Reingehört: Frustration – I Don’t Think God Heard Me

Wahnsinn, was da auf dem Pitfest 2 in Aachen los war. Ausverkaufter Laden, unglaublich viele nette und bekannte Gesichter und eine exquisite Auswahl an Hardcore-Bands. Ich denke jeder, der an diesem Tag in Aachen zu Gast war, wird mit mir zusammen vor dem MerchPit-Team seinen Hut ziehen. Mindestens genauso schön war aber, dass Thomas von Farewell Records am Start war und mir eine gute Auswahl an Platten in die Hand gedrückt hat, welche nun bei mir liegen und darauf warten gehört und beschrieben zu werden. Die gute Qualität der Farewell-Releases sollte sowieso bekannt sein, sind doch dort Bands wie Risk It!, City To City oder Light It Up beheimatet. Als erste Platte findet nun die “I Don’t Think That God Heard Me” von der irischen Band Frustration ihren Weg auf meinen Schreibtisch, von der ich vorher nur ganz kurz in den Titeltrack auf YouTube reingehört habe. Früheres Material kenne ich ebenfalls nicht wirklich (außer dem Gorilla-Cover der Vorgänger-LP), von daher beste Voraussetzungen um mich überraschen zu lassen. Das Booklet ist aufgeklappt, die Platte beginnt sich zu drehen – es geht los.

Die A-Seite startet mit dem Song “Sinking To Your Level”, welcher mit einem etwas längerem Intro anfängt und mir eine ungefähre Idee gibt, in welche Richtung die Reise geht. Mid-Tempo Hardcore im groovigen Gewand. Vom Sound an sich her gefällt mir das doch schon mal sehr gut. Der Gesang steigt ein und das Gesamtpakete weiß zu gefallen. Ich hätte persönlich hier eine etwas höhere Stimme erwartet, aber der dunkle, kehlige Gesang bringt noch ein Stück zusätzliche Härte mit sich. Der Song an sich läuft ohne relativ große Überraschungen weiter, hier und da mal eine Melodie an der Gitarren-Front, abwechslungsreiche Gesangsmuster und der erwartungsgemäße Moshpart am Ende. Ich finds cool, der Sound und die Musik von Frustration funktionieren. Textlich scheint es hier eher in Richtung “persönliche Abrechnung” zu gehen, bisher noch kein Zeichen von politischer Ambition oder Vorschläge zur Rettung der Erde. Aber es bleibt natürlich abzuwarten, was noch in den folgenden zwei Songs passiert. (Beides hatte ich irgendwie wegen der Herkunft der Band, als auch dem Cover der vorherigen “Dying Breed” LP erwartet.)

Ein Grund, warum ich 7″ sehr selten auflege folgt prompt: Der erste Song endet und schon muss die Platte umgedreht werden. Neeeervig.

Die B-Seite startet mit einem Zitat aus True Detective – eine Serie, welche unzählige Dialoge beinhaltet, die man als Skits verwenden könnte. Es folgt der Titeltrack der Scheibe, der genau da weiter macht, wo “Sinking To Your Level” aufhört: ein straighter Sound, diesmal gepaart mit ein paar Sing-Alongs, Backing-Vocals und einem ziemlich schleppenden Endpart. Dieser Song gefällt mir nochmal besser als der Opener, da er meiner Meinung nach mehr Dynamik und Energie rüberbringt. Gerade der Anfang mit dem Wechsel zwischen Sänger/Sing-Along/Backing-Vocals sagt mir sehr zu. Auch finde ich es klasse, wie sich am Ende das Tempo vor dem Moshpart etwas verschleppt und man schon im Vorhinein ahnt, was sich da gleich abspielen wird. Textlich ist der Einstieg da schon etwas schwieriger, hatte ich mir unter dem Titel “I Don’t Think God Heard Me” doch etwas anderes vorgestellt. Das ist aber gar nicht negativ gemeint, ich find es sogar spannend, wenn musikalisch dann doch nicht immer alles so kommt, wie man es erwartet.

Die 7″ endet mit dem Track “North King Street”, einem Song, der sich anscheinend mit der Heimatstadt der Band/des Sängers befasst und Freunden, die diese Stadt verlassen haben. Für mich eine spannende Thematik, die sicherlich einigen Leuten vertraut sein sollte, welche etwas vereinsamt aus Gewohnheit oder anderen Gründen in ihrer Heimatstadt verbleiben, während der Rest der Clique die Welt erkundet. Musikalisch ist der Song cool, übertrumpft für mich aber nicht den Titeltrack der Platte, welcher für mich gleichzeitig auch der Beste ebendieser ist.

Abschließend würde ich sagen, dass die Platte mit ihren drei Songs nicht unbedingt große Ohrwürmer beheimatet, allerdings konstant auf einem guten Level bleibt und die Band aus Irland mich mit spannenden Gesangsmustern und einem stimmigen Soundgewand von sich überzeugen kann. Auf jeden Fall hat die EP es geschafft, dass ich mir nun auch mal die “Dying Breed” LP anhöre und noch etwas mehr von der Band kennenlernen möchte. Hört doch auch einfach mal in den Titeltrack rein und besucht den Shop von Farewell Records!

Als nächstes steht dann die “Nothing Worth To Die For” von City To City an – eine Platte, auf die ich mich wirklich freue, da ich trotz des langen Zeitraumes, in dem die Platte schon erhältlich ist, bisher tatsächlich auch nicht mehr als “Reingehört” habe.

Markus Kasten

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