Drowning In Preconception – Still Not Wise

Vor kurzen feierten die Jungs von DIP den Release ihrer EP „Still Not Wise“ im AK44 in Gießen. So konnte ich mich schon einmal von der Livequalität der neuen Songs überzeugen und mir die Scheibe für einen schmalen Taler zulegen, welche für eine DIY Demo äußerlich einiges hermacht und auch gut produziert ist.

Das Cover schmückt ein Oldschool „Irish Fighting“ Motiv, was wieder einmal aus der talentierten Hand von Fridge (Harm/Shelter) stammt und auf jeden Fall gefällt.

Kurzes Gitarrenstimmen und schon geht es beim Opener Track „Still Not Wise“ richtig zur Sache. Das Intro kommt mit richtig Druck und einem geilen Moshpart daher, so dass man gleich Lust bekommt die Zeilen mit zu schreien: „I will never be what you want me to be. Please give it up! Never steady down. Still not wise, still pissed off. Just plain furious.”

Und genau mit dem gleichen Druck geht es bei “Trapped” weiter. 1,2,3,4 und schon kommt der erste Two-Step Part. Und sofort fällt einem das markanteste Stilelement von DIP auf – die Stimme vom Sänger Tobi, die positiv anders klingt und der Band ihren eigenen Touch verleiht. Sie ist nicht ganz so tief, wie man es bei einem Kerl seiner Statur erwarten würde, dafür richtig schön rotzig und angepisst. So schreit sich Tobi bei „Trapped“ wütend durch seine Gedankenwelt, die ihn jagt und gefangen hält, ehe das Ganze in einem ziemlich fetten Moshpart endet. Für mich der beste Track auf der EP.

Bei „Gone“ nehmen DIP ein bisschen den Fuß von dem Gas und bewegen sich eher im Midtempo-Bereich und zeigen, dass sie auch grooven können. Der Song erzeugt eine schöne Atmosphäre gerade zum Ende hin, wenn die Zeile „time is passing by“ noch mal einen Moshpart ankündigt, der aber meiner Meinung nach durchaus härter hätte ausfallen können.
Weiter im Midtempo geht es bei „Classification“ weiter. Der Track rechnet mit dem Schubladendenken und der Szene-Polizei im Hardcore ab.

Bei „ The Wolves And The Sheep“ wird eine Thematik aufgegriffen, die wir alle wohl nur zu gut kennen. Hier wird das Verhalten der ganzen grauen Masse hinterfragt, die, gleichgeschaltet von den Medien und dem Konsum, langsam vor sich hin rottet ohne es überhaupt zu merken. Diese Gesellschaftskritik wird von Sascha, Sänger der befreundeten Band Mindplague, unterstützt. Ein Feature, welches sehr gut zu dem Song passt. Auch hier wechselt DIP wieder zwischen groovenden Passagen und vorwärts stampfenden Two-Step Parts. Den Abschluss der EP macht der Song „Big Eyes“. Ein noch mal etwas härteres Stück, was passend mit den Worten „a world away from society. This is my place to be“ endet. Danke für diese Textzeile.

Alles im Allem ist “Still Not Wise“ eine gelungene EP, die den Hardcore-Nagel der Zeit auf den Kopf trifft. Leider halten DIP den Druck und die Intensität, die sie am Anfang aufbauen nicht über die ganze Scheibe aufrecht. So passiert es, dass sie sich in der Mitte der Platte ein bisschen im Midtempo verlieren und den einen oder anderen Moshpart nicht mit der Härte ausspielen, die möglich gewesen wäre. Live kann ich die Jungs aber jedem nur dringend ans Herz legen, der auf soliden Underground Hardcore steht. Und gerade die Stimme von Tobi hebt DIP aus dem Hardcore-Einheitsbrei heraus.

Alle die neugierig geworden sind, können die EP auch auf der Bandcamp-Seite der Jungs streamen oder für schlappe 3 Euro kaufen.

Tracklist:Drowning In Preconception

1. Still Not Wise
2. Trapped
3. Gone!
4. Classification
5. The Wolves And The Sheep (feat. Sascha Mindplague)
6. Big Eyes

Paul Frenzel

Für weitere Informationen checkt:

https://facebook.com/drowninginpreconception

http://drowninginpreconception.bandcamp.com

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