Angel Crew – XVI Review

Jetzt was aus der Sparte „Ach, guck, die gibt es auch noch?!“. Heute mit Angel Crew. Die belgisch-holländische Supergroup mit Mitgliedern von Backfire, Length Of Time und Deviate hat im November nicht nur eine ziemlich wilde Reunion-Show am The Sound Of Revolution-Festival gespielt, sondern tatsächlich sogar eine neue Platte rausgehauen. Live war das durchaus beeindruckend, was die alten Männer da abgeliefert haben. Sowohl das Debüt „Another Day Living In Hatred“, als auch die Nachfolger-Scheibe „One Life, One Sentence“ würde ich außerdem eindeutig in die Kategorie „Euro-HC Classics“ packen. Große Fußstapfen und viele Vorschuss-Lorbeeren also.

Angel Crew
Angel Crew

Los geht’s mit Highspeed-Geballer der alten Schule. Ganz schön viel New York, coole Vocals aus dem Ryker’s/Euro-HC-Kosmos und ein bisschen Metal-Mosh. Nicht übel. Die gesungene Hook finde ich hier etwas langweilig, passt aber ansonsten ganz gut in den Vibe des Songs. Der Opener ist also schon mal grundsolide. Song Nummer 2 –  „Stabbing Bastards“ – klingt dann allerdings fast genau so, nur weniger cool. Erst bei „Skulls & Bones“ drehen die Jungs das Tempo herunter und schütteln eine coole Hook und ein nettes Solo aus dem Ärmel.

Nach drei Songs könnte man dem Comeback-Album damit durchaus Potenzial zusprechen und hofft, dass die Platte die Kurve kriegt und voll abholen kann. Zumindest bei mir haut das aber irgendwie nicht hin. Was nämlich zunächst noch als „ganz cool“ durchgeht, kippt im weiteren Verlauf aufgrund fehlender Höhepunkte immer mehr in Richtung Langeweile. Klar, das ist gut gespielt und auch sehr souverän geschrieben, leider aber eben auch durchwachsen und einfallslos. Spätestens beim siebten Song und dem zweiten typischen Sample aus irgendeinem Film, schalte ich geistig ein bisschen ab.

Viel zu selten glänzen die Songs mit „Aha“-Momenten und können mitreißen. So besticht „Broken Promises“ z.B. durch einen catchy Refrain und interessante Metal-(Dis)Harmonien. Auch der Mittelpart von „Dead Beat“ und der Rausschmeißer “Crushing Innocence” zeigen, welche Qualitäten die Band hat, wenn sie die richtigen Knöpfe drückt und die Metal-Axt rausholt, anstatt den Zuhörer beharrlich ins 08/15 EuroCore-Mosh-Delirium zu befördern. Dann wird’s nämlich auf einmal richtig hart und macht Spaß!

Das eigentliche Problem ist, dass die Formel auch da, wo es mal etwas abwechslungsreicher klingen soll, meist nicht so wirklich aufgeht. So irritiert mich die Vocals-Performance am Anfang von „The Fear Of Fear Itself“ zum Beispiel, ein Instrumental wie „King Of Dogs“ macht überhaupt keinen Sinn und das Exploited Cover ist nicht mehr, als gut und sehr (sehr, sehr, sehr… also wirklich SEHR) nah am Original nachgespielt.

Unterm Strich ist das dann trotz sehr viel Leerlauf sicherlich solide, gemessen an der Erwartungshaltung aber einfach zu wenig.  Natürlich sind mehr als zehn Jahre vergangen und der Hardcore-Globus hat sich weitergedreht. Vielleicht bin ich hier auch ähnlich wie bei der Ryker’s-Platte übertrieben kritisch und sollte einfach keinen Ü40-EuroCore mehr reviewen. Trotzdem darf und sollte man an solch alte Haudegen ruhig etwas höhere Ansprüche stellen dürfen. Für “XVI” gibt’s von mir daher nur den Stempel “befriedigend – ” und ein Fleissbienchen. Macht euch einfach selbst ein Bild!

TracklisteAngel Crew - XVI Cover

01. Bombardier
02. Stabbing Bastards
03. Skulls & Bones
04. Nothing Is Wrong
05. Road to Redemption
06. The Fear of Fear Itself
07. Crucify Me
08. Broken Promises
09. King of Dogs
10. Dead Beat
11. Beat the Bastards (The Exploited Cover)
12. Crushing Innocence

Für weitere Informationen checkt:

https://www.facebook.com/angelcrewHC

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