RYKER’S – Interview

Als mir Markus anbot, ein Interview mit Ryker’s abzuhalten, war ich erst sehr zwiegespalten. Einerseits ist es natürlich sehr interessant, eine Band mit einem solchen Namen zu interviewen, andererseits hat sich mein musikalischer Pfad nie lange und intensiv mit Ryker’s gekreuzt. Außerdem möchte ich mich nicht in die Geschichte einer Band einlesen, die älter als ich selbst ist, da das erstens Arbeit, zweitens für ein Interview absolut uninteressant ist. Anstatt mich in einer unsinnigen Biografie zu verlieren, will ich also den Standpunkt der Band ausnutzen, um Fragen zu stellen, die eben nicht alle beantworten können.

Ryker's - Band

Hey, schön dass ihr einem Interview zugestimmt habt. Stellt Euch doch am besten vor:

Chris: Das aktuelle Line Up besteht aus Dennis an den Vocals, Grobi und Fusel an den Gitarren, Flo am Schlagzeug und mir (Chris) am Bass.

Ihr macht seit 2 Jahren wieder Musik. Was ist das für ein Gefühl, nach einer Art Frührente wieder gemeinsam auf einer großen Bühne zu stehen?

Chris: Was soll das denn jetzt – ‚Frührente‘? Wir hatten ´ne Weile Pause, jetzt sind wir wieder da… eigentlich ganz einfach! Es macht Spaß auf der Bühne zu stehen, sonst würden wir es nicht machen.

Ein Sängerwechsel ist für Bands immer eine große Sache. Welche Gründe gab es dabei und welche Auswirkungen hat der Wechsel auf Ryker’s und Fans?

Chris: In meinen Augen kommt es darauf an was man daraus macht. Kid hatte einfach keinen Bock mehr, das ist OK, wir sind gute Freunde und haben das Ding lange gemeinsam gemacht. Mir ist es wichtig, dass wir alle 100% zu dem stehen was wir gemeinsam verzapfen. Dennis ist kein ‚Ersatz‘ – er ist der Sänger von Ryker’s, ein alter Freund und gibt eben diese 100 Prozent – besser geht’s nicht. Ich glaube, dass die Fans angenehm überrascht sein werden.

Wie sieht denn Euer persönlicher Musikgeschmack aus? Hört Ihr privat alle hauptsächlich Hardcore? Hört man nach 30 Jahren noch die selben Platten?

Chris: Wir hören im Prinzip alles quer durch den Garten. Musik ist für mich gut, wenn sie mir gefällt, mich bewegt… Ob das Hardcore, Metal, Classic Rock oder Country ist, ist mir egal. Und ja, ich höre mir auch noch die alten Scheiben an. Gute Musik ist zeitlos.

Dennis: Ich höre immer noch viel Hardcore. Das ist nichts, was man mit zunehmendem Alter einfach ablegt, wie ein altes Shirt. Und ja, man hört tatsächlich nach 20 Jahren immer noch die selben Platten. Es gibt viele alte LPs, die man immer mal wieder gerne rauskramt und sich anhört. Weil es einerseits Klassiker sind, die man immer hören kann und weil es auch immer ein schöner Trip in die Vergangenheit ist. Deine Frage impliziert genau das, was mich an der heutigen Hardcore Szene stört. Diese Schnelllebigkeit, Bands erscheinen auf der Bildfläche, werden ein Jahr total gehyped, lösen sich auf und schon ein Jahr später kräht kein Hahn mehr danach.

Wie hat sich Euer Musikgeschmack in der Zeit entwickelt? Beschäftigt Ihr Euch mit modernen, angesagten Bands?

Chris: Mir ist es ziemlich egal, ob eine Band angesagt ist. Mit gefällt was mir gefällt und dann stoße ich da auch irgendwie drauf (…oder Freunde machen ich darauf aufmerksam – dann check ich auch gerne mal was aus). Turnstile sind cool, ich mag Nasty, sehe das Ganze aber absolut Genre übergreifend.

Dennis: Ich bin immer noch sehr aktiv und kann mich noch immer für neue Bands begeistern. Egal, ob die jetzt angesagt sind, oder nicht. Das spielt überhaupt keine Rolle. Hört man sich deiner Meinung nach nur noch angesagte Bands an? Das wär ja wirklich traurig, aber untermauert wieder meine These zur Schnelllebigkeit in der heutigen Szene.

Ihr sagt selber, dass sich aus Euren Alben jeweils verschiedene Einflüsse heraushören lassen. Wodurch habt Ihr euch im Laufe der Bandgeschichte inspirieren lassen?

Chris: So ziemlich jede Band, die ich höre und gut finde hinterlässt einen Eindruck und somit einen Einfluss. Bahnbrechend waren für mich Agnostic Front und die Cro-Mags.

Dennis: Man lässt sich beim Songwriting natürlich immer durch den eigenen Musikgeschmack beeinflussen. Großen Einfluss hat aber auch die Stimmung, in der man sich gerade befindet, wenn man einen Song schreibt. Hardcore transportiert nicht nur eine Message, sondern auch sehr viel Emotionen.

