Kill This Dream – Turn Off The Lights

Wir reisen heute einige Jahre zurück in die Geschichte der lokalen Aachener Hardcore-Szene, welche schon einige großartige Bands ausgespuckt und wieder verschluckt hat. Ganz vorne dabei sind wohl Namen wie Cheap Thrills oder Look My Way, wobei diese die letzte dahingeschiedene Band der hiesigen Szene darstellt. Oft aber leider vergessen ist die fünfköpfige Band Kill This Dream, welche leider ein halbes Jahr nach Release ihrer Full-Length “Turn Off The Lights“, um die es hier auch heute gehen soll, bereits ihre letzte Show auf dem Loyalty Festival 2 in Eupen gespielt haben.

Damals als gerade im Dreiländereck um Deutschland/Belgien/Holland noch eine ganze Menge mehr los war, war Kill This Dream ein fester Bestandteil der lokalen Szene, welche mit Bands wie Disloyal, Better Off und Cheap Thrills auf jeden Fall deutlich vitaler als heute unterwegs war. Shows im lokalen Wild Rover, dem AZ Aachen oder in den angrenzenden Städten Heerlen oder Eupen standen regelmäßig auf dem Plan und so erspielte sich Kill This Dream relativ schnell einen guten regionalen Namen.

Warum ich euch damit nun fast sieben Jahre später auf den Sack gehen möchte? Weil diese eine Platte einfach super ist und nicht annähernd die Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie eigentlich verdient hätte. Kill This Dream waren ihrer Zeit in puncto Songwriting und Sound weit voraus und wären mit einem Plattenrelease nach 2011/2012 sicherlich deutlich besser mit der Platte angekommen, als es damals. Waren zwar einige Reviews über die Platte zum damaligen Zeitpunkt sehr solide, wurde sie doch auf einschlägigen Foren nahezu zerrissen.

Die Platte eröffnet mit dem Song “Carry On” und zeigt relativ schnell, wohin es geht. Nach einem Intro wird es schnell, rotzig und hart. Quasi eine besoffene, gewaltbereite Kneipenschläger-Variante der Bands, die sowohl für Songtitel, als auch Bandnamen herhalten mussten: Carry On und Black Friday ’29. Die Songs bedienen sich aller Stilmittel, welche damals wie heute im Oldschool Hardcore häufig verwendet werden: 2-Step-Parts, viele Singalongs und eine Menge Groove. Dieses Erfolgsrezept wurde dann letztendlich mit einer neuen Härte, einer sehr rotzigen Stimme und einer guten Portion Druck vermischt. Auch wenn die Platte in meinen Augen durchweg grundsolide ist und kaum bis wenig Hänger hat, kommt das erste Highlight der Platte in Form eines Skits und dem Song “Disco Stu“. Auf dem Skit gesellt sich ein absolut durchgepeitschter Harris (Berliner Rapper) zu uns, der einen Shoutout für die Band raushaut (aufgenommen mit einem Handy auf dem Rheinkultur Festival 2007). Das Skit an sich ist so unglaublich abwegig und witzig, dass die Band und Harris in der Sympathie-Skala auf jeden Fall vordere Ränge belegen. “Disco Stu” überzeugt mit dem ersten von zwei Features auf dem Album. Matthi, Sänger der Band Nasty gibt sich die Ehre und obwohl Matthi wahrscheinlich schon genau soviele Feature-Parts wie eigene Nasty-Songs abgeliefert hat, gibt es so einen Part kein zweites Mal. Wer den Song hört, weiß was ich meine. Der Rest der Platte verläuft weiter auf einem Level, Songs wie “Turn Off The Lights” (welcher das zweite Feature von Johnny von Disloyal beinhaltet), “Turn Back Time” oder “Unbreakable” lassen die Platte unglaublich stark zu Ende gehen.

Der Sound ist gerade für die sieben Jahre, die die Platte auf dem Buckel hat wirklich ausgesprochen gut, gerade die Backing-Vocals gefallen sehr gut. Ebenfalls fällt positiv auf, wie gut Sänger Chris die Silben auf die jeweiligen Betonungen setzt – eine Besonderheit, welche mir ebenfalls bei der aktuellen CDC Platte “End” gefallen hat. Es sind einfach solche Kleinigkeiten die eine gute Platte von einer sehr guten Platte unterscheiden. Ein weiterer Grund zur Nostalgie ist übrigens das Artwork: Dieses wurde vom Against Your Society-Sänger Schommer gezeichnet, welcher damals mit Ante Up! Artworks gefühlt für jedes zweite Artwork zuständig war und heute leider auch ein wenig in der Versenkung verschwunden ist.

Die Platte ist also eine kleine Reise in die Vergangenheit der lokalen Szene des Dreiländerecks bei Aachen und gehört meiner Meinung nach in jede gute Hardcore-Sammlung. Fans von Bands wie No Turning Back, Black Friday ’29 oder Carry On sollten auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Ein Sinn für Humor, Moshparts und Bier dürfte helfen, ist aber nicht zwingend nötig. Dennis und Michael sind übrigens heute beide bei Still Ill an den Instrumenten zu finden. Still Ill hieß übrigens lange vor dem ersten Demo-Release 2012 noch Sledge Hammer und wurde ebenfalls von Chris, ehemals Sänger von Kill This Dream, mitgegründet. Ein kleiner Hauch Nostalgie, welcher diese Platte umweht, lebt also auch heute noch weiter.

Da wir vom Between The Lines Fanzine euch so gern haben und ich wirklich interessiert bin, ob ihr meine Meinung zu dieser Platte teilt, gibt es die komplette Platte einfach bei uns im Stream. Viel Spaß damit!

Kill This Dream - Turn Off The Lights CoverTracklist

1. Carry On
2. Drag Us Down
3. Better Life
4. Harris Skit
5. Disco Stu (feat. Matthias Nasty)
6. This Space Between Us
7. Powder, Pills, Liquid Thrills
8. Turn Off The Lights (feat. Johnny Disloyal)
9. Kill This Dream
10. Turn Back Time
11. Unbreakable

Markus Kasten

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