Demonwomb – Interview

Die fünfköpfige Wiener Hardcore-Band bei uns in einem Interview über die lokale Szene, die Entstehung und die Zukunft der Band.

Hey Don, danke dass du dir Zeit für das Interview genommen hast, wie geht’s dir?

Yo, danke ganz gut! Wir haben zu danken!

Bevor du deine Band vorstellst, würde ich gern gleich mit der Kirche ins Dorf fallen und fragen was euch solange aufgehalten hat neues Material zu schreiben und zu veröffentlichen? Euer letztes Release ist ja nun schon eine gefühlte Ewigkeit her.

Ha, ja richtig, war schon langsam Zeit. Denke mal der erste Rückschlag war der Ausstieg unsres alten Drummers Werner. Mit dem hatten wir damals eigentlich schon das Grundgerüst für nen neuen Song, welcher sich dann in „Enter The Void“ verwandelt hat. Waren dann also erstmal auf der Suche nach nem neuen Drummer, was in Wien nicht gerade einfach war. Glücklicherweise kannte unser Gitarrist Haris den Yannick von der Uni und der hatte dann auch gleich noch Bock mal mit uns in den Proberaum zu schauen, Score! Chemie hat eigentlich sofort gepasst und wir waren endlich wieder eine vollständige Band! Logischerweise hat der sich aber auch erstmal die alten Songs aneignen müssen, was auch wieder etwas Zeit in Anspruch genommen hat. Ein weiterer großer Faktor war dann noch, dass wir organisatorisch einfach eine einzige Katastrophe sind, was uns mit Sicherheit, wenn mans hochrechnet, im Schreibprozess sicherlich auch nochmal locker ein Jahr gekostet hat. Aber jetzt ist die EP ja endlich fertig und wir könnten mit dem Ergebnis eigentlich nicht zufriedener sein! Bald könnt ihr euch ja selbst alle ein Bild davon machen ob es das Warten wert war.

by Josi Hoffmann
by Josi Hoffmann

Ok, dann machen wir mal normal im Programm weiter, stell doch bitte die Mitglieder deiner Band vor und erzähl uns sogleich mal wie ihr auf euren Bandnamen gekommen seid!

Also, da wären Patrick und Haris an den Gitarren, Sandro am Bass, Yannick an den Drums und ich „singe“. Zum Namen gibt’s eigentlich keine großartige Geschichte, nach den ersten paar Proben, wars an der Zeit einen Namen zu finden, also kam jeder mit ner Liste an Vorschlägen an. Sandro und ich sind eigentlich nur unsre Musikbibliotheken durchgegangen und haben da paar Ideen raus geschrieben. Unter anderem war da dann eben auch Demonwomb dabei. War so ziemlich der einzige Name der nicht die typischen Death/Black/Blood/Whatever in sich hatte, allen sofort gefiel und es keine Band zuvor mit diesem Namen gab. (Letzteres war wohl das größte No-No für uns) Letztendlich dürfen wir also einem Prelude von Jedi Mind Tricks unseren Namen verdanken!

Ihr spielt ja den Großteil eurer Shows in Deutschland, aber mich würde mal interessieren wie denn so die Szene in Österreich ist. Könntest du unseren Lesern kurz beschreiben, ob es Unterschiede von der Szene in Österreich im Vergleich zu Deutschland gibt?

