Optimist – Interview

OPTIMIST haben es geschafft in den letzten Jahren eine Brücke zwischen Hardcore und Metal in Deutschland zu errichten, die sich großer Beliebtheit erfreut. Mit “Der Zerfall” bringen sie erneut drei Songs heraus, welche auf Vinyl via Affront Records erschienen sind. Im Gespräch mit Bassist und dem grafischen Mastermind von OPTIMIST Michael haben wir über die neuen Songs, einer möglichen Tour, einer neuen LP und den politischen Inhalten der Band gesprochen.

Optimist

Hey Micha! Wie bei bisher jedem Release von euch stehen auch wir wieder interessiert in den Startlöchern. Seid ihr zufrieden und beruhigt, dass die Arbeit geschafft ist und bald die Früchte für das neue Release “Der Zerfall” geerntet werden können?

Hey Markus! Vorab vielen Dank an Dich und an Euch, dass ihr uns schon so lange zur Seite steht und auch bei diesem Release wieder einmal tatkräftig unterstützt. Natürlich sind wir zufrieden, dass das Ganze jetzt doch ziemlich rasch entstanden ist und auch so zeitnah aus dem Presswerk kommt. Die Sache mit der 7“ Inch war zwar schon länger im Hinterkopf, aber richtig konkret wurde das Projekt auch erst Ende des vergangenen Jahres. Also Hut ab an alle Beteiligten!

Wie lief denn die Arbeit an den neuen Songs? Die letzten Songs von euch waren ja auf dem Split Release mit Bitterness Exhumed. Ging es alleine einfacher von der Hand so ein Release zu füllen?

Wir haben eigentlich nie große Probleme, neue Songs zu schreiben. Wir brauchen nur bei einigen Songs manchmal länger, bis wir alle damit zufrieden sind. Da werden halt regelmäßig Parts noch mal umgebaut oder verworfen. Dieses Mal haben wir jedoch im Vorfeld so semi-professionelle Demos geschrieben und rumgeschickt, damit sich jeder schon vor den Proben mit den Grundstrukturen der Songs vertraut machen konnte. Im Grunde wollten wir eigentlich auch nur zwei Songs auf die 7“ packen, aber da recht kurzfristig noch ein dritter Song entstand, von dem wir uns nicht trennen wollten, sind es dann auch gleich drei geworden.

Mit der 7” löst ihr euch erstmals von BDHW und released auf Affront Vinyl. Wer/was verbirgt sich hinter diesem Namen und wie kam der Wechsel zustande? Seid ihr nun dauerhaft von BDHW getrennt oder betrifft das nur die 7”?

Hinter Affront Vinyl verbirgt sich der gute Christian Bass, der aktuell fester Trommelknecht bei HEAVEN SHALL BURN ist und auch damals bei END OF DAYS die „Dedicated To The Extreme“ eintrommeln musste, als Frank kurzfristig ausfiel. Chris hatte mit Baskat Recordings früher schon mal ein Label und wollte nach einer Pause wieder etwas Neues auf die Beine stellen. Und so entstand Affront Vinyl und irgendwann auch die Idee, mit uns eine 7“ zu machen. Für uns ist das auch kein Wechsel oder eine Trennung von BDHW. Wir sind weiterhin Teil der BDHW Familie, haben daneben nur alle Freiheiten, die wir brauchen, um auch mit anderen Labels gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Das war mit INJUSTICE RECORDS, mit denen wir kürzlich unser Debüt Album „E N T S E E L T“ als Tape veröffentlicht haben, ähnlich. Wir müssen dann nur unsere Rechtsabteilung damit beauftragen, die Anwälte der Gegenseite zu kontaktieren und schon kommen die Dinge ins Rollen.. 🙂

Optimist live

Wie sehen eure Pläne aus die Platte dieses Jahr zu promoten? Werdet ihr euch irgendwann nochmal zu einer längeren Tour aufraffen können oder bleibt es bei einzelnen Shows/Festivals?

Eine spezielle Tour oder etwas wird es zur Veröffentlichung von „Der Zerfall“ nicht geben. Wir hatten zwar eine Releaseshow im Kopf, aber zum gewünschten Zeitpunkt kocht der Pott mal wieder über, was Shows angeht. Wir werden aber natürlich jede Möglichkeit nutzen, das neue Zeug live zu präsentieren. Was das Touren betrifft, ist es ja nicht so, dass wir keinen Bock oder keine Motivation dazu hätten. Es ist für uns halt nur extrem schwierig, alle Faktoren zu erfüllen, die uns eine Tour erlauben. Wir haben neben der Band halt alle feste Jobs und einige auch schon Familie. Aber wir wollen niemals „nie“ sagen.

