True Love – Heaven’s Too Good For Us Review

React! Records aus Baltimore – das ist DIY-Spirit, Hardcore-Punk und eine überwiegend unter dem großen X gelebte Mentalität in Reinkultur. Das Label hat mit Bands wie Anchor, ON, Betrayed oder Mindset einen Haufen illustrer Künstler unter Vertrag und auch die jungen Männer von True Love hatten die Ehre, ein Teil dieser Familie zu sein und das Label als Sprungbrett nutzen zu können. Drei Jahre nach Gründung hauen die Jungs nun mit „Heaven’s Too Good For Us“ schon das dritte Release raus und klettern eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben in Richtung Bridge 9.

True Love
True Love

Der Fünfer aus Michigan spielt laut eigener Angabe „Detroit Straight Edge“. Da ich die Band nur vom Hörensagen kannte, habe ich mir zum Warm Up zunächst die 2013er 7” „A Floral Note“ reingezogen und die hat durchaus Spaß gemacht. „Heavens Too Good For Us“ schlägt musikalisch in eine ähnliche Kerbe. Rasant schneller und wütend vorgetragener Hardcore-Punk, knarzige Gitarren, polternden Drums und jede Menge DIY-Feeling. Das klingt genau so typisch, wie geil, genau so uninspiriert wie authentisch, genau so 1000x gehört, wie frisch. Kurz: genau so, wie es klingen sollte! Dazu kann man sich behutsam boxen, total positive Headwalks machen, Handzettel für die nächste Adorno-Lesung verteilen und sich beim Side To Side das Seitanschnitzel von den Rippen hüpfen. Trotz und wegen all dieser typischen Zutaten wirken True Love vor allen Dingen echt. Wenn Frontmann Dominic beim pfeilschnellen „Midnight People“ zum Beispiel ziemlich angepisst Zeilen wie „sober eyes are the truest ones“ raushaut, packe ich die Flasche Pfeffi quasi automatisch aus Respekt in eine Papiertüte und schwöre mir nächstes Mal nicht ganz so viel zu trinken. Der meint das nämlich ernst und das kommt rüber.

Musikalisch und produktionstechnisch haben die Songs schon auf dem Debüt die richtige Mitte aus hölzern vor sich hin scheppernd und durchaus tight getroffen. Mittlerweile klingt das ganze natürlich noch etwas runder. Dadurch wirkt die neue Platte zwar etwas musikalischer, irgendwie aber auch weniger stürmisch. Das fällt insbesondere bei den bereits vom Erstling bekannten Songs, wie dem bereits erwähnten „Midnight People“ oder „Out In The Streets Pt. I“ auf. Das klang damals einfach noch nen Zacken geiler. Trotzdem wirkt der fettere Sound auf keinen Fall fremdartig und das ewige „Nach der Demo ging’s bergab“-Geheule kann man sich auch mal sparen. Erzwungener Stillstand ist halt auch nicht gerade „real“ sondern eher albern. Vor allem den neuen Stücken steht die bessere Produktion wirklich gut. Das zeigt z.B. der von Turnstile-Fronter Brendan Yates begleitete Rausschmeißer „Stay True“ eindrucksvoll.

Insgesamt zeichnen sich die auf „Heaven’s Too Good For Us“ gebotenen rund sechzehn Minuten Hardcore-Punk natürlich weniger durch Höhen, Tiefen oder Abwechslung aus, sondern eher durch Konstanz. Mal wird es schneller, mal tanzbarer, mal etwas melodischer – viel mehr Ausreißer gibt es (zum Glück) nicht. Generell war weder dieses 80s Straight Edge / Youth Crew-, noch das spätere Posi- & Post-Hardcore-Ding so richtig mein Steckenpferd. Dass mir die Platte trotzdem ziemlich gut gefällt, spricht für die Band. True Love transportieren die unbändige Energie des rebellisch-wütenden 80er Sounds ziemlich lässig in das Jahr 2016, verwurschten dabei mindestens genau so viel von dem, was den frühen 2000er-Kram ausgemacht hat (alte Comeback Kid, Carry On) und garnieren das Ganze mit einer Prise moderner Härte, wie sie z.B. den Zeitgeist von Bands wie Expire oder Turnstile prägt. Neben dem allen Vertretern des Genres anhaftendem Youth Of Today-Vergleich erinnert die Band dabei am ehesten an eine aktuelle Version von Give Up The Ghost / American Nightmare.

Bei einem Blick auf die Texte ist mir aufgefallen, dass neben den gängigen Straight Edge und „Die da oben gegen uns hier unten“-Proklamationen vor allem Liebe, Verlust und Sehnsucht ein Thema sind – in „Stay true“ wird sogar The Smiths-Ikone Morrissey zitiert. Auch das schicke Cover hat ein bisschen was dezent künstlerisches. Vielleicht haben die das von so Bands wie Have Heart oder Modern Life Is War gelernt, weiß ich nicht. Ich kenn mich da jetzt auch nicht so gut aus wie der Markus, wisst ihr ja. Der Platte steht das jedenfalls wirklich gut und gibt dem ganzen Retrogeholze einen hübschen Anstrich. Die x-te (hihi Wortspiel) bemüht dilletantisch gekrizzelte „Break Down The Walls“ Live-Foto / LoFi-Hommage kann man sich also durchaus sparen, ohne an Authentizität zu verlieren.

Wer Bock auf schnellen Hardcore-Punk in hyperauthentischem Gewand hat, auf Mosh nicht verzichten will oder generell zu den Kids gehört, die sich lieber die Haare blondieren und auf Shows wild umherspringend austoben, anstatt vor der Venue zu saufen und das Beste zu verpassen, der sollte hier unbedingt mal reinhören. Einen Stream der kompletten Platte gibt’s auf der Bridge 9 Bandcamp-Seite.

Wer generell auf die Musik steht wird vielleicht auch mit unserem Spezial zu Have Heart‘s “The Things We Carry” im Format MARKUS VS MORITZ Spaß haben, zu finden gibt’s das hier.

TracklistTrue Love - Heaven's Too Good For Us Cover

01. Piece for a Piece
02. Your Side
03. Out in the Streets Pt. I
04. Kill for That
05. Midnight People
06. Young to Die
07. Where It Ends
08. Chained Melody
09. The One and Only
10. Out in the Streets Pt. II
11. Meant to Take
12. Énouement
13. Stay True

Für weitere Informationen checkt:

http://bridge9.bandcamp.com/album/heavens-too-good-for-us
http://www.facebook.com/thetruelovecrew

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