Ist vermutlich relativ schwer flächendeckend von einer “Österreichischen Szene” zu sprechen, genauso wie Szenen in verschiedenen Städten Deutschlands leicht unterschiedlich sind. Ich gehe jetzt mal von der Wiener Szene aus, da hier die meisten Shows stattfinden, wir hier auf Shows gehen und bis jetzt noch nicht wirklich in anderen österreichischen Städten gespielt haben. Hier ist die Szene sehr überschaubar, es gibt eine handvoll Venues die regelmässig für Shows genutzt werden und die meisten Leute die auf Shows gehen kennen sich untereinander. Was schön zu beobachten ist, ist dass es seit kurzem auch wieder ein paar neue, junge Gesichter auf die kleineren Shows zieht und diese auch wiederkehren. Andererseits hat es aber den Anschein, als würde generell die Anzahl der Leute die Hardcore noch interessiert, irgendwie abnehmen, somit gleicht sich das Ganze irgendwo wieder aus. Ein scheinbarer Unterschied der uns durchs touren in Deutschland aufgefallen ist, ist dass den Kids in Deutschland Hardcore allgemein etwas wichtiger ist und die Werte rund um die Musik etwas mehr bedeuten als den Kids in Wien. Ausnahmen bestätigen aber auch hier natürlich die Regel. Bands gibt’s hier natürlich auch paar coole die man außerhalb vielleicht noch nicht kennt, aber auf jeden Fall auschecken sollte, wie zB. Public Domain, Stillborn oder Avalanche. Letztendlich würde ich aber meinen dass sich die Szenen in Deutschland und Österreich nicht gravierend unterscheiden.

Eure neue 7″ erscheint wiedermal auf Powertrip Records. Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen euch und Hannes und kannst du uns einige positive Ereignisse nennen, die ihr beobachtet habt seitdem ihr auf Powertrip Records seid?

Patrick und Werner waren vor uns in einer Band namens Juggernaut, die damals auch schon eine Split mit Goldust über PTR rausgebracht hatten. Nachdem es mit unsrer Demo endlich was von uns zu hören gab, haben wir dann mal durch die Juggernaut-Connection mit Hannes Kontakt aufgenommen. Der hatte eigentlich sofort Bock was mit uns zu machen und so ist es dann zum PTR Release von „Cursed“ gekommen. Seitdem ist Hannes über die letzten paar Jahre auch zu einem guten Freund abseits des Labels geworden, was uns die Entscheidung einer erneuten Zusammenarbeit mit ihm auch wieder erleichterte. Positiv zu beobachten war definitv die Entwicklung des Labels in den letzten Jahren. Man braucht ja nur mal nen Blick auf den aktuellen Roster und deren Releases zu werfen, da sind ein paar richtig starke Teile dabei!

Demonwomb Upcoming Shows

Kommen wir mal näher auf eure neue Platte zu sprechen, hat sich euer Stil im Vergleich zu der „Cursed“ EP stark verändert? Welche Einflüsse spielten bei der Erschaffung der neuen Songs eine wichtige Rolle?

Grundlegend gibt’s keine großartige Veränderung, da wir relativ wenig Bock auf Experimente haben und ne ziemlich gute Vorstellung davon haben wie wir klingen wollen. Ich würde sagen dass die neue Platte in allen Belangen einfach ausgereifter als unsre letzte EP ist. Von der Produktion bishin zum Songwriting. Haben uns also nicht ganz umsonst so viel Zeit dafür gelassen, haha.

Nächste Frage zu eurer neuen Platte, kannst du uns die Lyrics der Scheibe etwas näher bringen damit vor allem unsere Leser besser nachvollziehen können um was es bei euch lyrisch überhaupt geht?

Auch hier geht’s wie schon auf der “Cursed” wieder recht sozialkritisch voran. Der ganze Scheiss, der in den letzten Monaten/Jahren weltweit passiert ist bzw noch immer abgeht, gibt einem da schon genug Material um sich auszulassen. Von der Thematik mal abgesehen werde ich in „Enter the Void“ und „Edge of Sanity“ etwas persönlicher, aber davon können sich ja dann alle selbst ein Bild machen. Ich versuche mit meinen Lyrics immer relativ direkt zu bleiben, lass aber trotzdem gern auch etwas Raum für Interpretation.

Du besuchst ja sicherlich regelmäßig Shows in Österreich und Deutschland, allgemein schon durch deine Band, meinst du die Besucherzahlen auf Konzerten in der Hardcore Szene haben im Vergleich zu den letzten Jahren abgebaut? Wie ist denn allgemein deine Ansicht zur aktuellen Szene?

