der übrigens sehr fett ist und mir Lust auf mehr gemacht hat!) singt Lukas von Gone To Waste ein Feature. Der Part liefert einen wütenden Kontrast zum Rest des Songs und tritt den Hörer zum Ende nochmal ordentlich in die Eier. Das klingt echt fett, also Glückwunsch schon mal dazu. Wie kam der Kontakt zustande?

Vielen Dank! Lukas hat bis vor kurzem auch in Dortmund gewohnt, man hat sich irgendwann mal auf einer Show unterhalten und dann beim Hansa und Pfeffi saufen richtig kennengelernt. Daher war das mit dem Kontakt aufnehmen gar nicht so schwierig, wir mussten quasi nur fragen.

Second Sight - Feed The Greed Cover

Als wir dieses Interview abgemacht haben, hattet ihr gerade den Deal für eure erste EP namens “Feed The Greed” mit Backbite Records abgeschlossen. Mir gefällt Backbite in letzter Zeit echt sehr gut, mit Tides Denied, Deathbearer und Keep Them Shut kamen (oder kommen noch) da einige gute Releases raus. Wie seid ihr dort gelandet?

Mo ist mit Backbite Records momentan extrem stark und wir sind sehr froh dort gelandet zu sein. Der Kontakt zu ihm kam letztendlich über Hannes von Powertrip Records. Wir haben uns bekannt gemacht, ihm die EP rübergeschickt und dann ging alles auch ganz schnell. Für eine 7“ war die Spielzeit zu lang, also haben wir uns darauf geeinigt eine single-sided 12“ zu machen. Ein paar davon bekommen noch einen B-Seiten Druck und für die Preorder-Version haben wir uns noch was Besonderes überlegt. Mehr dazu aber wenn’s soweit ist. Wird aber fett!

Track #4: “Fake Ideals”. Geil, ein Game Of Thrones-Skit am Ende des Songs. Tyrion Lannister zu Jon Snow: “Let me give you some advice, bastard. Never forget what you are. The rest of the world will not. Wear it like an armor and it will never be used to hurt you.” Aus den Lyrics zu “Forgive/Forget”, die man auf Bandcamp nachlesen kann, kann man eine – ich sag es mal so – klassische Hardcore-Attitüde (“Fuck you – I wont listen to you anymore – get out of my way”) ersehen. Seid ihr einfach Fans, oder geht dieses Skit irgendwie mit dem lyrischen Gesamtkonzept zusammen?

Wir sind alle ziemliche Fanboys, daher mussten wir nicht lang überlegen wo wir ein cooles Skit herbekommen. Außerdem sind wir jetzt nicht die Band, die groß mit Ratschlägen um sich wirft oder möchtegern-inspirierende Quotes raushaut, sondern behandeln in den Lyrics Themen, Gegebenheiten und Verhaltensmuster, die uns anpissen. Genau in solchen Situationen sind die Lyrics dann auch immer entstanden. Hardcore ist für mich ein Ventil um Druck abzulassen und dem Gegebenen mal verbal richtig in die Fresse zu hauen. Gerade bei „Fake Ideals“ geht es darum, dass wir uns heutzutage oft aufgrund von der Aussicht auf zum Beispiel einen vermeintlich guten Job, größerer sozialer Anerkennung oder einfach nur aufgrund von verworrenen Ansichten von Zufriedenheit so sehr verändern, dass wir ein riesengroßes egoistisches Arschloch werden und wichtige Dinge aus den Augen verlieren. Abschließend passt das Skit vielleicht ganz gut; wenn man sich ab und zu überlegt wer und was man ist, ist es viel leichter dem sozialen Druck standzuhalten und das Wichtige vom Bullshit zu filtern. Und wenn Tyrion das sagt, ist das cool haha.

Seid ihr mit Second Sight schon etwas rumgekommen und konntet den Namen bekannt machen? Oder kann man euch vielleicht sogar gern anhauen, wenn man euch auf eine Show buchen möchte?

Sehr sehr gern kann man uns einfach anhauen! Wenn es die Zeit zulässt, spielen wir überall. Bis jetzt kamen wir auch schon ein bisschen rum. Ende Mai sind wir einen Weekender gefahren und haben unter anderem zwei Gigs in der Slowakei gezockt, in Košice und Bratislava. Das war krank! Bis auf dass das Routing echt beschissen war, wir 4000km in 4 Tagen gemacht haben und unterwegs einmal fast abgekratzt sind, war es sehr geil.

Second Sight Live
Bild: 3/60 Photography

Dankesreden, Grußworte, Shout-outs? Die letzten Worte habt ihr.

Erstmal ein riesengroßes Dankeschön an Dich und das gesamte BTL-Team, dass wir hier ein paar Fragen beantworten durften! Ein riesengroßes Dankeschön verdient natürlich auch Mo von Backbite Records, der sich traut mit so einer jungen Band wie uns zu arbeiten und dazu noch der netteste Dude ever ist! Grüße gehen raus unseren Ex-Gitarristen Benny, der das hier wahrscheinlich eh nicht liest weil er den ganzen Tag Pokémon spielt, an Murph aka 3/60 Photography fürs Merch verkaufen und Fotos machen, an Mike von Gone To Waste, der uns bei der Entstehung der EP unter die Arme gegriffen hat und uns 1000 mal in den Arsch getreten hat, an Paras vom Level3 Entertainment Studio für die geile Woche im Studio und an Lukas von Gone To Waste für’s Leihen seines zarten Stimmchens. Shoutout an Keep Them Shut die vor kurzem „Stray Rats“ rausgehauen haben, Slope & Bad Habit. Peace!

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/secondsighthc

https://secondsighthc.bandcamp.com/releases
http://www.facebook.com/backbiterecords

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