Willpower Running Clothing – Interview

Im folgenden Kapitel möchte ich euch Menschen oder Projekte vorstellen, die von HCKids erschaffen wurden, aber letztendlich nicht mehr direkt mit der Musik oder der Hardcoreszene verknüpft sind.

Willpower ist mittlerweile nicht mehr nur Underground im Bereich des Laufsports. Die Designs, Ethik und Style der Firma und Ihrer Läufe sorgten in den letzten Jahren für einiges Aufsehen in der sonst eher langweiligen Laufsportszene.

(C) by Martin Liebl
(C) by Martin Liebl

Hallo! Stell Willpower doch kurz vor!

Hey! Willpower ist eine unabhängige Laufsport Marke, die sich gezielt an Läufer richtet, die sich trotz Breitensport nicht als Teil einer großen, anonymen Masse sehen wollen. Entstanden ist Willpower aus dem eigenen Wunsch heraus nicht herumlaufen zu wollen wie ein Clown (Neon-Farben, merkwürdige Schnitte, hochtechnologisierte Textilien und Ausrüstung…) sondern den eigenen, schlichten Stil auch auf Laufklamotten zu übertragen. Das ganze fing im September 2015 mit einem kleinen Onlinestore und zwei T-Shirts an und ist inzwischen zu einer richtigen Marke herangewachsen.

Stell dich in Person kurz vor!

Ich bin Chris, 38 Jahre alt und wohne in München. In meinem Leben hat sich eigentlich immer alles um Musik gedreht. Als Kind zunächst als Hörer, dann in den 90ern aktiv mit einem Fanzine (Keep the Faith), Shows organisieren und den ersten eigenen Bands (Exist, Empire, /i/…), über die Gründung meines Plattenlabels Let it Burn Records, weitere Bandprojekte wie Paint The Town Red, Blackout Argument, Deathspirit, und aktuell Hollow Sons und GWLT, bis hin zu einer kleinen Managementagentur.

Auch wenn 2013 mit dem Laufsport und 2015 mit Willpower etwas komplett neues dazu gekommen ist, wird sich bei mir auch in Zukunft vieles um Musik drehen. Home is where the heart is.

Dein Lebensmotto?

Hab ich nicht. Aber wenn ich mich zwinge: Keine nachhaltige Veränderung ohne positive Schwingungen. Wenn du mit dir selbst nicht im Reinen bist, wirst du genau NICHTS verändern.

Hat Hardcore dein Lebensmotto mitgeprägt?

Meine Sozialisation mit der Punk/Hardcore-Szene hatte auf jeden Fall starken Einfluss auf mein Leben. Ich bin relativ früh, schon als Kind mit Punk in Berührung gekommen und habe mich mit meinem Bauchgefühl, dass in der Welt viele Dinge nicht so laufen wie sie sollten, direkt abgeholt gefühlt. Ich denke als junger Mensch ist es wichtig solche Impulse zu bekommen und auch zu lernen was es bedeutet, diese mit der Welt außerhalb von Punk/Hardcore zu spiegeln.

Will sagen: Wenn sich das Gelernte, die positiven Erfahrungen und Einflüsse aus dieser Subkultur nur auf einen Austausch auf Konzerten und mit Menschen, die eine ähnliche Sozialisation erfahren haben beschränkt, dann kommt man irgendwann an den Punkt wo man diese Werte aus Bequemlichkeit vernachlässigt oder komplett aufgibt. Spätestens wenn man nicht mehr so oft auf Konzerte geht und Themen wie Familie oder Job in den Vordergrund rücken.

Ich sehe die positiven Ansätze aus der Punk/Hardcore-Szene immer noch als Gegenentwurf oder zumindest Gegenströmung zum gesellschaftlichen Status Quo. Auch wenn ich die Punk/Hardcore-Szene als Jugend-Subkultur beschreiben würde, sehe ich die Werte, die ich dort gelernt habe, nicht als zeitlich begrenzt auf diesen Lebensabschnitt, oder etwas das ich im Rahmen des Erwachsenwerdens hinter mir lassen muss(te).

(C) by Phil Pham
(C) by Phil Pham

Inwieweit beeinflusst deine Hardcoresozialisation dein Berufsleben, bzw. andere Tätigkeitsfelder? Welche ethischen Grundsätze deiner Hardcoresozialisation sind das im Besonderen?

Ich merke das vor allem im Umgang mit anderen Menschen. Sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen ist die Grundvoraussetzung für einen fruchtbaren Austausch, egal ob privat oder beruflich. Gleichzeitig spielt das Thema Abgrenzung aber auch eine Rolle. Ich muss nicht jeden mögen und eine klare Linie zu fahren bedeutet auch immer, dass man mit manchen Menschen keinen gemeinsamen Weg gehen kann.

So etwas klar zu kommunizieren erleichtert, auch im Berufsleben, enorm viel. Ein weiterer wichtiger Baustein ist es Dinge selbst zu tun, oder es zumindest zu probieren. Es ist so leicht zu sagen „Das kann ich nicht“. In den meisten Fällen wäre es aber ehrlicher zu sagen „Das kann ich NOCH nicht“. Bei Willpower war es genauso.

Ich hab weder BWL studiert noch irgendeine Ahnung von der Sporttextilindustrie. Ich hatte aber Bock eine Marke hochzuziehen und hab mir alles drauf gepackt, was mir an Wissen und Skills gefehlt hat. Im Kern ist das die gleiche DIY-Mentalität mit der ich 1995 mit Schere, Pritt-Kleber und Handkopierer mein erstes Fanzine zusammengeschustert habe.

