Mad At The World – Domination Review

Paris. Die Stadt der Liebe, die Stadt der Kunst & der Leidenschaft. Und vermutlich auch der Gegensätze. Hier treffen Ateliers, Gourmetküche & Haute Couture auf Armutsviertel, Kriminalität & soziale Ungerechtigkeit. Und unter all den berühmten Söhnen & Töchtern der Stadt, zwischen Genie und Wahnsinn, Jean-Paul Sartre, Brigitte Bardot & David Guetta, kommen irgendwo aus den zwielichtigen Ecken & dreckigen Gassen immer wieder großartige Bands hervorgekrochen.

Mad At The World sind aktuell vermutlich die vielversprechendste Kombo wenn es um kompromisslosen & angepissten HardcoreMetal au francaise geht. Anfang 2014 haben die 5 Franzosen mit ihrer 2-Song-Demo „Destruction Process“ zunächst online und später auf Tape via Injustice Records so viel Staub aufgewirbelt, dass nun bereits knapp anderthalb Jahre später das neueste Werk namens „Domination“ auf Beatdown Hardwear Records erscheint. Dass Toni von BDHW ein Händchen für großartige Newcomer hat und das Label auch ein bisschen den Hardcore-Zeitgeist prägt, wird nicht zuletzt durch Deals mit Bands wie Xibalba, Twitching Tongues oder Nasty unterstrichen, von denen mittlerweile einige auf Majorlabels gelandet sind und zur Speerspitze der heutigen Metal & Hardcoreszene gehören.

Mad At The World

Schon nach den ersten Takten von „Low… and behold“ wird klar, dass die Franzosen auch auf „Domination“ ihren musikalischen Kurs im Großen und Ganzen weiter fahren. Geboten wird erstklassig produzierter und tadellos inszenierter metallischer Hardcore mit jede Menge 90s Anleihen der fiesesten Sorte. Mad At The World klingen dabei mal nach sehr viel Paris der Marke (alte) Kickback, mal lassen die Jungs ein paar Merauder– oder Sepultura-Anleihen durchschimmern. Der Sound der Band steckt knietief im Metal-Sumpf, bringt aber auch diesen gewissen Groove und Dreckfaktor mit sich, der vielen Genrekollegen einfach fehlt. Die Formel geht bei Songs wie „Built Upon Ashes“ gerade dann auf, wenn das Tempo variiert wird und schleppende Parts & walzende Uptempo & Doublebassparts den ansonsten dominanten Midtempo-Metal-Mosh durchbrechen. Insbesondere die Stimme von Sänger Benoit hat ihr ganz eigenes Klangbild. Was einige Fans der ersten Stunde vielleicht etwas enttäuschen wird, ist, dass der Gesang nicht mehr ganz so angepisst ist, wie zu Demo-Zeiten. Generell ist der Paris-Assi-Charme etwas in den Hintergrund gerückt und einem kompakterem, metallischerem Sound gewichen. Da schwingt einfach ein bisschen mehr 90s Metal & HardcoreMosh der Marke alte Hatebreed mit. Das Songwriting ist gereifter & ausgeklügelter, die Produktion ist fetter und die Rhythmussektion sägt & knüppelt sich noch präziser und ohne unstimmige Interludes oder musikalische Ausreißer durch die sechs neuen Songs. Das Ganze klingt dann trotz der vielen 90s-Zitate auch überhaupt nicht altbacken oder auf Retro getrimmt, sondern hat durchaus einen sehr dezenten modernen Anstrich. Natürlich führt das zwangsläufig dazu, dass etwas von der Schmutzästhetik verloren geht und der Output insgesamt etwas glatter klingt. Wie man das wertet bzw. wahrnimmt ist aber vor allem auch Ansichtssache. Für mich klingt die Scheibe ein bisschen so, als hätte Zeuss – seines Zeichen Produzent von u.a. Hatebreed, Throwdown & 100 Demons – 2 Jahre zusammen in einer WG mit Stephan von Kickback gelebt und danach nochmal Lust gehabt eine richtig wütende Platte zu produzieren. Denn auch wenn an so einigen Ecken & Kanten gefeilt wurde, bleibt die französisch-apokalyptische Straßenromantik ein unverkennbares Trademark. Okay zugegeben, wer ansonsten in gemütlichen Spätsommernächten Kickback’s „Forever War“ auflegt, sich mit Scherben gestrecktes Koks zieht und Gaspar Noe Streifen mit seiner Freundin guckt, dem ist „Domination“ als Soundtrack zur psychischen & physischen Selbstzerstörung vielleicht nicht kaputt & fies genug. Trotzdem hört man auch bei dem zweiten Output der Band ganz eindeutig woher die Jungs kommen und wer für die musikalische Ausrichtung Pate gestanden hat. Bestes Beispiel dafür ist „Curse This World“, bei dem auch Martijn von No Turning Back ein bisschen mitrumschreien und angepisst sein darf.

Spannend wird es dadurch, dass am Ende die beiden Songs der „Destruction Process“ Demo als Bonustracks nachgelegt werden. Hier wird dann nämlich doch nochmal im direkten Vergleich klar, dass die Band eine kleine musikalische Kurskorrektur vorgenommen hat. Ich muss auch „leider“ sagen, dass mich diese beiden Songs, die zwar simpler arrangiert, aber eben auch mit mehr Wut vorgetragen werden, noch ein kleines bisschen mehr kicken als das neue Material. Hier trieft der Dreck quasi nur so von den Griffbrettern und Gitarrenhälsen direkt durch die Boxen auf Mamas Wohnzimmerteppich – das klingt so richtig schön unschön halt. Das ist aber eben auch ganz stark subjektiv. Beeindruckt bin ich jedenfalls davon, dass die beiden Tracks trotzdem irgendwie noch in das Klangbild passen und die Scheibe sogar irgendwie abrunden. Ich bin eigentlich so gar kein Fan von Live/B-Seiten/Proberaum-Bonustracks, die den roten Faden einer Platte zerstören. Hier passt das unheimlich gut und mit den insgesamt 8 Songs bekommt man dann eben auch wirklich „value for money“.

Auch wenn mir für das Review nur die CD-Digipakversion vorlag, kann ich sagen, dass auch das Artwork erstklassig ist. Ich habe beim MATW-Gastspiel in Mönchengladbach einen Blick auf die verschieden-farbigen Gatefold Vinyls werfen können, und die Teile sahen vor allem qualitativ richtig, richtig gut aus.

Wenn ihr auf französischen Hardcore- & Metal-Wahnsinn oder auf Bands wie Slayer, Sepultura, Merauder & All Out War steht, dann kommt ihr an Mad At The World jedenfalls nicht vorbei. Wer die Band live gesehen hat, der weiß, dass die fünf Franzosen den wuchtigen Sound auch problemlos auf die Bühne transportieren und ganz nebenbei auch noch nette Typen und weniger angsteinflößend und soziopathisch sind, als so manch andere landsmännische Truppe. Klare Kaufempfehlung, klare Bandempfehlung generell! Ihr könnt die ganze Platte übrigens auf der BDHW-Bandcamp-Seite streamen und euch selbst überzeugen. Oui, oui, Baguettes Baguettes!


TracklistMad At The World - Domination Cover

01. Low…And Behold
02. Built Upon Ashes
03. A Life Too Late
04. Loveproof
05. Slaugtherhome
06. Curse This World (feat Martijn No Turning Back)
07. Time Heals Nothing
08. Reality Is A Nightmare

Album-Stream & weitere Infos:

http://bdhw.bandcamp.com/album/domination
https://www.facebook.com/MADATHEWORLD

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