Fourth Crusade – Sowers Of Perdition Review

Fourth Crusade. Fünf Jungs aus dem beschaulichen Marburg, die bereits mit zwei Demos und der “The Sickness Unborn” Promo EP unmissverständlich klar machten, in welche Richtung es geht. Kompromissloser und hasserfüllter 90er Metalcore. Ich habe ihr neuestes Werk “Sowers Of Perdition” vorliegen und kann schon im Vorfeld sagen, dass diese vier Songs nahtlos an die vorherigen Releases anknüpfen.

Fourth Crusade

Die Platte beginnt und ich durchlebe eine persönliche Zeitreise in meine Jugend als wir fast jedes Wochenende nach Belgien oder in die Niederlande gefahren sind, und uns Bands wie Liar, Deviate und Reprisal angesehen haben. Fourth Crusade hätten zu dieser Zeit perfekt in jedes Line-Up gepasst und stünden den vermeintlich großen Namen in nichts nach! Der Sound ist sehr authentisch und wirkt nicht aufgesetzt. Er klingt roh, brachial und walzt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt, ohne dabei zu glatt oder überproduziert zu klingen. Mir gefällt der Gesang und das Gesamtarrangement deutlich besser als noch auf den Demos und der EP. Jede Zeile, jedes Wort sitzt perfekt und passt sich optimal an den Song an. Man kann hören, dass alles durchdachter und absolut on point ist. Metallische Riffs der Marke Arkangel oder Day Of Suffering wechseln sich mit drückenden Doublebasspassagen und tonnenschweren Moshparts, die mich teilweise an alte Kickback erinnern, ab. Auch hier wirkt nichts gekünstelt und absolut wie aus einem Guss. Das haben die Jungs drauf, Chapeau!

Besonderen Wert legt Sänger Adrian auf seine Lyrics. Hier rechnet er mit unserer blinden bzw. blind gehaltenen Gesellschaft, unserem Konsum auf Kosten von unschuldigem Lebe und der Ignoranz und der absolut unmenschlichen Art und Weise wie der Großteil der Weltbevölkerung mit dieser Welt und ihren “human and non-human animals” umgeht. Wie schon in den 90ern bei ihren Vorbildern ist Veganismus ein großes Thema in den Lyrics. Adrian packt seinen Hass und seine Wut in jeder Zeile und macht deutlich, dass es für ihn auch im Jahre 2016 wichtig ist, solche Themen immer und immer wieder aufzugreifen und zu erzählen. Denn die Maschinerie des Verderbens kennt kein Erbarmen und ist größer und ignoranter als je zuvor. Beim Lesen der Lyrics und der Songtitel erkennt man, dass er Wörter wie z.B. “Babylon” und “Martyr” aufgreift, die eben auch Bands wie Arkangel oder Morning Again exzessiv benutzt haben. Hier erkenne ich eine Hommage an eben jene, die seinen Blickwinkel auf diese Welt und seine Art zu denken und zu hinterfragen sehr beeinflusst haben. Songtitel wie z.B. “At War With The World” und die Lyrics dazu machen deutlich, was hier Phase ist: Wir sind alle verdammt.

Ich bin bewusst nicht jeden Song einzeln durchgegangen, weil diese EP als ganzes funktioniert. Die Songs passen perfekt zusammen und keiner sticht wirklich heraus. Alle sind auf einem gleich hohen Level und laufen nahtlos ineinander über. Das Cover passt perfekt zum authentischen Sound und erinnert mich an Flyer, die damals auf Shows auslagen, wo sich Menschen gegen Tierversuche ausgesprochen und eingesetzt haben. Natürlich erfinden die Jungs das Rad nicht neu und man erkennt sehr deutlich, an welchen Bands sie sich orientieren. Ich persönliche wünsche mir, dass sie in Zukunft ihre eigene und eine etwas persönlichere Note in die Songs einfliessen lassen. Aber das ist Meckern auf hohen Niveau und auch vielleicht garnicht ihr Ziel.

Die Platte wird via Rising Nemesis Records Vinyl & Tape auf Tape und Vinyl und zusätzlich bei Soaked In Torment Records als 7″ erscheinen. Falls ihr also der x-ten Trapped Under Ice / No Warning / Cold World Kopie überdrüssig seid und Bock auf eine solide 90er Metalcoreplatte habt, gilt diese Review als absolute Kaufempfehlung und für jeden Fan der oben genannten Bands als unvermeidlicher Pflichtkauf!

TracklistFourth Crusade - Sowers Of Perdition

01. Sowers Of Perdition
02. At War With The World
03. Martyr
04. The Sickness Unborn