Under The Sunrise – Get Shit Done Review

Da habe ich in meinem letzten Review noch von Berliner Luft und Hardcore aus der Hauptstadt gesabbelt – da landet auch schon die nächsten Berliner auf meiner Liste. Na ok, zugegeben, die Platte liegt hier jetzt schon was länger rum und musste zunächst hinter dem ein oder anderen Artikel anstehen, weil mir vom Chef total zermürbender Abgabedruck gemacht wurde.

Under The Sunrise - Get Shit Done Cover
Under The Sunrise – Get Shit Done Cover

Wer bei uns im Zine eine Deadline nicht einhält, der bekommt erst sein Between The Lines-Tattoo ausgebrannt und wacht dann neben einem abgetrennten, veganen Pferdekopf oder einer toten, mit den eigenen Fingerabdrücken übersäten Prostituierten auf. Ich kenn das doch. Nicht mit mir. Nicht nochmal. Deswegen habe ich brav meinen Job gekündigt und den Stapel abgearbeitet. Kein Ding.

Aber kommen wir lieber zu dem, was da schon so lange in der Plattenkiste auf mich wartet, nämlich Under The Sunrise und ihre einseitig bespielte 12“ namens „Get Shit Done“. Die Band ist laut Bio bereits seit 2007 aktiv, mir jedoch gänzlich unbekannt. Also Platte ausgepackt, auf den Teller geschmissen und ab auf die Couch.

Mit Rückkopplungen und wuchtiger Drum-Ouvertüre startet der Opener und Titeltrack ziemlich klassisch. Paar Klampfen, rotzige Vocals, ne handvoll Crewshouts und stampfender Mosh dazu – fertig ist ein zwar vorhersehbares, aber durchaus solides Intro, das Bock auf mehr macht. Wer im Gegensatz zu mir gern die Knochen durch’s Pit schwingt, lässt spätestens beim letzten Part vermutlich schon vorsichtig die Kabelarme kreisen, drückt Freund oder Freundin die Ray Ban und das Handy in die Hand und schnürt das Kopftuch enger.

Dafür, dass man in den Nahkampfmodus übergehen will sorgt vor allem auch die Produktion: Ziemlich fett, irgendwie modern, auch sehr klinisch aber nicht unbedingt überproduziert – das passt. Ansonsten verrät „Get Shit Done“ noch nicht viel darüber, wohin die Reise geht.

Vor dem ersten „richtigen“ Song „Peacemaker“ wird man noch kurz von Tom Cruise angebrüllt, der möchte, dass man den Koitus mit dem eigenen Gesicht vollzieht. Bevor man darüber schmunzeln kann, wird man aber auch schon in ein trotz all dem Geballer äußerst differenziertes Soundgebräu aus Doublebassgewitter und schnellen Gitarren gestoßen, die zeigen, dass die Rhythmusfraktion den up & down-stroke und das beidfüßige Trommeln gepaukt hat. Das erinnert mich gitarrentechnisch an eine Version von Terror, die gerade eine All Out War-Platte gehört hat. Die Moshparts sind sehr präsent und wechseln sich mit dezenten Tempowechseln, sowie kurzen 2-Step/Singalong-Einschüben ab. Das hat Hand und Fuß und ist ziemlich songdienlich inszeniert. Auch die Vocals sind cool und erinnern mich beim ersten Eindruck ein bisschen an AYS. Bilde ich mir aber vielleicht auch ein.

Make Or Break“ geht diesen Weg mit etwas gedrosseltem Tempo weiter und zeigt, dass die Band durchaus stilistische Ähnlichkeiten zu Bands wie Epxire, Hawser oder Easy Money hat und gut ins Bild des heutigen „state of the art“-Hardcore passt. Das bestätigt auch der erste Gastpart, der stimmlich ne Etage tiefer vorgetragen wird und mit obligatorisch-motivierendem Rumgekeife und stampfenden Gitarren jedem Mosh-Kid sofort die Freudentränen in die Augen ohrfeigt. Bei „Helping Hand“ wird’s dann wieder ne ganze Ecke punkiger, ehe der erste von insgesamt vier weiteren, um Gastsänger ergänzte Songs, die zweite Albumhälfte einläutet. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen. Erwähnenswert ist vor allen Dingen der Beitrag von Final Prayer Frontmann Stephan. Ansonsten fallen die Songs auch im Vergleich der ersten Albumhälfte keinesfalls ab und bieten sehr ordentlich geschriebenen tanzbaren Hardcore, der überwiegend im Midtempo vorgetragen wird und sein Hauptaugenmerk auf eingängige, zum Mosh animierende Breaks legt.

Under The Sunrise
Under The Sunrise

Textlich geht es neben einigen persönlichen Songs über den alltäglichen Struggle hauptsächlich um gesellschaftskritische und politische Themen wie religiösen Fanatismus („Peacemakers“), die Flüchtlingskrise („Helping Hand“) oder pervertierten Konsum („Wasted“). Im Fokus steht dabei passend zum Albumtitel eine gewisse „Arsch hoch kriegen“-Attitüde. Das Artwork der 12“ ist schlicht, aber wirklich cool und farblich schön aufeinander abgestimmt. Dass der ziemlich direkte Titel „Get Shit Done“ im Kontrast zu dem sehr eleganten Sisyphos-Gemälde von Tizian auf dem Cover steht, find ich eigentlich auch ganz witzig. An dieser Stelle übrigens noch mal ein extra „Dankeschön“ an die Band für die Platte zur Bemusterung – so ein schönes Promopaket bekommt man als Amateurjournalist nur selten.

Alles in allem ist das hier ein wirklich ordentliches Release, dass mich positiv überrascht hat, obwohl ich selbst ja eher asseligen Schmutz-Hardcore mag oder Bands höre, deren Hardcoreeinfluss bis zur Unkenntlichkeit durch Metalriffs verstümmelt wird. Insgesamt hört man jedenfalls deutlich, dass die Band nun schon zehn Jahre auf dem Buckel hat und weiß, wie man Songs schreibt. „Get Shit Done“ wirkt dadurch angenehm homogen und kurzweilig. Insgesamt hätte ich mir weniger Features, ein paar mehr stilistische Ausreißer und etwas mehr Dynamik im Sound gewünscht. Trotzdem macht gerade die fette Produktion Spaß. Sicherlich wirkt der Sound der Band noch etwas beliebig, dafür ist hier alles aber auch genau auf den Punkt gespielt und soundtechnisch ausgetüftelt. In der Landschaft des modernen, tanzkompatiblen Hardcore-Mosh mit metallischer Note müssen sich „Under The Sunrise“ meiner Meinung nach jedenfalls nicht verstecken. Tatsächlich wundert mich viel mehr, warum man die Band nicht öfter auf Lineups mit Bands aus dem Powertrip-Roster oder westdeutschen Mosh-Truppen a la Harm/Shelter, Slope, Second Sight oder Torch It zu sehen ist.

Wer jedenfalls mal was frisches, tanzbares hören oder buchen will, der sollte Under The Sunrise auf jeden Fall checken und auf dem Radar behalten.

Trackliste

01. Get Shit Done
02. Peacemaker
03. Make Or Break
04. Helping Hand
05. Back On Track
06. Rewind
07. Breaking The News
08. Wasted

Für weitere Informationen checkt:

http://underthesunrise.bandcamp.com
http://www.facebook.com/pg/underthesunrise

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