Dagger Threat – Reality Bites Review und exklusiver EP-Stream

Dagger Threat
Dagger Threat

Es ist schon eine ganze Weile vergangen seitdem ich das letzte mal in ein neues Hardcore-Release reingehört habe, da mich Hardcore im Jahr 2017 schlicht gelangweilt hat. Stattdessen habe ich daher lieber zu den neusten schwarzmetallischen Ergüssen aus dem Norden Europas gegriffen. Umso erfreulicher ist es, dass alle Hardcore-Releases, die mich dieses Jahr begeistern konnten, aus heimischen Gefilden stammen.

Den Anfang machten die Hannoveraner Angst mit ihrem tonnenschweren 90er-Tribut “Burden of Loss”, welchem dann im Spätsommer die neue EP der Aachener Metallic-Hardcore-Kapelle Still Ill folgte. Da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, vollenden die Hamburger Dagger Threat meine persönliche Hardcore-Trilogie des Jahres 2017 mit ihrem neusten Werk “Reality Bites”.

Dagger Threat kamen für mich praktisch aus dem Nichts. Ich hatte tatsächlich keinerlei Ahnung, dass die Band überhaupt existierte, bis mich vermehrt Freunde darauf hinwiesen und mein Facebook-Newsfeed quasi in dem Musikvideo zum Titeltrack der Debut-EP “History Repeats” ertrank, was mich dann schließlich entnervt dazu bewegte, doch einmal in das gute Stück reinzuhören.

Entgegen aller Erwartungen war ich ernsthaft überrascht, was ich von ungefähr neunundneunzig Prozent aller Hardcorescheiben der letzten 5 Jahre nicht sagen konnte. Was Dagger Threat da hören lassen haben war alles andere als der erwartete tausendste miserable Trapped Under Ice oder Turnstile Abklatsch. Gekonnt und absolut eigenständig verbanden die Hamburger auf ihrer ersten EP Hardcore, Crust, Death Metal und sogar dezente Black-Metal-Anleihen zu einem interessanten Gesamtkonstrukt, das sich gleichermaßen hart, düster, tanzbar und atmosphärisch gestaltete. Genau das führen Dagger Threat auf ihrer neuen EP fort und erinnern dabei gleichzeitig an His Hero Is Gone, Entombed, Tragedy, Blacklisted und die frühen Werke des walisischen Doom-Metal-Hardcore-Hybriden Brutality Will Prevail.

Das klingt vorrangig erstmal nach einem seltsamen und geradezu unhörbarem Mischmasch, der sich in der Praxis aber als wunderbar funktionierend zeigt und Genregrenzen verschwimmen lässt, wie es selten erfolgreich getan wird. Auf “Reality Bites” geben sich Blastbeats, düstere Disharmonien, crustige D-Beat-Attacken, treibender Midtempo-Mosh und sogar bluesig anmutende Sludge-Passagen die Hand und erschaffen dabei ein tonnenschweres, endlos wütendes und chaotisch anmutendes Monster, das nur darauf wartet sämtlichen Hörern die Knochen zu brechen. Einen äußerst relevanten Aspekt machen für mich die Vocals des Sängers Tim aus, welcher mit seinem Gesangsstil bei mir Erinnerungen an die frühen Werke von Blacklisted weckt.

Dagger Threat stellen mit ihrer neuen EP einen weiteren Beweis dafür, dass Hardcore beim besten Willen nicht aus den Staaten kommen muss um gut zu sein. Ich würde sogar behaupten, dass nur wenig des US-Outputs der letzten Jahre den Hamburgern in Sachen Kreativität und Eigenständigkeit das Wasser reichen konnte. Es liegt nun an der deutschen Hardcore-Szene zu erkennen, dass Bands nicht auf dem This is Hardcore Fest gespielt haben müssen um qualitativ hochwertigen Output zu liefern und auch ohne fünfstellige Facebook-Likes jeglichen Support wert sind. Wir sind stolz euch als Erstes die neue EP “Reality Bites” präsentieren zu dürfen und hoffen, dass ihr den Jungs die Aufmerksamkeit zollt, die sie sich mit der EP redlich verdient haben.

TracklisteDagger Threat - Reality Bites Cover

01. Hanging By A Thread
02. Not Your Fool
03. Inner Beast
04. Two Lost Souls
05. Tombstone

Für weitere Informationen checkt:

https://www.facebook.com/runandhiderecordz

https://www.facebook.com/daggerthreat

https://daggerthreat.bandcamp.com

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