Giver – Mother Midnight

Mit Giver haben wir eine relativ junge Band im Gespräch, welche mir vor allem durch eine enorme Präsenz an Shows und kleineren Touren in den letzten Monaten aufgefallen ist. Anfang 2013 habe ich die erste Show von den Jungs, damals noch unter dem Namen Till Now Untitled, im JuZe St. Hubertus Aachen gesehen und war ziemlich hin und her gerissen. Musikalisch und vor allem stimmlich gefiel mir der punkige Sound der Band schon ziemlich gut, erinnerte er mich doch an altes Material von Comeback Kid. Allerdings merkte man gerade damals auch deutlich, dass die Band noch relativ unerfahren und jung war. Es ging ziemlich chaotisch auf der “Bühne” zu und ich hatte das Gefühl, dass das alles nicht so 100% ernst genommen wurde. Mein damaliges Fazit ging so in die Richtung “mal abwarten, was die so machen in der Zukunft” – und wie man sehen und hören kann, hat die Band definitiv ihren Weg gemacht und kann in der nicht mal zweijährigen Bandgeschichte auf eine relativ erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Das letzte und gleichzeitig erste Release der Jungs “Chocking On Pride” wurde sogar als 12″ herausgebracht und in den meisten Kritiken sehr positiv aufgenommen. Es folgten, wie schon oben angeschnitten, auffallend viele Shows und Touren, und nun steht das neue 7″ Release “Mother Midnight” in den Startlöchern. Aber wie klingt das ganze denn nun?

Die Band ist generell etwas von dem damaligen Comeback Kid-Sound abgewichen und scheint sich eher in ihre “eigene” Richtung zu entwickeln, in denen ich meine noch etwas mehr Melancholie/Wut zu hören. Man traut es sich kaum in den Mund zu nehmen, aber ein gewisser Emo-Touch ist meiner Meinung nach schon auf der Platte vorhanden. Aber halt im gutem Sinne. Teilweise erinnern Songstruktur und Aufbau an einen wilden Mix aus Touche Amore und neuere Sachen von Modern Life Is War/Life Long Tragedy, allerdings mit einer großen Portion Eigenständigkeit und Kreativität.

Gerade für eine so junge Band klingt das Release für mich unglaublich ausgearbeitet von den Arrangements und kleinen Finessen in der Produktion. Es wird mit verschiedenen Effekten auf der Stimme gespielt, Backings und Vocals wechseln sich passend ab und kaum ein Part in den Songs wirkt fehl am Platz. Tatsächlich gibt es für mich auch auf fast jedem Lied des Releases mindestens eine Stelle, welche Ohrwurm-Charakter hat, ohne jedoch zu weichgespühlt oder abgedroschen zu klingen. So sind z.B. die eingestreuten Melodien und die Backing-Vocals auf “Floating Life” oder der Gesangs-Part am Ende von “Malediction” herausragend gut gelungen. Es wird auch sehr viel mit dem Gesang auf der Platte gespielt, so dass hier keine Eintönigkeit aufkommt. Wirklich gerade singen kann zwar keiner aus der Band, aber das verleiht den Songs meiner Meinung nach eine Menge Charakter. Ich steh auf so wütend/rotziges Zeug.

Auch neu sind vorsichtig eingestreute Mosh-Passagen, wobei ich eher vermute, dass diese einfach aus dem Songwrite-Fluss enstanden sind und nicht weil Giver nun möchte, dass unbedingt bei ihnen wild getanzt wird. Die Songs laden generell eher zu Stagedives und Singalongs ein. Aber man wird sicherlich auch wunderbar an der Bar hängen können und sich von dem Sound der Band berieseln lassen.

Die Lyrics siedeln sich meiner Meinung nach im Mittelmaß an, nichts großartiges Neues, aber bekanntes wird solide verpackt. Einzig der Song “Malediction” klingt dann schon etwas “tiefgehender”, auch wenn der Inhalt sich mir nicht 100% erschließt.

Das Design der Platte ist, wie auch der Sound, ziemlich eigenständig und verzichtet komplett auf Trackliste oder ähnliche Textbausteine, sondern liefert quasi zwei verschiedene Cover inkl. Band- und Albumname. Das “Fackel”-Cover gefällt mir hier deutlich besser als die andere Seite, die ich nicht wirklich deuten kann. Sieht für mich aus, wie ein Mensch mit einer Gießkanne, der mit einem Strick an einen Strauch gebunden ist. Macht aber nichts, der Inhalt überzeugt.

Wenn ihr euch ein Bild von dem Material und der Band machen wollt, dann checkt Giver auf ihrer anstehenden Release-Tour und/oder checkt das komplette Release auf Soundcloud, wo es gerade komplett als Stream bereit steht.

Tracklist

1. Tunnel Vision
2. Lost My Way
3. Malediction
4. Floating Life

Tourdates

22/01/ Köln
23/01/ Kassel
24/01/ Hamburg
25/01/ Paderborn

Markus Kasten

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/giverhc

http://soundcloud.com/stageload/sets/giver-mother-midnight

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