H2O – USE YOUR VOICE REVIEW

Lang ist’s her, dass ich mit dem Album „Thicker Than Water“ auf den Ohren in den Ferien total leichtsinnigerweise meinen jungen Körper mithilfe meines Skateboards verstümmelte. Na gut, vielleicht doch gar nicht soo lange – aber es kommt mir trotzdem so vor, als wär es ein anderes Leben gewesen. Umso mehr freue ich mich, wenn mir die Shufflefunktion meines Smartphones auf dem Weg in die Uni einen H2O-Song auf die Ohren gibt, denn dann beginnt für mich eine Zeitreise in eine wohl erinnerte Zeit.

H2O Band

Deswegen habe ich mich ungemein über das erste neue Material der Band nach sieben Jahren gefreut, da ich das Coveralbum „Don’t Forget Your Roots“ aus dem Jahr 2011 zwar cool fand, das aber für mich nicht als wirkliches Release der Band zählt.

Pünktlich zum zwanzigsten Geburtstag der Band bekommt der willige Hörer mit „Use Your Voice“ rund 20 Minuten altbekannten H2O-Sound vorgesetzt. Altbekannt? Irgendwie schon, irgendwie auch nicht. Klar, sofort hat man Toby Morse‘s unverkennbare Stimme und das punkige 1-2-Schlagzeug im Ohr, doch die allgemeine Stimmung hat sich etwas geändert. Wäre ja auch schlimm, wenn eine Band nach sieben Jahren noch absolut gleich klingen würde.

Als erstes fällt schnell auf, dass sich wesentlich mehr melodische Elemente auf „Use Your Voice“ finden, besonders in den Chorussen. Das ist sicher darauf zurückzuführen, dass Toby seit geraumer Zeit in LA wohnt, was erklärt, dass man sich manchmal an NOFX oder Social Distortion erinnert fühlt. Manche Passagen wirken fast pop-punkig a la Blink 182, was mir beim ersten Durchgang beinahe den Spaß versaut hätte, da mir stellenweise ein paar BPM gefehlt haben.

Insgesamt ist der Sound aber als gelungener Hybrid aus oldschooligem NY Groove und einigen LA Punk Elementen zu beschreiben.

Das Album wirkt in der Gesamtheit etwas kompromissbereiter, reflektierter, reifer und mit mehr Einflüssen aus mehr Bereichen. Manche werden das gut finden, andere wiederum nicht. Auch thematisch merkt man dem Sänger sein fortschreitendes Leben und Alter an. Inhaltlich beschäftigt er sich auch mit seiner Funktion als Vorbild, insbesondere im Song „Father Figure“ als Rolle eines Vaters. Interessant ist für mich besonders der Bezug zum Song „Sunday“ auf dem vorherigen Album „Nothing To Prove“.

Besonders gut gefällt mir der Song „Popage“, der sich nach einigem Hören wegen seinem melodischen Chorus und altbekanntem Groove als mein Lieblingssong des Albums herauskristallisiert. Dieser Song fasst das Release sehr gut zusammen.

Es finden sich keinerlei Features auf „Use Your Voice“, was ich als willkommene Abwechslung und nicht als Manko auffasse. In letzter Zeit wollten mich zu viele Bands damit beeindrucken, wie viele „berühmte“ Sänger sie auf ihr Release zerren können.

Über die Produktion des Releases muss man bei einer Band vom Kaliber von H2O wohl kaum ein Wort verlieren. Natürlich ist die Platte perfekt aufgenommen, abgemischt und gemastert. Selbst nach vielen Hördurchgängen lässt sich kein Fehler oder Gematsche raushören. Alles ist sehr straight forward, wie es sich für eine Punkband gehört.

Zusammenfassend ist „Use Your Voice“ ein etwas weniger polarisierendes Release der Band, wodurch es mehr Leute mögen, aber weniger wirklich lieben werden. Trotzdem bekommt man für sein Geld 20 grundsolide, trendverweigernde Minuten gute Musik. Uneingeschränkte Kaufempfehlung für jeden, obwohl „Use Your Voice“ aufgrund des Status der Band sowieso Pflicht ist. H2O Go!


H2O - Use Your Voice CoverTracklist:

01. Black sheep
02. Skate!
03. Thick & Thin
04. Use Your Voice
05. Father Figure
06. From The Heart
07. Popage
08. Lyd
09. Still Dreaming
10. #notrallife
11. True Romance

Lukas Arnhold

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/h2ogo

http://bridge9.bandcamp.com/album/use-your-voice