Aber auch Faktoren wie ein grundlegendes Umweltbewusstsein und das Thema Tierrechte spiegeln sich in vielen Bereichen wieder. Das ist zwar per se keine „Erfindung“ der Hardcore-Szene, war aber Teil meiner Hardcoresozialisation in den 90ern. Und zu guter Letzt spielt bei Willpower auch ein ausgeprägter Community-Gedanke eine Rolle. Die Marke definiert sich zu großen Teilen über die Willpower Athleten, eine kleine Gemeinschaft an Freunden, die Willpower und die Idee dahinter supporten.

Bei den Willpower Athleten haben auch viele einen Punk/Hardcore-Background, aber nicht alle. Trotzdem funktioniert diese Gemeinschaft total gut und gibt jedem, der ein Teil davon ist, viel zurück.    

Hast du über Willpower auch Kontakt zu anderen Hardcorekids (also Konsumenten oder Geschäftspartner)?

Ja immer mal wieder. Ich wollte Willpower zwar bewusst nicht als „Hardcore-Laufmarke“ aufziehen, weil ich niemanden ausgrenzen will, aber ein guter Teil meiner Kunden sind direkt oder indirekt mit der Hardcore/Punk-Szene verbunden. Auch bei meinen Geschäftspartnern treffe ich immer wieder auf alte Hardcore-Weggefährten.

Ich finde das jedes mal ganz großartig, einfach weil da schon ein Grundvertrauen da ist, welches eine Geschäftsbeziehung enorm erleichtert. Und es macht einfach Spaß zu sehen, wohin die Reise bei vielen von uns gegangen ist.

Sind Hardcorekids die Zielgruppe von Willpower?

Es sind AUCH Hardcorekids. Es gibt bei unseren Produkten unzählige Referenzen auf Hardcore-Bands, Lyric-Zitate oder Motiv-Hommagen. Für den normalen Läufer sind das nur coole Slogans und schicke Designs aber für Hardcore-Kids ist das natürlich doppelt attraktiv. Mir bereitet das viel Freude auf diese Weise beide Zielgruppen (und on top noch mich selbst) glücklich zu machen.

Was willst du mit Willpower bewegen?

Die Sportartikel-Industrie wird von einigen wenigen großen Playern dominiert. Das sind Weltkonzerne, die uns seit Jahrzehnten nicht nur vorgeben wie wir uns beim Sport anziehen sollen, sondern auch mit welchem Selbstverständnis wir den Sport ausüben sollen. Ich sehe Willpower da als Gegenentwurf. Es gibt keinen Grund warum du beim Sport nicht auch Klamotten anziehen solltest, die du auch auf der Straße tragen würdest.

Es gibt keinen Grund sich „verkleiden“ zu müssen. Es gibt keinen Grund sich technisch hochzurüsten wie bei einer Mars-Mission. Es gibt keinen Grund zu verbergen, dass man beim Sport auch schwitzt. Es gibt keinen Grund beim Sport nicht auch für etwas zu stehen und sei es nur der eigene Stil.

Ich glaube jeder, der über Willpower stolpert, sei es über eine unserer Dokus auf YouTube, über Bilder oder einfach nur ein paar Willpower Chaoten bei einem Rennen trifft, versteht schnell wie die Marke funktioniert.

(C) by Björn Lexius
(C) by Björn Lexius

Wie sieht es wirtschaftlich bei euch aus?

Die Frage ist sehr allgemein formuliert aber ich würde sie mal so beantworten: Der Umsatz ist super und steigt stetig an. Gewinn gibt es noch nicht viel, weil ich sehr viel Geld reinvestiere um neue Dinge zu probieren oder einfach in Projekte stecke, die mir Spaß machen aber keinen wirtschaftlichen Vorteil bringen.

Das Gute bei Willpower ist, dass ich nicht davon leben muss. Das entspannt vieles. Ich habe noch einen Dayjob nebenher und kann bei Willpower machen was ich will. Diese Freiheit prägt Willpower ungemein und es sind schon sehr viele sehr coole Sachen daraus entstanden. Das möchte ich mir so lange es geht beibehalten.

Deine All time Hardcore top ten releases?

Ohne geordnete Reihenfolge:

Strife – One Truth

Youth Of Today – Can’t Close My Eyes

Snapcase- Lookinglasself

Trial- Are These Our Lives?

Most Precious Blood – Our Lady of Annihilation

Shelter- Mantra

Unbroken- Life. Love. Regret.

Earth Crisis – All Out War

In My Eyes – The Difference Between

Damnation A.D. – Kingdom of Lost Souls

Deine All time Musik top ten releases?

Alle oben genannten plus (ebenfalls ohne geordnete Reihenfolge):

Life Of Agony – River Runs Red

Bad Religion – No Control

Johnny Cash – American Recordings IV

Type O Negative – Bloody Kisses

Slime – Live Pankenhallen

Therapy? – Troule Gum

Pennywise- Unknown Road

Rise Against – Siren Song of the Counter Culture

Abwärts – Comic Krieg

Ann Beretta – The other Side of the Coin

Interview geführt von Björn Esser

Für weitere Informationen checkt:

http://www.willpower-running.com

http://www.facebook.com/willpowerrunning

Wenn ihr nun Interesse an Willpower Artikeln habt, checkt den Onlinestore aus und sichert euch mit Björn’s Code 15% Rabatt!

 

comments