Deathbearer – Suffering Review

Eine Platte von einer dir völlig unbekannten Band in den Player zu werfen kann ziemlich spannend sein. Manchmal ernüchternd, manchmal überraschend cool. Manchmal irgendwas dazwischen. Bei Deathbearer aus Hamburg hatte ich mal wieder die Möglichkeit mich (fast) unvoreingenommen auf eine neue Platte einlassen zu können. „Suffering“ heißt das Debüt der Jungs und entpuppt sich als ein wirklich kurzweiliger Trip in endzeitlich-dystopische Klangwelten.

Schon das Intro kündigt relativ flott an, dass Weichflöten und Touche Amore Anhänger sich besser die Wollmütze ins Gesicht ziehen und für die nächsten knapp 13 Minuten ganz ganz tapfer sein sollten. Der Song startet zunächst mit mantrischen Drumrhythmen, Bässen im Tieffrequenzbereich und unheilvollen Gitarrenklängen, nimmt dann aber schnell Fahrt auf, bringt 100% Groove mit und sollte live für fliegende Fäuste und kreisende Haare sorgen. Ziemlich fies. Die Produktion ist super dreckig, aber fett genug um den Gitarren den nötigen Druck zu geben. Der Gesang ist schon an bitterböse vorbei und generell klingt das nach der schönsten Art & Weise so richtig kacke drauf zu sein.

Was hier noch ein bisschen an eine Crust/Midtempo-Version von Power Trip erinnert, driftet mit dem eigentlichen Opener „Born To Suffer“ dann aber ganz schnell in wesentlich dreckigere und schnellere Gefilde ab. Die verschiedenen Einflüsse aus Death Metal, D-Beat/Crust & Hardcore werden zu einer ziemlich fiesen Suppe nach Augenmaß zusammengerührt. Der Fokus der Songs liegt durchweg auf dem Zusammentreffen von schnellen, teilweise mit Blasts versetzten Passagen, die sehr konsequent durch beängstigend wütende Weltuntergangs-Moshparts gebrochen werden. Ab und an streuen Deathbearer dann tatsächlich auch so richtige die Nackenwirbel zum knacken bringende Metal-Riffwalzen und Soli ein, schippern damit ein bisschen in Thrash Metal-Gewässer und sorgen dafür, dass auch die Langhaarfraktion sich vielleicht dazu durchringen könnte mal ein paar Bier mit den Crust-Punks im örtlichen AZ zu kippen.

Die sieben Songs rauschen jedenfalls allesamt mit durchgedrücktem Gaspedal an einem vorbei. Überraschungen?! Fehlanzeige. Aber weil das so stimmig ist und sich auch beim vierten oder fünften Durchlauf noch frisch anhört, ist das durchaus als Pluspunkt zu verstehen. Konzeptionell ist das also schon ma ne 1 mit Sternchen. Ich bin jetzt auch schon so wütend vom hören, dass ich mir vielleicht einfach selber auf die Fresse haue. Ich hab richtig Bock die Jungs live zu sehen.

Wer auf Bands wie Homewrecker, Nails, Bitterness Exhumed, Optimist, Deathrite oder Demonwomb (deren Sänger Don übrigens auf „Age Of Darkness“ zu hören ist) steht, der macht hier ganz sicher gar nix verkehrt. Im Gegenteil – dann gehört die Platte in eure Sammlung. Deathbearer müssen sich jedenfalls nicht vor den renommierten Bands der Düster-HC/Metal-Fraktion verstecken. Auch Freunde aus dem Extrem-Metal-Sektor & Grind/Crust Grenzgänger dürfen gerne mal ein Ohr riskieren. Es besteht zumindest eine kleine Chance, dass euch die Hamburger Jungs nicht zu poppig sind.

Die 7” sollte nach Plan im Februar 2016 auf Backbite Records erscheinen und kommt mit drei verschiedenen Artworks inkl. einer Hommage an Entombed. Checkt einfach mal die Facebook Seiten von Band & Label. Drei Songs der Platte gibt’s bereits im Stream – und die Pre-Order läuft nun auch schon an!

Deathbearer - Suffering CoverTracklist

01. Deathbearer (Intro)
02. Born To Suffer
03. Age Of Darkness (feat. Don/Demonwomb)
04. Burn
05. Hell Awaits
06. Inferno
07. Mankinds Demise

Infos

http://deathbearer.bandcamp.com
https://www.facebook.com/Deathbearer666
https://www.facebook.com/backbiterecords

Pre-Order

http://shop.backbite-records.de/index.php?route=product/category&path=34

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