Human Touch – Mental Chill Review

Selten hab ich mich so schwer mit dem Schreiben eines Reviews getan.

n der Regel geht mir sowas flüssig von der Hand – bei der neuen Scheibe von Human Touch, welche auf den Namen “Mental Chill” hört, war das anders. Das liegt nicht daran, dass diese Platte nicht ausgesprochen gut und frisch wäre, eher im Gegenteil. Aber irgendwie fehlte mir hier tagelang der Zugang. Doch fangen wir einfach mal von vorne an.

Human Touch

Human Touch ist eine fünf-köpfige Band, welche in Karlsruhe sesshaft ist und seit 2014 zusammen Musik macht. Manch einem könnten Namen und Gesichter der Bandmitglieder bekannt vorkommen, denn in nahezu identischer Konstellation waren die Jungs schon als The Haverbrook Disaster durchaus erfolgreich unterwegs. Nach der EP “True Justice” steht nun die erste Full-Length an, aber was hat sich im Vergleich zur Vorgängerband getan? Die Stimme ist immer noch auffallend prägnant und ein sicheres Alleinstellungsmerkmal der Band. Auch experimentiert man noch gerne innerhalb der Genre-Grenzen und zwischen harter Musik versteckt sich technische Finesse und gekonnt platzierte Melodien.

Nichtsdestotrotz ist Human Touch eine eigenständige Band und nicht zwingend mit The Haverbrook Disaster zu vergleichen. Der Sound der Platte führt die mit “True Justice“ eingeschlagene Richtung logisch weiter und ist eine interessante Mischung aus alt-bewährten und aktuellen Trends, gepaart mit einer guten Portion Eigenständigkeit. Viele Genres verschwimmen zu einem homogenen Konstrukt aus Hardcore, Rock und (Pop)Punk, wobei nie völlig klar ist, welches Genre hier eigentlich die Oberhand hat. Die Strophen besitzen einen enormen Groove, der meistens als 2-Step daherkommt und sofort zum Kopfnicken animiert. Außerdem trauen sich Human Touch teilweise an richtige Hooks, welche fast schon gesungen und sehr melodisch kommen, ohne jedoch zu poppig zu wirken.

Ihr seht, es fällt mir schwer, hier eine exakte Aussage zu treffen. Müsste ich Bands in den Raum werfen so würde ich sicherlich No Warning (Suffer, Survive-Ära) und Turnstile erwähnen, aber auch etwas vom Vibe von Rage Against The Machine meine ich als Einfluss raushören zu können. Der Gesang erinnert mich an manchen Ecken tatsächlich an Billy Talent, welche mit viel Fantasie an einigen Stellen auch musikalisch als Einfluss durchgehen könnten. Ähnlich wie bei Billy Talent braucht man vielleicht ein paar Durchgänge um sich in den Gesang reinzufinden, aber dann wird einem klar, dass der Gesang hier unglaublich wichtig ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands funktioniert der Gesang hier als eigenständiges Instrument, welches mit einer enormen Varianz an Tönen und Gesangsarten über die Riffs brettert. Noch schöner ist es dann natürlich, wenn auch noch Texte vorgetragen werden, die nicht langweilig sind und zum nachdenken anregen. Human Touch kommt hier mit Lyrics, welche Raum zur Interpretation bieten und mit dem Niveau der Musik mithalten können.

Was bleibt abschließend zur Musik zu sagen? Ihr bekommt eine Scheibe voll mit frischer Musik, die das Rad nicht völlig neu erfindet aber auf jeden Fall als interessantes Konstrukt neu zusammensetzt. Es gibt viele mitreißende Parts, die zum mitsingen animieren. Mosh gibt es auch, allerdings gewählt platziert und nicht zwingend vorhersehbar. Ich denke es gab bisher kaum eine bessere Zeit so eine Platte zu releasen, denn Hardcore ist aktuell offener denn je und es wäre eine Schande, wenn diese Platte durch die Ignoranz mancher Hörer versickern würde. Müsste ich die Platte mit einem Wort beschreiben, dann wäre es: Groove.

Für den Sound der Platte ist gefühlt ein komplettes Team verantwortlich, so viele Leute sind im Booklet genannt. Da wird auf Long Beach, NY gereamped und in New Windsor, NY gemastered, während das Ganze in Köln in den Pitchback Studios aufgenommen worden ist. Das klingt vielleicht ein wenig überzogen und abgehoben, erfüllt aber seinen Zweck. Die Platte klingt ausgesprochen gut gemischt und der Sound passt perfekt zur Musik der Band. Hier gibt es absolut nichts zu meckern, gerade auch etwas speziellere Gesang ist perfekt eingebettet und entfacht gerade so seine Wirkung.

Das Artwork wurde von Julius Black Soul Design entworfen und wirkt im Vergleich zur Musik eher subtil anstatt auffallend modern und experimentierfreudig und erzeugt einen schönen Kontrast. Ansonsten ist auch dieser Teil der Platte ähnlich wie auch der Sound perfekt und ohne Kritikpunkte abgewickelt worden. Das zusammengefaltete Poster inkl. Texten ist eine angenehme Abwechslung zu dem 0815-Textsheet. Insgesamt erfreut “Mental Chill” als perfekt durchdachtes und mit viel Sorgfalt zu ende gebrachtes Gesamtprodukt.

Mental Chill” erscheint auf Vinyl via Let it Burn Records und ist wie gemacht für dieses Format. Ich empfehle allen, die in diesen Zeilen ihren eigenen Geschmack wiedererkennen können, sich dieses Stück Musik zuzulegen und sich davon mitreißen zu lassen. Auch live übrigens eine echte Empfehlung!

Human Touch - Mental Chill CoverTracklist

01. Virtues & Vices
02. Empower
03. Wrong Way Out
04. Said Empire
05. Cheap Shot
06. Time To Pay
07. High Clouds
08. Mental Chill
09. Trust No1
10. Pray & Obey
11. Feel The Heat
12. Sweet Paranoia

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/humantouchhc
http://www.facebook.com/letitburnrecords

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