SOP – Blurred Vision Review

Ob 2017 nun ein gutes Jahr für Hardcore war, oder doch eher belanglos, bleibt wie so vieles in diesem Leben wohl vor allem Geschmackssache. Mich persönlich haben recht viele Releases im ersten halben Jahr überzeugt. Aber seit ein paar Monaten ist eher Flaute auf meiner HC-Begeisterungsskala abzulesen und ich verbringe meine Wochenenden damit, völlig szeneuncool, deutschsprachige Netflix-Serien zu konsumieren und den Errungenschaften der modernen Unterhaltungselektronik zu frönen.

SOP 2018
SOP 2018

Und dann landet ganz unverhofft, quasi auf dem Zenit meiner Inaktivität, doch noch eine 12“-EP auf meinem Plattenteller, die mich (Achtung, Spoiler!) auf Anhieb packt und gleich mehrmals die Tortur durch meine abgenutzte Nadel überstehen muss.

Bei einem ungläubigen Blick auf das dazugehörige Cover, springt mich erstmal nur ein SOP “Blurred Vision” Schriftzug an.. Aha. Nur dank meines detektivischen Sachverstands und investigativen Fähigkeiten konnte ich herausfinden, dass es sich um das neue Release, der mir gar nicht so unbekannten Kölner von Seconds Of Peace handeln muss.

Ich muss sagen, Kinder zeugen und Häusle bauen hat dem Sound der Jungs keineswegs geschadet. SOP setzten dort an, wo sie auf Ihrem letzten Split-Tape mit den Siegenern Beardown aufgehört haben. Der Sound ist gut produziert, aber noch durchaus dreckig und die Songs sind sehr abwechslungsreich. Teils groovt der sehr prägnante Bass über einen modernen HC Vibe, teils wird die Punk-Keule rausgeholt und Moshparts werden eher sparsam, aber dafür sehr gezielt eingesetzt. Das diese Mischung so harmoniert liegt wohl auch daran, dass es eben mittlerweile das vierte Release der Band ist und nicht die erste Proberaum-Demo.

Auf der zweiten Hälfte der EP, die mir persönlich besser gefällt, merkt man dann aber deutlich die Veränderung, die Seconds Of Peace zu SOP macht. Die Tracks sind trotz des anfangs recht fröhlich wirkenden Soundgewands um einiges düsterer, als man es von „Stick Together“ oder „Life Debt“ gewohnt ist. Es wird neben dem typischen Modern HC Sound auch hier und da mit Melodien und Arrangements experimentiert. Die Verwendung dieser durchaus verschiedenen stilistischen Mittel macht “Blurred Vision” zu einem recht eigenständigen Release, welches sich schlecht in bestimmte Schubladen einordnen lässt. Wem allerdings Turnstile oder die neusten Erscheinungen von Slope und Tides Denied zusagen, der kann hier ohne Bedenken zugreifen und sich die EP via Backbite Records ordern.

Anspieltipps sind definitiv “Kinda Surive” und “Blurred Vision”, zu welchem die Jungs auch ganz in Hardcore 2017 Manier ein Video gedreht haben.

TracklisteSOP - Blurred Vision Cover

01. Create
02. Induced Sleep
03. Skit
04. Blurred Vision
05. Kinda Surrive
06. Closure

Für weitere Infos zur Scheibe und anstehenden Shows checkt:

http://www.facebook.com/sophardcore

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