Mir fällt auf, dass ihr eine sehr besondere Stellung im Deutschen Hardcore/Metal eingenommen habt. Ihr habt in jedem Lager eine sehr treue und loyale Fanbase, sowohl im Hardcore als auch auf reinen Deathmetal Festivals. Wie erklärt ihr euch diesen übergreifenden Erfolg?

Puh! Grundsätzlich haben wir nie versucht, uns auf ein bestimmtes Genre zu limitieren. Was man ja auch in unserer Musik hören kann. Wir sind halt alle im HC groß geworden, haben dabei aber auch schon immer eine Vorliebe für extremen Metal gehabt. Und das lassen wir seit dem Beginn von OPTIMIST in die Songs einfließen. Ganz gleich ob es HC-, Metal oder auch Grind Core-Einflüsse sind. Und das scheinen die Leute auch anzuerkennen, wofür wir natürlich sehr dankbar sind.

Obwohl ihr konstant Releases liefert, ist euer einziger Longplayer schon relativ lange her und die neuen Tracks kommen immer nur in kleinen Dosen. Habt ihr schon Ideen/Pläne für eine neue LP?

Gut, „releasefaul“ sind wir nun nicht, zumal wir seit der „E N T S E E L T“ (2014) im Jahrestakt neue Songs raus gehauen haben. Eigentlich hatten wir auch vor, mit dem Schreiben neuer Songs für ein Album anzufangen. Allerdings kam jetzt die 7“ dazwischen. Ich glaube, sobald ein wenig Ruhe nach der Veröffentlichung von „Der Zerfall“ eingekehrt ist, werden wir auch wieder neue Songs für den nächsten Longplayer schreiben. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass ein neues Album nicht nur neue Songs, sondern auch eine volle Kasse benötigt, um das Studio bezahlen zu können. Deshalb müssen wir auch erstmal wieder ein wenig spielen, um diese zu füllen.

Ebenfalls neu ist, dass ihr dieses mal die Songs bei Manuel im Parabol Studio aufgenommen habt. Wie hat sich das ergeben und wie ist euer Fazit zu der Umstellung?

Die letzten Aufnahmen und Mixe sind ja in der Tonmeisterei (Oldenburg) entstanden, wo wir auch immer sehr zufrieden waren. Allerdings waren wir mit der Studioplanung für „Der Zerfall“ zeitlich etwas begrenzt und brauchten eine kurzfristige Lösung. Fast zeitgleich kam da das Angebot von Manuel und dem Parabol Studio, die neuen Songs mit ihm aufzunehmen, da er schon länger mal Bock hatte, was mit uns zu machen. Und ja, es hat im Grunde perfekt funktioniert. Sicherlich gab es für beide Seiten Dinge, die etwas von den Gewohnheiten abwichen, aber Manuel ist ein sehr umgänglicher und flexibler Typ. Für uns waren die Aufnahmen super angenehm und das Endresultat kann sich unserer Meinung auch hören lassen.

Mit “Du widerst mich an” ist ein sehr harter Track auf der 7” gelandet, welcher sich scheinbar konkret an einen gewissen Schlag Mensch richtet. Wer widert euch denn alles so an – und warum?

Ich glaube, das würde hier den Rahmen sprengen, wenn wir das aufzählen müssten, was uns aktuell so anwidert. An sich sind das natürlich die ganzen Meinungsbilder, die uns Dinge vorkauen, damit wir diese immer schön brav schlucken. Die sozialen Medien und ihre Stimmungsmacher, die anscheinend völlig unkontrolliert Leute denunzieren und attackieren können oder dieses ganze Bullshit TV und seine abartigen Gesichter, die Menschen vorschreiben wollen, wie diese zu sein haben, damit diese in unsere Umwelt passen… usw. Also, die Liste ist aktuell leider unendlich lang und der Interpretationsspielraum schier grenzenlos. Manchmal tut es einfach gut, dies kund zu tun.

Optimist - Der Zerfall Cover

Du bist bei OPTIMIST auch für die grafischen Werke zuständig. Vor allem beim Merchandising und bei den Platten kommt dein eigener Stil perfekt zur Geltung. Was steckt hinter dem Artwork zu “Der Zerfall”? Wer ist dort alles zu sehen und was hast du dir dabei gedacht?

