Terrible Minds – Devolution

Nach sieben Jahren haben Terrible Minds ihre erste Full Length am Start. Gut Ding will Weile haben, könnte man also meinen. Ob das auch so ist, werden euch die nächsten Zeilen verraten.

Erst mal ist es in unserer schnellen Zeit schon bemerkenswert, dass eine kleine Underground-Band überhaupt den Atem hat, sieben Jahre durchzuhalten – und dann auch noch in diesem (für manche Beziehungen verflixten) Jahr ihre erste LP rausbringt. Zwölf Songs, von denen keiner die drei-Minuten-Grenze knackt sind schon mal eine Ansage.

Der Opener von Devolution hört auf den Namen „Selection“ und trifft schon mit dem Titel den Nagel auf den Kopf: Wer keinen Bock auf schnelles Oldschool-Geknüppel hat, wird hier wohl schon ausschalten – und den groovigen Part verpassen, der fast ganz alleine von Sänger Geoff’s Stimme getragen wird. Die drückt übrigens richtig wütend und angepisst auf allen 12 Songs aus den Speakern und könnte vermuten lassen, dass es sich bei ihm um den unehelichen Sohn von Paul Bearer und Chris Notaro handelt. „Selection“ deutet auch schon an, worum sich die erste LP des Quartetts aus Altoona PA inhaltlich drehen wird: Die Außenseiterrolle in der amerikanischen Gesellschaft als Querdenker ist das Leitmotiv der Platte, wobei der Hass auf die Gesellschaft immer wieder von persönlichen Erfahrungen untermauert wird.

Der Titeltrack „Devolution“ kommt sogar ganz ohne Lyrics aus und ist so etwas wie eine musikalische Verbeugung vor den Helden der lokalen Szene in Pennsylvania, die mit Wisdom In Chains, Strength For A Reason und Barricade Bands hervorgebracht hat, deren Einfluss sich auch auf der 12-Track LP von Terrible Minds wiederfinden lässt.

„Very Important People“ ist so mein Favorit auf der Platte und das liegt an zwei Gründen: Erstens kommt hier die, für meinen Geschmack etwas zu sauber geratene, Produktion gut zum Tragen, wenn sich über knapp zwei Minuten Down-Tempo-Groove und Mid-Tempo-Passagen die Klinke in die Hand geben. Und zweitens machen die zwei Stimmen (die zweite kommt von Anthony Menace) die Vocals angenehm abwechslungsreich, was gegen Ende des Albums auch einfach passieren musste. Nichts gegen die Vocals auf den restlichen Songs, aber ab einer gewissen Spielzeit wirken die doch sehr monoton.

Das zweite Feature auf der Platte spendiert ein gewisser Mr. Pink bei „In the End“. Das könnte tatsächlich eine Referenz an Reservoir Dogs sein, ich bin mir da aber noch nicht so sicher. Aber an knapp einer Minute Up-Tempo-auf-die-Zwölf gepaart mit tanzbaren Two Step Einschüben lässt sich nichts missverstehen.

„Head Hunter“ macht den Sack dann zu und zeigt nochmal, wo die Stärken von Terrible Minds liegen.

Moshlastig, aber trotzdem mit ordentlich Tempo am Schlagzeug, entfaltet der Sound der LP seine Wirkung. Wie gesagt, an einigen Stellen kommt das etwas zu sauber und klinisch rüber, was nicht unbedingt hätte sein müssen.

Zum Artwork kann ich leider nicht viel sagen, außer dass das Cover mit der eingefallenen Hausfassade jetzt keine Wirkliche Neuheit darstellt – genauso wie die Songs auf der Platte.

Allerdings sieht man in dieser DIY-Ästhetik genau das, was man in den Songs hört: Die vier Typen aus Altoona haben Bock auf das, was sie da machen und es interessiert sie einen Scheiß, was die anderen davon halten. Klar, kann man nach sieben Jahren Bandbestehen eine in der Produktion und der Verpackung ausgereiftere Full Length erwarten, aber wozu, wenn sich die Band und ihr Sound am besten in energiegeladenen Live Shows erleben lässt? Die letzte Euro Tour  musste leider abgesagt werden, aber das Quartett wird wohl alles daran setzten doch noch den Sprung über den großen Teich zu schaffen. Auf dem Bandcamp-Account der Band kann man die Platte übrigens komplett streamen!

Tracklist:

1. Selection
2. High Side
3. Conceived
4. Mind To Reign
5. Devolution
6. I Bet
7. Very Important People (ft. Anthony of Menace)
8. Caught Up
9. Drift
10. One Way
11. In The End (Mr. Pink)
12. Head Hunter

Michael Breuer

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/terriblemindspahc

http://terribleminds.bandcamp.com/album/devolution

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