Expire – With Regret Review

Was verbinde ich mit Expire? Ehrlich gesagt nicht viel. Die Band tänzelt natürlich seit Jahren auch in meinem Universum so an mir vorbei, allerdings ohne beachtet zu werden. Wenn ich mich für eine Sache entscheiden müsste, dann wohl das “Get A Shovel” Video auf YouTube, das kennt man halt. Die anderen Eckdaten sind bei mir nie wirklich positiv ausgefallen: auswendig gelernte Mosh-Choreographien, alberne Scherensprünge vor der Bühne und kein Sound, der sich bei mir festgesetzt hat. Tue ich der Band damit unrecht? Bin ich ignorant?

Das gilt es heraus zu finden, denn wie es der Zufall will hat mich vor kurzem eine E-Mail mit dem Titel “ExpireWith Regret: Deine digitale Bemusterung” erreicht. Expire existieren mittlerweile bereits seit sieben Jahren und haben nun sogar ihre Auflösung für den nächsten Frühling bekannt gegeben. Das klingt nach dem perfekten Zeitpunkt für mich die Band kennen zu lernen.

Expire by Manuel Casanova
Expire by Manuel Casanova

Kurz die harten Fakten zur Band abarbeiten: eine Demo, drei EPs, zwei Alben und Album Nummer Drei in den Startlöchern. Alles released auf Six Feet Under und Bridge 9 Records. Dazu Touren in Japan, Nordamerika und Europa. Ja, doch – Expire haben’s geschafft könnte man sagen. Mich haben sie zwar nicht erreicht, dafür scheinbar sehr viele andere Menschen auf der ganzen Welt. Na, dann scheinbar doch keine so dumme Geschichte, sich nun mal mit der Band befassen zu müssen.

Als hätte ich diese glückliche Fügung des Schicksals erahnt, habe ich mich in meinem letzten Urlaub tatsächlich freiwillig und unverbindlich mit dem ersten Album der Band “Pendulum Swings” befasst. Meine Ersteinschätzung der Band hat sich etwas verändert, ist aber immer noch eher mittelprächtig. Flow und Stimme sind für mich immer noch ein massiver Abklatsch von Trapped Under Ice (wenn auch unbestreitbar gut), die Musik verweigert sich dem Trend stumpfe Moshparts als zwingendes Stilmittel einzubauen und hat dadurch einen angenehmen Hörfluss. Allerdings setzt dadurch für mich der selbe Effekt wie bei Bitter End ein: Die Songs sind alle gut, das Album rauscht an mir vorbei – und am Ende bleibt sehr wenig hängen. Ausnahmen auf “Pendulum Swings” sind die Songs “Abyss” und der Titeltrack, den ich wirklich ausgesprochen stark finde. In den Rest der Diskographie hab ich vor diesem Review auch reingehört, um mir ein Bild machen zu können. “Grim Rhythm” gefällt mir auch gut, “Pretty Low” hingegen eher weniger.

Aber kommen wir endlich zum Punkt, wie klingt denn nun “With Regret“? Top oder flop? Sekt oder Selters? Barfuß oder Lackschuh? Die ernüchternde Antwort vorweg: irgendwas in der Mitte. “Fighting The Slip” eröffnet die Platte und serviert einen harten, aber schon bekannten Sound. Moshlastig, angesiedelt im Mid-Tempo und mit viel Groove, sobald die Stimme einsetzt. Auch die Idee in den Groove dann plötzlich kurz Downtempo-Anleihen einzubauen ist nicht neu, aber auch nicht verkehrt. Der Song endet, bevor er mich in seinen Bann ziehen konnte – wie gesagt ein Problem das ich generell mit Expire habe. Hier wirken selten für mich die Songs als Ganzes, sondern eher kleinere Momente in den Songs, die mich dann für sich gewinnen, wie z.B. das Ende von eben erwähnten “Pendulum Swings“.

Die Platte läuft mit einigen Höhen bis zur Mitte durch, alle folgenden Tracks begeistern mich mehr als der Opener, “Divide And Conquer“, “Regret” und besonders das sehr groovige “Medicine”. Anzumerken ist, dass alle Songs der Platte sehr kurzweilig sind, es gibt nur zwei Tracks, die knapp über die zwei Minuten gehen. Der komplette Rest pendelt sich bei im Schnitt bei 01:45 ein. Das zündet zwar schnell, aber nimmt auch jeglichen Platz für spannende Songaufbauten oder Atmoshpäre. Fairerweise allerdings etwas, was Expire schon seit je her gemacht zu haben scheinen.

Die zweite Hälfte wird durch “Live Or Die” angestimmt, was wirklich cool anfängt und Spaß macht. Auffallend ist, dass Expire auch komplett auf Singalongs oder Crewshouts verzichten, ein Element was in dieser Art von Musik doch eigentlich gängig ist. Mittlerweile fährt “Live Or Die” den Moshpart auf, der durchaus hart ist, aber auch nach dem Schema F-Vorspieler verläuft. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier unfair urteile, aber alles klingt wie schon mal gehört, quasi sogar von der selben Band auf den Vorgänger-Platten. Für einen Fan der Band ist das sicherlich genau das Richtige, hör ich mir doch auch die x-te No Turning Back Platte an, die genau so klingt wie der Vorgänger. Ich merk aber mittlerweile bei Song neun wie sich das anfängt abzunutzen und ich das Gefühl habe, alles was mich auf der Platte noch erwarten wird bereits gehört zu haben.

Das Cover bzw. das Artwork ist übrigens in meinen Augen genau so nichtssagend und bescheuert wie das der “Pretty Low” – warum man irgendwann einfach aufgehört hat coole Cover in dieser Band zu entwerfen ist mir ein Rätsel. Wir nähern uns dem Ende der Platte und ich mich damit meinem Fazit. Nach insgesamt drei oder vier Durchgängen der Platte ist wenig hängen geblieben und selbst die coolen Parts könnte ich nicht direkt einem speziellen Song zuordnen.

Die Platte ist auf keinen Fall schlecht und die Band macht solide, harte Musik, die nicht unbegründet so viele Fans für sich begeistern konnte. Für mich ist das allerdings Musik ohne eigenes Profil. Wenn sowas im Tattoo-Laden in Endlosschleife läuft, dann freu ich mich darüber und wippe mit, aber eher nach dem links-rein-rechts-raus-Prinzip. Musik für Hardcore-Fahrstühle quasi. Wenn ich diese Art von Hardcore hören möchte, leg ich einfach weiter die “Big Kiss Goodnight” auf. Meiner Meinung nach machen nämlich TUI das halt trotzdem alles einen ganzen Tacken geiler als alle Bands, die durch deren Fußstapfen laufen.

Anspieltipps des Albums finde ich eher in der ersten Hälfte, mit Ausnahme des Openers. “Regret” und “Divide And Conquer” kann ich zum Reinhören empfehlen. Ich denke Fans der Band können unbedacht zugreifen, ohne enttäuscht zu werden.

TracklisteExpire - With Regret Cover

01. Fighting The Slip
02. Divide And Conquer
03. Hidden Love
04. Regret
05. Medicine
06. Vultures
07. Live Or Die
08. Fair Weather Friend
09. Turned To Dust
10. Ghost
11. The Harsh Truth
12. Beyond My Reach
13. Fear In Control

Für weitere Informationen checkt:

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