Wie sah denn ein typischer Ryker’s-Fan vor 15 Jahren aus, und wie heute? Hat sich Eure „demografische Zielgruppe“ geändert oder sind das überwiegend die selben Leute?

Chris: Der alte Fan sieht aus wie immer, nur 15 Jahre älter. Es ist schön zu sehen, dass uns viele alte Fans treu geblieben sind, wir aber auch in der Lage sind neue, junge Fans für uns zu gewinnen.

Was bedeutet Euch Hardcore persönlich?

Chris: Die Frage ist recht abgedroschen und auch nicht wirklich einfach (in wenigen Worten) zu beantworten. Zieh deine Sache durch, glaube an dich selbst, hinterfrage Dinge die dir vorgegeben werden und ein respektvoller Umgang gegenüber anderen Menschen (die diesen verdienen).

Dennis: Hardcore ist ein wichtiger Teil in meinem Leben und wird es auch immer bleiben.

Oft wird aus einer Zeit erzählt, in der internationale Konzerte noch per Brief abgesprochen wurden. Worin seht Ihr Vor- und Nachteile für Bands und Szene durch das Internet?

Chris: Natürlich erleichtert das Internet die Kommunikation erheblich. Allerdings kann auch jeder Mist in der Anonymität des Internets leicht verbreitet werden. Es ist wie immer, alles hat eine positive und eine negative Seite.

Dennis: Das Internet erleichtert einiges, ist aber meiner Meinung nach auch verantwortlich für die bereits angesprochene Schnelllebigkeit. Früher hat man sich die Musik erst mal über einen Mailorder bestellen müssen und hat, wenn es ganz beschissen lief, 4-6 Wochen darauf gewartet. Heute klickt man sich bei Bandcamp in ‘ner halben Stunde durch 20 Bands oder lädt sich innerhalb weniger Sekunden ein neues Album runter. Das ist zwar einerseits sehr praktisch, aber auf der anderen Seite geht damit auch viel von dem Zauber verloren, die eine LP für einen hat, auf die man fieberhaft gewartet hat. Damit setzt man sich dann nämlich auch viel intensiver auseinander und weiß den Wert viel mehr zu schätzen.

Euer Reunion-Album „Hard To The Core“ erschien via BDHW, ebenso wie das kommende Album „Never Meant To Last“. Wie habt Ihr und Toni zueinander gefunden? Was haltet Ihr von BDHW, die ja in letzter Zeit wirklich viele bekannte Bands signen?

Chris: Toni wurde mir von guten Freunden empfohlen. Wir haben einmal telefoniert und danach war klar, das BDHW das richtige Label für uns ist. Real recognize Real … hahaha!

Es gibt viele musikalisch talentierten Bands, die nie den Durchbruch schaffen. Ebenso gibt es mittelmäßig ansprechende Bands, die oft große Touren mitfahren. Was muss man wirklich als Band mitbringen, um bekannt und „erfolgreich“ zu werden? (Beziehungen, Freunde etc.)

Chris: Ich denke Talent ist nicht alles. Mir ist es jedenfalls relativ egal wie gut jemand spielt – es muss etwas rüberkommen. Eine gute Band transportiert auch etwas und wird sich, wenn sie hart daran arbeitet und an sich glaubt, auch durchsetzen. Wenn nicht, dann sollte man den Fehler nicht unbedingt bei anderen suchen.

Dennis: Es gibt so viele geniale Bands und begnadete Musiker, die es nie geschafft haben und es nie schaffen werden. Ich denke es hat viel damit zu tun, zur richtigen Zeit den richtigen Nerv zu treffen und an der ein oder anderen Stelle gute Connections zu haben.

Wann wird Schalke denn nun deutscher Meister?

Chris: Ich hoffe bald!

Welche Bands, neu und alt, könnt Ihr unseren Lesern ans Herz legen?

Chris: Neu: Turnstile, Nasty, Wisdom in Chains, Olde York, Tausen Löwen unter Feinden, Fuck Yeah

Alt: hahaha… wie viele Seiten haben wir den?? Leeway, Adolescents, D.I., Cro-Mags, FEAR, Scream, Uniform Choice, Unit Pride, Warzone, Sick Of It All, Madball, AF, Circle Jerks, KISS, Motörhead, Slayer, Gang Green, Spermbirds, Verbal Assault, Excel, SFA, Crumbsuckers..

Dennis: Neu: Break Away, Bitter End, Alpha Omega, Dogchains, Mental Refuse, Seconds Of Peace, Tausend Löwen unter Feinden, Fuck Yeah, World Negation, New Brigade, The Flex, Boston Strangler, Rival Mob, Turnstile, Risk It!, Empowerment, Intense, Righteous Jams, Survival, Modern Problems, Battle Ruins, Diamond Youth, Stick Together, Minus, Client, Gone To Waste und unzählige mehr.

Alt: Infest und unzählige mehr.

Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören natürlich euch!

Ebenfalls Danke für das Interview… checkt die neue Scheibe aus – die ist cool! (is‘ so!!!)

Zum aktuellen Review der neuen Platte “Never Meant To Last” geht es hier

Lukas Arnhold

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