Also bei OPTIMIST ist es bisher immer so gewesen, dass wir die Musik zu neuen Songs fertig hatten und es auch schon einen Studiotermin gab, die Texte oder Titel jedoch noch nicht standen. Deshalb mach ich mir eigentlich fern ab von Text oder Songtitel immer im Vorfeld Gedanken, wie das nächste Artwork aussehen könnte. Da ich mittlerweile erahnen kann, in welche Richtung die Texte gehen, entstand auch dieses Mal die Idee zu einem sehr „kritischen“ Cover. Im Grunde ist das ganze ein wenig angelehnt an das MACABRE Cover zu „Sinister Slaughter“, das ein Gruppenfoto mit mehreren Serienmörder zeigt. Meine Idee war ein Gruppenfoto vor apokalyptischer Kulisse, welches die „Übeltäter“ bis hin zu den Opfern unserer aktuellen „Lage“ darstellt. So geht es von oben herab immer weiter bergab mit den dargestellten Personen. Angefangen von unseren „Mächtigsten“ zeigt das Cover rechtsgerichtete oder auch rechtsoffene Politiker, Diktatoren, religiöse Extremisten, Terroristen, ausübende Staatsgewalten, Idioten und ganz zum Schluss ihre Opfer.

Ihr hattet schon immer auch politische Texte und bezieht stark Stellung gegen Rechts. Wie erlebt ihr die aktuellen Landtagswahlen und die starken Ergebnisse der AFD? Was ist der richtige Weg mit so einer Situation umzugehen?

Ich glaube jetzt nicht, dass man noch großartig was zu der AFD sagen muss. In meinen Augen sind das ne handvoll beschränkter Parolenklopper, die mit noch mehr Dummen eine Partei gegründet haben, welche noch mehr Dumme dazu bewegt hat, diese zu wählen. Im Grunde ne Alternative für Dumme. Man weiß auch nicht, was das größere Übel ist. Diese Partei oder diese sogenannten „Protestwähler“, die sich am Tag der Wahlen mit einer Gruppe von braunen Rattenfängern sympathisierte, die es als eine Art von Demokratie ansehen, wenn tagtäglich irgendwo Flüchtlingsheime angezündet werden.

Wie man damit umgehen sollte? Sicherlich ist es heute wichtiger denn je, wenn man als Person oder auch als Band Stellung bezieht. Einfach mal sagen, dass die Denkweise der Rassisten nicht tolerierbar ist. Es gibt immer noch so viele Bands da draußen, die einfach keinen Bock haben, irgendwas zu der Situation zu sagen, weil sie dann aus ihrer sicheren Mitte raus müssen und dadurch wahrscheinlich ne Handvoll „kostbarer Likes“ auf ihrer scheiß Facebook-Seite verlieren. Vielleicht würden viele dieser „Wähler“ ihre Denkweise mal hinterfragen, wenn man ihnen mal sagen würde, dass diese einfach Scheiße ist!? Aber für viele ist es auch immer noch selbstverständlich, dass diese Art von politischen Äußerungen und ihre „Unterhaltung“ strikt getrennt werden müssen.

In Bezug auf OPTIMIST sehe ich uns jetzt auch nicht als politische Band. Da gibt es sicherlich mehr Bands, die auf dem politischen Feld weitaus aktiver und offensiver sind. Aber wir haben einfach zu gewissen Themen Stellung bezogen. Sicherlich auch, weil wir deutsche Texte nutzen, aber keinen Bock haben, über irgendwelche Untergangszenarien, Straßenkämpfe oder Herzschmerz zu singen. In unseren Augen wäre das in Bezug auf uns und OPTIMIST einfach nicht authentisch. Und wenn, dann geschieht das auf unsere Art und Weise. Wir wollen ja auch niemanden bekehren oder belehren. Es ist uns einfach wichtig, dass man Dinge hinterfragt und sich darüber mal Gedanken macht.

Unser größtes Problem ist nicht der Rassismus, es ist die Dummheit. Schau doch nur mal in die sozialen Medien und lies Dir die Kommentare durch! Der Großteil der Verfasser kann kaum einen geraden Satz bilden. Und wenn sich in Sachen Bildung und auch Integrierung dieser ungebildeten Menschen nichts tut, ist es für diese Rattenfänger weiterhin ein Kinderspiel, diese auf ihre rechte Seite zu ziehen.

Ich danke für das Gespräch und die letzten Worte gehören wie immer dir.

Wie immer ? danken wir Dir Markus und Deiner uns immer so treuen Crew vom BTL Magazin! Und danke an alle, die uns -auf welche Weise auch immer- unterstützen! DANKE!

Für weitere Informationen checkt:

https://www.facebook.com/Optimist.metal
https://www.facebook.com/affrontvinyl