Pink Street Boys – Hits #1 Review

„Mehr Leute müssen sich das anhören“ sagte er. „Schreib mal einer was dazu“ bat er. „Irgendwas mit Turbonegro“ hieß es. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts werde ich nicht weiter auf den vorübergehend nach Island ausgewanderten Between The Lines-Redakteur eingehen, der mich zu diesem Review getrieben hat. Aber fangen wir vorne an…

Pink Street Boys
Pink Street Boys

Die Pink Street Boys, das sind Jónbjörn Birgisson Axel Björnsson, Einar Björn þórarinsson, Víðir Alexander Jónsson und Alfreð Óskarsson aus Reykjavík. Diese bärtigen Männer, die entweder Künstlernamen tragen oder die verstörende Namenskultur Islands repräsentieren, spielen laut eigener Aussage „tough garage rock’n’roll“ und sind die angeblich lauteste Band ihres Heimatlandes. So weit, so gut, könnte man sagen.

Einmal auf Play gedrückt dauert es dann tatsächlich auch nur zwanzig Sekunden bis meine Großhirnrinde schmerzt und mein linkes Auge nervös zu zucken anfängt. Das klingt wie angepunkter Rock’n‘Roll, der von tollwütigen, verhaltensoriginellen Wildsäuen mit Stromgitarren gespielt wird. Oder so. Keine Ahnung. Rotz-Rock-Flair, rumpelige Drums und Schrabbelklampfen treffen auf merkwürdig noisige Sounds und einen Gesang, der aufgrund der ganzen Effekte (einmal alles auf Anschlag, bitte! Danke!) dermaßen mit dem Gesamtsound verschwimmt, dass ich beim besten Willen nicht mehr die verschiedenen Komponenten auseinander halten kann. Das klingt als würde ein ins Methadon-Programm integrierter Jello Biafra schreiend über glühende Lava laufen, während er dabei Leute in die Fresse boxt, weil er wegen irgendwas echt sauer und verwirrt ist. Oder aber, als ob The Hives zusammen mit Turbonegro viel zu viel Acid einschmeißen und auf einem illegalen Techno-Rave mit den Typen von Beast Milk feiern gehen. Wenn euch das nicht genug Bilder sind, dann traut euch einfach und hört mal ganz vorsichtig rein.

Pink Street Boys
Photo by Hörður Sveinsson

Experimentell oder zumindest unkonventionell ist das alle mal. Vielleicht muss man sich da reinhören. Vielleicht sollte man das auch lieber gar nicht erst versuchen, keine Ahnung. Nach zehn Minuten hat man sich aber zumindest ein wenig daran gewöhnt und findet zwischen all dem Lärm dann tatsächlich auch ein paar nette Grooves, lässige Riffs, ein bisschen Fuzz und das ein oder andere coole Gitarren-Solo. Der Punk-Rock- und Garagen-Charme tropft dabei nur so aus den Boxen und eine gewisse Faszination bringt der Sound der Isländer mit, das muss man den Jungs lassen. Auf einzelne Songs einzugehen oder mehr zu dieser Platte zu sagen fällt mir ehrlichgesagt schwer. So ganz verstehe ich das halt auch nicht. Ist auch ok.

Fazit? Äh. Ja. Fangen wir mal positiv an: die knapp Zwanzig Minuten auf „Hits #1“ versprühen jede Menge Authentizität. Langweilig und berechnend klingt einfach anders. Wer auf jede Menge in die Schweine-Rock-Wurstpelle gestopftes Chaos steht und Krach mag, der findet hier genau das Richtige. Am meisten nerven mich einfach diese mit Effekten zugeballerten Vocals, die dermaßen über die Gitarren und Drums drübergerotzt werden, dass die Musik zu einem seltsamen Klangbrei verschmilzt, der das anhören schwierig gestaltet. Zwischendurch erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich nen Song echt gut finde, dann passiert da wieder was, was mir gar nicht passt. Mehr als 1,5 Durchgänge habe ich erstmal nicht geschafft. Ich wette aber, dass man dazu so richtig gut feiern und ausrasten kann, wenn man in der Stimmung ist. Aber so dieses „feiern“ bei dem irgendwer fäkalienbeschmiert mit zerschnittenen Armen im Krankenhaus landet oder man aus Versehen eine Prostituierte ermordet. Ihr wisst schon. Wenn die Shows nur ein bisschen so sind, wie das klingt, dann erwartet den Besucher ein Mix aus GG Allin Anarchie und Motörhead-Konzert. Vermutlich ist das, aber auch Quatsch und die Jungs machen live einfach ziemlich viel Party. Ganz ohne Fäkalien und so. Ich werde deswegen das Gefühl nicht los, dass eine Live-Show der Jungs der wesentlich bessere Einstieg wäre sich mit der Band zu beschäftigen. Also mal lieber nach Reykjavik jetten und dort die Platte kaufen, nachdem ihr mit den Kerlen ein bisschen scherbengestrecktes Koks im Backstageraum gezogen habt.

Unterm Strich könnte man natürlich vermuten, dass hier bewusst gelärmt und polarisiert werden soll um das konstruierte Produkt dann als 100% Rock’n’Roll oder sogar künstlerisch wertvoll zu verkaufen, damit der pubertäre skandinavische Durchschnitts-Punk was zum Eltern ärgern hat und auch der Rotz-Rock-Hipster, der nur Sachen gut findet, die keiner mag, endlich mal wieder nen neuen Patch auf seine Kutte nähen kann. Dafür klingt es dann aber doch zu echt und frisch. Also ich nehme den Pink Street Boys zumindest ab, dass die einfach genau auf diesen Sound Bock haben.

Wenn ihr die Vorstellung einer gestörten Hybrid-Variante aus Turbonegro, den Sex Pistols und Kvelertak abgefahren findet und euch nicht von noisigen Effekten und Klangexperimenten abschrecken lasst, dann habt ihr vielleicht ne neue Lieblingsband. Wenn nicht, dann legt das einfach mal auf, wenn eure nächste Hausparty viel zu lahm ist oder bereits so außer Kontrolle geraten ist, dass eh nix mehr zu retten ist. Ich bitte dann um Bericht, was passiert ist.

Ey, keine Ahnung. Hört euch das auf jeden Fall mal an.

Trackliste Pink Street Boys - Hits #1 Cover

01. Body Language
02. Evel Knievel
03. Blues
04. Kick The Trash Out
05. Knockout City
06. Hellman
07. Lady Boy
08. Anthem
09. Rat Slap
10. Good Kid

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/pinkstreetboys
http://shop.12tonar.is/pink-street-boys-hits-1