Strafplanet – Big Feelings Review

Nur vorab: alle LeserInnen, die nicht auf Punk und Powerviolence stehen: Musikalisch wird euch diese Platte wahrscheinlich nicht gefallen! Ich feiere aber genau diese, meines Erachtens, perfekte Mischung!

Strafplanet Live

Ich höre immer: „Wir“! Wer ist das? „Wir?!“ Sie und ich? Und der Herr da? Und die Dame da? Und der olle Mann da? Also wir machen das Geschäft? Mensch, das glauben’se doch selbst nicht!

Ich glaube, besser als dieses Skit, mit dem die Platte beginnt, könnte man den ersten Song der neuen Strafplanet 7″ „Big Feelings“ nicht beschreiben. Der erste Song „We“ verdeutlicht ein erfundenes Wir-Gefühl – ob hier in Deutschland, in Österreich, der Heimat von Strafplanet, oder ganz egal wo in der Welt.

Uns wird eingeredet, dass ein paar Bonzen mehr mit uns gemeinsam haben, als Arbeiterkids irgendwo anders auf der Welt, frei nach Kaiser Wilhelm II. : „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“ Typisch wütend und angepisst punkig geht es hier musikalisch zur Sache. Sängerin Tabita keift uns die Worte entgegen und man muss einfach mit dem Kopf mitwippen! „Wir“ haben halt über unsere Verhältnisse gelebt und müssen die Gürtel nun enger schnallen. Ganz so wie die Vorhaltungen, die den Griechen in letzter Zeit gemacht wurden. Man findet also eine starke Aktualität in diesem Song wieder, obwohl er wahrscheinlich so gut wie immer seine Aktualität behalten wird.

Strafplanet ist eine Band, bei der sich jeder die Zeit nehmen sollte die Texte zu lesen. Die Lieder wechseln oft zwischen englisch und deutsch. Der zweite Song „Zelten“ ist ziemlich „deep“. Es wird ein wenig die heutigen Protestbewegungen kritisiert – die der modernen, westlichen Welt. Der dritte Song „Bad thing done right“ wird inhaltlich perfekt durch die letzten beiden Zeilen beschrieben: „This society is not a good thing done wrong. It’s a bad thing done perfectly fucking right!

Mit „Fundgrube bürgerlicher Tugend“, dem vierten Song, wird uns textlich aufgezeigt wie wir immer alles fressen was uns vorgesetzt wird, ganz im Sinne von „du hast Arbeit, also reg dich doch nicht auf! Anderen geht es ja viel schlechter!“ Jeder Song dieser Platte erinnert mich textlich, ob die Band es will oder nicht, an Ton, Steine, Scherben. Für mich wird alles dadurch nur noch sympathischer!

Auf der ganzen Platte wird durchgängig das Konstrukt der Nation kritisiert oder in Frage gestellt. Wie oft kommt es heute noch vor, dass der Kopf beim Musik hören angestrengt wird?! Nicht viele Bands kritisieren bürgerliche Verhaltensweisen und deren Normalität. Strafplanet sind also eine absolute Empfehlung an alle Menschen, die sich Gedanken darum machen, was alles in unserer Gesellschaft falsch läuft und das nicht durch stumpfe, einheitliche Phrasen, wie sie von einem Großteil der Bands kommen. Die Platte endet schleppender als sie begonnen hat, mit der „Ballade vom Wasserrad“, diese hätte eigentlich auch „Ballade der klassenlosen Gesellschaft“ heißen können, denn das fordert Tabita nämlich im Text, wir brauchen keinen neuen Herrn!

Alles in allem eine sehr gelungene 7″! Ich hoffe noch viele Releases dieser Band hören zu können!

TracklistStrafplanet - Big Feelings Cover

01. We
02. Zelten
03. Bad Thing Done Right
04. Fundgrube Bürgerlicher Tugend
05. Den Hut In Der Hand
06. Big Feelings
07. Ballade Vom Wasserrad

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