Live In Steel City Sampler Review

Selten genug kommt es vor, dass zwei Mitglieder der Redaktion ein Review über das gleiche Release schreiben möchten. Umso schöner ist es, dass es sich bei dem Release um den Live In Steel City Sampler handelt, der vom Bro Code Commitment herausgebracht wird und Songs des Steel City Fests 2015 beinhaltet. Passend dazu wurde er auf dem Steel City Fest 2016 releast, also auf der gleichen Veranstaltung wie die fünfte Ausgabe unseres Printzines.

Markus und Lukas einigten uns schnell auf jeweils eine Hälfte der Songs auf dem Sampler und so konnte dieser wunderschönte Tag weiterhin friedlich seinen Lauf nehmen. Bevor wir einsteigen folgt noch der offizielle Infotext zum Sampler, damit ihr auch wisst, worum es genau geht:

The “Live In Steel City” Benefit Compilation with 15 songs of energetic Hardcore can be purchased for 5 EUR in our shop right now! Check out this little teaser and a full song by No Turning Back on our bandcamp page! Remember: Exactly 4 EUR from each copy we sell will be donated to an organization which fights for better treatment and integration of refugees in Germany!

No Turning Back Live
No Turning Back Live by MoLuxImago

Lukas:

Eröffnet wird der Sampler von No Turning Back mit zwei Songs des aktuellen Albums “Never Give Up“. Wer die Band nicht kennt, muss die letzten Jahre hardcoretechnisch in einer anderen Galaxie gelebt haben. No Turning Back ist für ein unglaubliches Tourpensum, sowie eine konstant großartige Liveperformance bekannt. Auf Platte wird mir “Never Give Up” schnell etwas eintönig, mit dieser Liveversion habe ich dieses Problem aber nicht. Die Konzertstimmung wird von den beiden Tracks absolut stimmig eingefangen und ich bekomme Lust mir die Band zum 30sten Mal anzuschauen.

Gleich beim ersten Hören fällt die überraschend gute Qualität aller Songs auf. Oft sind Live-Releases schlecht recorded und überhaupt nicht bis mittelmäßig abgemischt. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Alle Instrumente inklusive der Vocals sind klar zu hören, dank Falko Schneider von IFAK Westerwald, der die Songs recordet, gemischt und gemastert hat.

Liveperformances bringen automatisch eine Menge Atmosphäre mit, aber dafür geht zwangsweise etwas Soundqualität flöten. Die nächste Band auf dem Sampler lebt jedoch größtenteils genau davon. Demonwomb präsentieren mit “Blackened Skies” und “Touch Of Death” ebenfalls zwei Songs auf dem Sampler. Leider ist der gesamte Sound etwas rauschig und auch nicht absolut tight. Das hindert die Band aber nicht daran wie drei Dutzend russische Gewitter über den Hörer hereinzubrechen. Demonwomb scheppern, shredden und feedbacken sich sieben Minuten lang in die Gehörgänge eines jeden Headbangfanatikers. Für mich ist Demonwomb die einzige Band auf dem Sampler, auf dem die gewonnene Liveatmosphäre den Verlust an Soundqualität lediglich ausgleicht, alle anderen Bands gewinnen für mich stark durch die Aufnahmen.

Optimist Live
Optimist Live by MoLuxImago

Als dritte Band findet sich Optimist auf dem Sampler, die die Songs Der Neue Mensch” und “Schwarz Rot Tod” zum Besten geben. Optimist gelingt der Spagat, deutsche Texte zu schreiben ohne entweder bescheuert oder rechtsradikal zu klingen. Auch hier prügeln die zwei Songs bedingungslos nach harter Deathmetalmanier auf den Hörer ein. Die Band ist absolut tight und Kevin weiß durch gezielte Anfeuerungen das Publikum zum Spaß haben zu motivieren. Klare Anspielempfehlung meinerseits.

Mit Cornered findet sich meine absolute Lieblingsliveband auf dem Release. Das liegt jedoch nicht an der übermäßigen Tightness oder einer außergewöhnlichen musikalischen Kreativität, sondern viel mehr am Groove der Songs, der Stimmung und nicht zuletzt am unverhältnismäßigen Alkoholpegel des Sängers bei auch wirklich jedem Konzert. Hier und da schleichen sich deshalb ein paar Spielfehler bei “Fools Like You” und “My War” ein, das tut dem Feeling aber keinesfalls einen Abbruch. Für mich sind die beiden Songs das Highlight des Samplers. Cornered hat den Laden auf jeden Fall gründlich angezündet.

Der Sampler kommt in einem Papiereinschieber, der mit mit Liveshots vom Steel City Fest 2015 geschmückt ist. Auf der Rückseite findet sich deutlich sichtbar die Setlist. Im Inneren findet sich ein Inlay mit Credits und einer klaren Message, wofür dieser Sampler einsteht. Deswegen gehen auch vier der 5€ für den Sampler an Pro Asyl. Eine gute Sache, die zu unterstützen ist.