Wie schon in einer vorigen Frage angeschnitten, gibt es in Wien was das angeht eine kontinuierliche Achterbahnfahrt. Speziell Wien ist zB seit gut zwei Jahren relativ unberechenbar geworden was Besucherzahlen betrifft, egal welche Band grad auf Tour ist. Seit kurzem ist aber wieder ein leichter Aufschwung zu beobachten, neue Kids kommen und neue Promoterkollektive bilden sich. Somit eine positive Veränderung! Bei Deutschland tu ich mir da etwas schwerer das einzuschätzen, da ich meistens nur die Crowds auf unseren Shows sehe. Verglichen mit Wien, scheinen aber lokale bzw. kleinere Bands in Deutschland mehr Support zu bekommen. Auffallend ist auf jeden Fall dass sich die Anzahl der Kids auf Shows auf denen US Bands spielen, teils drastisch zu Shows ohne eben diesen Bands unterscheidet. Im Allgemeinen würde ich aber sagen dass Hardcore immer ein konstantes Auf und Ab erlebt. Mal kommen mehr Kids auf Shows, mal weniger. Leute kommen und gehen und leider ist Hardcore als Fashion in letzter Zeit scheinbar präsenter als jemals zuvor.

Was bedeutet für dich Hardcore?

So cheesy sich das Ganze jetzt auch anhören mag, aber Hardcore/Punk ist seit Jahren ein großer Bestandteil meines Lebens, eine zweite Heimat und ich wär bestimmt nicht der selbe Mensch, hät ich diese Subkultur niemals kennengelernt. In vielerlei Hinsicht hat es mir die Augen geöffnet und mir gezeigt dass es okay ist anders zu sein, nicht “blind” durch die Welt zu laufen und gewisse Dinge zu hinterfragen. Und es tut gut zu wissen, dass es weltweit einen Haufen anderer Menschen gibt, die diese Lebenseinstellung und Leidenschaft für Musik teilen.

Welchen Kontinent würdet ihr in Zukunft am liebsten touren und welche Tourpartner wären euch auf dieser Reise am angenehmsten?

Prinzipiell schwer zu sagen, ich will einfach überall spielen haha. Persönlicher Favorit wäre wohl eine Australien-Tour vor einer US-Tour, denke dort gibt’s wohl etwas mehr zu erleben als in Nordamerika bzw. reizt es mich persönlich mehr mal nach Australien zu kommen als nach Amerika. Zur zweiten Frage habe ich keine wirkliche Antwort, kann gern auch eine uns noch fremde Band sein. Hab im Laufe der Jahre, auf Shows/Touren/Weekendern kaum Leute in Bands kennengelernt mit denen ich nicht ausgekommen wäre und aus Erfahrung werden Freundschaften relativ schnell auf ner Tour geschlossen.

In welcher Stadt gehen deiner Meinung nach die wildesten Shows ab?

Hamburg war bis jetzt wohl vermutlich immer am coolsten zu uns, was Shows angeht!

Diese Frage stelle ich eigentlich immer und kann sie mir auch hier nicht verkneifen, nenn uns doch mal ein paar Bands die wir unbedingt auschecken sollten!

Ich lass hier jetzt einfach mal die Classics aus und nenn nur paar Neuere/Kleinere!

Drown, Noisem, Disgrace, Foreseen, Skinfather, Ranger, Discourse, Holy Land, Renounced, Empowerment, Mizery, Dull Eyes, Forsaken, Venom Prison, Higher Power, Inherit, Repentance, Deathbearer, Iron Mind, Code Blue Coma, Blistered.

Ok wir sind am Ende Don, die letzten Worte gehören dir!

Checkt unsere neue EP aus, gebt uns Shows, Arnold is numero uno und nochmal fettes Danke für das Interview!

Fernando Sanchez Bertot

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/demonwomb

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.