Support Our Scene Fest 2016 – Showreview

Ich wache in einem zehn Quadratmeter großen Zimmer auf, langsam komme ich zu mir und merke: ich bin nicht allein auf dieser Couch, auf der ich geschlafen habe. Ich teile mir den Platz mit unserem Sänger, den Raum mit dem Rest der Band. Erinnerungen an den Vorabend kommen zurück. Wir (Carry The Dead) hatten die Chance mit Ghetto Justice und den Jungs von Solemn Promise in Hamburg zu spielen. Neben den üblichen Körperteilen, erinnere ich mich, dass bei der Show der Engländer auch ein Tisch durch den Raum flog.

Wenig später sitzen wir im Auto nach Dänemark. Unser Ziel: Fredericia, ein beschauliches und verschlafenes Kaff am Meer, das einmal im Jahr Schauplatz des kleinen aber feinen Support Our Scene-Festivals wird. Wir kommen zeitig an und haben grade unser erstes Dosenbier geöffnet, als Ghetto Justice die Bühne entern. Die Message ist direkt klar: Hauptsache das Bier schmeckt. Songs von der kommenden 7inch „Tristesse“ inklusive.

Ghetto Justice Live by Lina Smarsch
Ghetto Justice Live by Lina Smarsch

Halfpace aus Schweden knüpfen da etwas ernster an, machen aber genauso Spaß. So langsam steigen die ersten Biere in den Kopf und die Stimmung wird ausgelassener. Genau die richtige Atmosphäre für die Jungs von Bulldog Mentality. Wie schon letztes Jahr begeistert die Band durch nackte Oberkörper, Baseballschläger, Schusswaffen und Bandanas im Gesicht. Angeblich kommen sie gerade von einer Europatour und sind froh wieder in der Heimat zu sein. Die Texte sind auf Dänisch und ich verstehe nur das Wort “Tinder”. Der Humor der Jungs überzeugt aber auch ohne Übersetzung.

Bulldog Mentality Live by Lina Smarsch
Bulldogy Mentality Live by Lina Smarsch

Danach stehen wir, Carry The Dead, auf der Bühne und sind halt wie immer die beste Band des Abends. Wunderschön, unendlich tight und Maßstäbe setzend. Alle Frauen wollen uns, alle Männer auch. Talentscouts von Sony BMG stehen vor Überwältigung weinend im Publikum und haben einen Halbsteifen. Solemn Promise stecken derweil im kaputten Van auf der Autobahn fest. Heute werden wegen ihnen keine Tische mehr fliegen. Verdammt schade.

Mit Ingen Fantasi kommt dann die Lust am Biertrinken wieder zurück. Sehr geiler Oi und das erste Mal gibt es richtig Stimmung vor der Bühne. Wieder merke ich warum ich dieses Festival so liebe: Es ist ein großes Miteinander und ein bunt gemischtes Publikum. Mein kleines persönliches Highlight bilden Strength, die ich letztes Jahr schon auf dem SOS erleben durfte. Auch wenn Sänger Sandro des Öfteren betont, wie unprofessionell diese Band sei, bin ich voll und ganz überzeugt. Geile Typen, geile Show.

Weiter geht es mit den Lokalhelden von Lifesick. Bei diesen Songs und der Energie ist auch das letzte bisschen Trauer über die Auflösung von Spinkick verschwunden. Großartiges Set und die Stimmung steigt. Reduction packen erstmal Einweggrills auf den Tisch und eine ordentliche Portion Hardcore auf die Bühne. Grundlos werden Mütter zum Essen eingeladen. Mit Additional Time kann ich persönlich nicht allzu viel anfangen, freue mich aber über das Hatebreed-Cover.

Bei den Belgiern von xViciousx steht dann keiner mehr still – und spätestens als es zum zweiten Mal an diesem Abend „All Will Suffer“ zu hören gibt sind alle am Start und tanzen. Den perfekten Abschluss bilden Risk it!, die mächtig Stimmung machen und mich von Anfang bis Ende überzeugen.

Risk It Live by Lina Smarsch
Risk It Live by Lina Smarsch

Irgendwie habe ich es geschafft wieder auszunüchtern und das führt dazu, dass ich als einziger Nüchterner den Rest des Abends überstehen muss. Dieser Rest verfliegt allerdings dank lustiger Gespräche recht schnell. Jemand kotzt in den Flur vor die Schlafräume, es läuft DCVDNS und alles was sonst noch in Fredericia passiert, bleibt auch in Fredericia. Es bleiben zwölf Stunden Heimfahrt, auf der wir noch mal genug Zeit hatten darüber nachzudenken, wie verdammt geil das ist, dass Michael und Gitte so etwas auf die Beine stellen. Ich bin froh zum zweiten Mal dabei gewesen sein zu dürfen. Definitiv eines der Hightlights des Jahres.

An einer Rastätte treffen wir noch Moritz Bleibtreu, der aber in seinem Auto verschwunden ist, bevor ich ihm tausendfach für „Lammbock“ danken kann. Ich komme einfach nicht drumherum noch mal meinen tiefsten Respekt für Gitte und Michael auszudrücken, die es jedes Jahr wieder schaffen genau das zu zelebrieren was Hardcore ausmacht: Zusammenhalt, Do It Yourself-Attitude und brutale Liveshows zusammen mit Menschen, die offen und herzlich miteinander gegen den stumpfen Mainstream anfeiern.

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/supportourscenedkhc

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