Off The Gallows – Cut Yourself Review

Off The Gallows sind eine frische Post-Metal-Truppe aus dem 57er Bezirk und hauen nach den ersten Shows mit u.a. Downfall Of Gaia endlich auch die Debüt-Demo namens „Cut Yourself“ raus. Der Titel ist dabei weniger ein Indiz für depressiven Freitod-Metal, sondern macht im Zusammenhang mit dem Bandnamen und der eigenen Historie durchaus Sinn. Das ein oder andere Bandmitglied würde sicherlich mittlerweile selbst am Strick baumeln, wenn die Operation Demo-CD nicht endlich zum Abschluss gekommen wäre. 

Ich jedenfalls bin durchaus erleichtert, dass sich die Siegener im letzten Augenblick in Eigenregie vom Galgen der Bedeutungslosigkeit* losschneiden konnten und endlich mal was von sich hören lassen (* Notiz an mich selbst: unbedingt einen Generation Y Lifestyle-Blog unter dem Namen machen). Die über ein Jahr andauernden Arbeiten an den insgesamt fünf Songs haben für Demo-Maßstäbe nämlich quasi „Chinese Democracy“-Ausmaße angenommen. Das gibt dem Output aber auch irgendwie was Mystisches. Außerdem hat die ganze Sisyphos-Arbeit ja letzten Endes ein versöhnliches Ende gefunden.

Off The Gallows

Feed On The Charade“ startet zunächst mit düster-melancholischem Gitarrengezupfe, treibenden Drums und cleanen Vocals, ehe das ganze mit jeder Menge Zerre und wütendem Gebrüll erupiert. Dieser ziemlich abrupte Stimmungs- und Taktwechsel ist zwar sicherlich gewollt, zündet bei mir aber nicht so richtig. Erst nach ein paar Sekunden bzw. mit dem nächsten Riff geht mir das dann wieder gut rein. Ab da pendelt der Song sich mit akzentuiertem Groove in deutlich härteren Gefilden ein, und das steht den Jungs richtig gut. Den Weg geht

Den Weg geht „Just Keep Digging“ dann konsequent weiter. Gitarren und Mainriff haben hier fast etwas mantrisch-hypnotisches. Gegen Ende schleichen sich dann wieder ruhige Gitarrenklänge ein – hier passt das aber deutlich besser, als beim Opener und wirkt sehr dynamisch. Erinnert mich latent an Long Distance Calling, findet aber auch gekonnt wieder den Weg ins Mainriff zurück. Chapeau, sehr starker Song. „Quarantine“ beginnt etwas aus dem Nichts, die (Dis)harmonien und die ganz dezent polyrhythmischen Gitarrenspielereien sind aber durchaus cool. Zwischendurch erinnert das Soundgebräu mich etwas an Mastodon, an anderen Stellen wiederum an Neurosis. Zugegeben, nicht jeder Übergang passt für mich 100%, dafür zeugen andere Parts aber vor allem rhythmisch von jeder Menge Klasse und wirken nicht so x-beliebig, wie vergleichbare Schema-F-Konstrukte so einiger Retorten-Bands. Das zeigt sich auch bei

Das zeigt sich auch bei „Obolus For Charon“, der wieder ein paar Mastodon-Zitate aufweist und mit sehr präsenter Heavyness und der richtigen Dosis Atmosphäre überzeugen kann. Der Rausschmeißer „DNA“ beginnt sehr bedächtig und stimmungsvoll. Hier gefallen mir insbesondere die Gitarrenarbeit und die cleanen Vocals sehr gut. Der längste Song der Demo hat einen sehr schönen Spannungsbogen und fasst damit quasi alles vorab gehörte noch einmal schön zusammen, bevor er die knapp 30 Minuten von „Cut Yourself“ zu einem Ende führt.

Zunächst muss man neidlos anerkennen, dass die Band hier von Songwriting, über Artwork, Recording und Mix alles selbst zusammengebastelt hat. „D.I.Y. oder geh weider“ halt! Insbesondere das von Sänger Alex gezeichnete Cover sieht wirklich schick aus und darf gerne als latente Eigenwerbung für sein kleines, unter dem Namen Alexander Hettel Artwork firmierendes Ein-Mann-Unternehmen verstanden werden. Was den Sound angeht, sollte man natürlich keine High Class Produktion erwarten. Eine Demo bleibt halt irgendwie dann doch eine Demo. Der Klang hebt sich aber deutlich vom Gros der sonst so kursierenden Proberaummitschnitte ab. Alle Instrumente klingen sehr differenziert und das Gesamtbild stimmt. Mehr Bums gibt’s dann sicherlich, wenn genug Geld in der Kasse ist, um die nächste Platte mit Kurt Ballou in einem gesunken Schiffswrack oder im Gewölbe des Stephansdoms akustisch veredeln zu lassen.

Gespielt ist das alles darüber hinaus mehr als solide und mit jede Menge Gespür für Rhythmik. Auch das Songwriting hat Hand und Fuß. Stilistisch schippern die Jungs schön gleichmäßig über den post-metallischen Ozean und halten das Schiff irgendwo zwischen Sturmflut und ruhigen Gewässern auf Kurs. Die Songstrukturen lassen sich gut nachvollziehen und auch die Songlängen liegen unterhalb der Popcorn-Prog-Schmerzgrenze. Auch weniger musikalische Zeitgenossen werden hier also ihren Spaß haben, und dass man kein mit 1,0 abgeschlossenes Mathematik- oder Musik-Studium durchlaufen muss, um Zugang zu den Songs zu finden, werte ich als Pluspunkt. Insgesamt fehlt vielleicht noch ein bisschen Feinschliff und der Top 40 Hit, aber der wird vermutlich gerade geschrieben. Davon, dass der musikalische Mix live umso mächtiger klingt, durfte ich mich ebenfalls bereits überzeugen.

Unterm Strich ist „Cut Yourself“ eine runde Sache. Wer auf Bands wie Isis, The Ocean, Mastodon, Neurosis oder ältere Downfall Of Gaia steht, sollte das unbedingt mal antesten und sich die Demo auf Bandcamp reinziehen. Zusätzlich zum kostenlosen Stream/Download ist für Freunde physikalischer Releases eine CD-Variante und ein Tape auf Chopped Off geplant – einfach mal Augen und Ohren offenhalten. Am besten informiert bleibt ihr, wenn ihr den Jungs ein Like auf Facebook dalasst.

TracklisteCut Yourself - Off the Gallows Cover

01. Feed On The Charade
02. Just Keep Digging
03. Quarantine
04. Obolus For Charon
05. DNA

Info & Stream

http://www.facebook.com/offthegallows

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