Trapjaw – s/t EP

Endlich habe ich nochmal etwas Zeit fürs Schreiben gefunden. Auf dem Programm steht die selbstbetitelte EP der Band Trapjaw, welche in NRW beheimatet ist und aus Mitgliedern der Bands Scarred Mind und Beneath the Wheel besteht. So weit, so gut.

Die EP besteht aus fünf Songs, welche zwischen recht kurz (Samson – 01:16) und moderat lang (The Styx – 03:09) variieren. Samson, welcher Namensgeber für den kürzesten Song und Model für das Cover steht, ist übrigens eine Figur aus dem Alten Testament, welcher durch das Wachsen des Haupthaares enorme Kräfte erlangen konnte – seine Kraft stieg also äquivalent zu der Länge seiner Haare. Auf dem Cover trägt Samson eine modische Wellenfrisur, welche leicht gelockt auf seine Schultern fällt. Diese Länge reicht offensichtlich dazu aus einen ausgewachsenen Löwen mit bloßen Händen zu erlegen, denn genau damit ist Samson gerade auf dem Cover beschäftigt. Mir gefällt das Cover sehr gut, reiht sich allerdings in den gängigen Trend dieser Musikrichtung ein, sich älterer Bilder zu bedienen, ähnlich zu den biblischen Kupferstichen.

Aber mit welcher Musikrichtung haben wir es hier eigentlich zu tun? Müsste ich mich nun festlegen, würde ich vermuten, dass der Sludge/Stoner-Anteil in der Musik sehr hoch ist. Es geht sehr schleppend zur Sache, eine Melodie überlappt die Nächste und genau dadurch wird eine enorm dichte und spannende Atmosphäre geschaffen. Zwar auch eine aktuell sehr trend-belastete Musikrichtung, die mir allerdings deutlich lieber ist, als der zehnte Nasty-Abklatsch oder die hundertste schlechte Metalcore-Band mit total bescheuerten Namen. Und wer braucht nach At The Gates und All Out War eigentlich noch irgendeine neue Metalcore-Band? Egal. Der typische Hardcore-Anteil von schnellen Strophen, Singalongs oder ähnlichen Stilmitteln ist sehr gering bzw. fehlt auf diesen fünf Songs komplett und das ist auch gut so. Ich könnte mir nicht vorstellen, wie dass da reingefrickelt werden könnte, ohne dass es irgendwie fehl am Platz klingen würde. Müsste ich den Sound der Band mit einer anderen vergleichen, würde mir vor allem Crowbar einfallen, was sicherlich nicht der schlechteste Vergleich für eine so junge Band ist. An manchen Stellen bricht die Band jedoch für ganz kurze Zeit aus dem schleppenden Tempo aus und prescht richtig vorwärts. Unglaublich gut gefällt mir der Gesang auf der Platte, ich kenne wenige Bands, die aktuell so einen kraftvollen und aggressiven Gesang haben, wie Trapjaw. Beide Daumen hoch dafür.

Kommt der Song “Samson” instrumental daher, bietet die Platte vier weitere Songs, die es tatsächlich alle in sich haben. Einen wirklichen Hänger gibt es nicht und mit dem Opener “Death Of Desire”, welcher für mich auch der stärkste Song der Platte ist, wird man direkt ins Geschehen geschmissen. Das ich übrigens die ganze Zeit von Platte quatsche, ist eigentlich ein Schönheitsfehler; gibt es das Release doch bis dato nur Online auf dem Bandcamp-Account der Band und als Kassette zu hören. Ein geplantes Release als 7” steht noch aus.

Einziges Manko für mich ist leider der Sound. Die EP ist komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert worden – und das hört man eben auch. Der Sound ist sehr rough, an einigen Stellen kratzig und wirkt tatsächlich auch bei den ersten Hördurchgängen sehr passend. Wenn man die EP allerdings in Ruhe im Auto hören oder sich generell einfach auf die Musik konzentrieren möchte, hätte ich mir eine bessere Produktion gewünscht. Für das erste Release einer Band ist das allerdings Meckern auf sehr hohem Niveau. Vor allem weil man merkt, dass sich hier Zeit gelassen wurde. Das erste Mal von Trapjaw gehört habe ich gefühlt 2012, die erste Show war für 2013 geplant. Hat natürlich alles nicht geklappt, weil die Songs immer wieder überarbeitet und verbessert worden sind. Das Warten hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Bleiben nur noch zwei Fragen offen: Wie funktioniert das Ganze live und würde Namensgeber Trap Jaw oder Samson im Einzelkampf gewinnen?

Zumindestens die Frage nach der Live-Tauglichkeit kann jeder für sich selber beantworten. Die Jungs haben mittlerweile nämlich schon die ein oder andere Show gespielt und mich auf jeden Fall auch dort überzeugt. Checkt diese Band also auf jeden Fall aus!

Tracklist:EP_Cover

1. Death Of Desire
2. The Styx
3. Into Obscurity
4. Samson
5. Devil Within

Markus Kasten

Für weitere Informationen checkt:

http://trapjaw13.bandcamp.com

http://facebook.com/trapjaw13

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