Markus:

Ich werde mich nun der zweiten Hälfte des Samplers widmen, welcher mir ebenfalls auf CD vorliegt. Vorne weg: mir gefallen das gesamte Konzept und die Aufmachung ehrlich sehr gut. Das Layout sieht auf jeden Fall cool aus und dass das Ganze dann noch für einen guten Zweck ist, rundet die Sache ab.

Den Anfang machen Mad At The World aus Frankreich mit “A Life Too Late” vom Debut-Album “Domination“. Metallisch und relativ langsam geht es zur Sache – die Qualität der Aufnahme ist für einen Live-Sampler auffallend gut. Gerade weil alles in DIY-Manier produziert worden ist. Der Song geht etwas an mir vorbei – instrumental klingt das alles tight & cool – aber ich brauch wohl noch ein bisschen um der Stimme der Demo nachzutrauern.

Mad At The World Live
Mad At The World Live by MoLuxImago

Weiter geht es mit Lowest Creature aus Schweden, welche seit ihrer “Certain Pain” EP zu meinen absoluten Favoriten aus Europa zählen. Mit dem Track geht es auch los und ich erinnere mich daran zurück, wie ich genau bei diesem Set mit Simon und Co. durch den Raum geflogen bin. Man hört zwar, dass das alles nicht so 100% tight ist und hier und da rumpelt das was, auch die Solis sind nicht immer so geil wie auf Platte, der Gesang wird auch mal etwas freier interpretiert.. aber irgendwie ist das alles egal. Ich find’s genauso geil wie damals vor Ort. “Seize Death” macht da wenige Unterschiede und so warte ich weiter auf die wohl niemals erscheinenden Video-Mitschnitte des Sets vom Herrn RoughNeck.

Es geht schwedisch weiter. Medea stehen auf dem Programm und es kommt wie es kommen musste. Der klassische Kasten holt mich ein und ich ärgere mich genau jetzt enorm darüber, die Band damals verpasst zu haben. Wobei verpassen nicht das richtige Wort ist. Ich war so von Lowest Creature euphorisiert, dass ich mit dem Gedanken „Ist eh‘ nix geileres hier“ in den Park gegangen bin – wohl wissend, dass ich Medea dann wohl verquatsche. Ein Fehler. Der Fall wird noch auf die Spitze getrieben: Medea gibt es nun nämlich nicht mehr. Doppelt ärgerlich also. Die Songs “Intro / Breeding Hatred und “Eye Of Evil” ballern nämlich alles um. Die Power, die das Zeug hat ist für eine Live-Aufnahme wirklich beachtlich. Und irgendwie klingt das alles nochmal eine Nummer geiler als bei Lowest Creature. Tighter, härter, böser und ein wenig professioneller. Was soll‘s, ärgern lohnt sich nicht und so konnte ich immerhin diese beiden Songs nun doch hören. Auschecken!

Den Abschluss machen die Durchstarter 2016 von Harm/Shelter, welche gerade ihr neues Album “Paycheck” veröffentlicht haben. Ihr Teil des Samplers wird mit “Intro / War” eröffnet und auch das scheppert gut rein. Das aktuelle Album gefällt mir sehr gut, leider sind beide Tracks von älteren Veröffentlichungen. “Haunted” schließt den Sampler ab und führt das weiter, was mit “War” begonnen worden ist. Bekannter Groove trifft Härte. Man hört coolerweise auch raus, dass wohl viel Textsicherheit im Publikum herrschte. Das ist mir so bei keiner anderen Band auf dieser Hälfte aufgefallen. Das Live-Feeling erreicht mich also sogar hier im Büro vor’m Schreibtisch. Fun Fact: zu dem Zeitpunkt haben Harm/Shelter sogar noch den Opener des Festivals gemacht. Nach dem enormen Erfolg dieses Jahr mit dem neuen Album gehört das wohl auch der Vergangenheit an – zumindestens wenn es nach mir ginge.

Harm/Shelter Live
Harm/Shelter Live by MoLuxImago

Das Fazit kann hier sehr kurz ausfallen: geiles Ding, supportet den Kram und den guten Zweck. Medea gefallen mir hier musikalisch am besten, aber Harm/Shelter bringen den Live-Flair am besten an den Hörer.

TracklistLive In Steel City Cover

No Turning Back

01. Never Give Up
02. Stand & Fight / Destination Unknown

Demonwomb

03. Blackened Skies
04. Touch Of Death

Optimist

05. Der Neue Mensch
06. Schwarz Rot Tod

Cornered

07. Fools Like You
08. My War

Mad At The World

09. A Life Too Late

Lowest Creature

10. Certain Pain
11. Seize Death

Medea

12. Intro / Breeding Hatred
13. Eye Of Evil

Harm/Shelter

14. Intro / War
15. Haunted

Für weitere Informationen checkt:

Bestellen: https://thebrocodecommitment.bigcartel.com
Probehören: http://thebrocodecommitment.bandcamp.com/album/live-in-steel-city
Auschecken: http://www.facebook.com/57tbcc