CDC – End

Ein neues Release von CDC. Diese Meldung kam unerwartet und ich wusste überhaupt nicht, was ich da erwarten sollte. Mittlerweile sind fast sechs Jahre seit der letzten EP “Burn” vergangen, welche mir unglaublich gut gefallen hat – die Erwartungen sind dementsprechend hoch gesteckt. Aber was kommt denn eigentlich? Eine Full-Length? Als ich die Ankündigung einer 12″ Vinyl seitens BDHW erblicke, blieben weiter Zweifel bestehen. Eine Full-Length mit über 10 Songs klingt in Kombination mit dem Namen CDC einfach surreal, auch nach über vollen fünf Jahren. Und genau so ist es auch: Fünf Songs haben es auf die neue EP “End” geschafft, welche mit fast 14 Minuten dann doch deutlich die Spielzeit eines Longplayers unterschreitet. Bei ca. einem Jahr Entstehungszeit pro Song (wovon einer sogar ein nur 01:08 Minuten langes Intro ist) sollte das Resultat tatsächlich umwerfend sein. Ist es das denn auch? Wir finden es heraus.

Die Platte liegt uns nur digital vor, die Pre-Order für die einseitig bepresste 12″ Vinyl läuft aktuell noch. Laut Informationen vom Label wird es eine edle Gatefold-Hülle geben, welche alle Texte, Danksagungen und ein schickes Artwork beinhalten wird. Eine CD-Variante wird erstmal nicht erscheinen. Hier wird also ganz klar auf Exklusivität gesetzt, was ich aber auch als passend empfinde. Ein CDC-Release im Jahre 2015 kann man durchaus als etwas Außergewöhnliches bezeichnen.

Der Titeltrack bildet gleichzeitig den Einstieg in Form eines Intros und gibt relativ klar vor, womit wir es hier zu tun haben werden: groovigen Two-Step, einem Brooke Schwartz in absoluter Topform und einem insgesamt immer noch sehr moshlastigen Sound. Der Song geht fließend in den zweiten Track “Degeneration” über, welcher im Vorfeld zusammen mit “Temple” veröffentlicht worden ist. Hier wird das CDC-Erfolgsrezept weitergeführt und als Hörer der früheren Platten fühlt man sich direkt wieder heimisch. Kaum eine andere Band erschafft meiner Meinung nach diesen unglaublichen harten, aber dennoch groovigen Kopfnicker-Sound. Die Songs siedeln sich vom Songwriting und vom Sound ganz klar an die “Burn” EP an. Die Songs sind weniger stumpf und komplexer, als es noch die Klassiker der “Defy The Odds” waren. Auch wenn sich CDC über Songs wie “Crowd War“, “This Is Forever” oder “Cool Dudes Chillen” definiert haben, hat sich die Band auf ihren aktuelleren Outputs immer weiter entwickelt, ohne dabei aber ihren Sound und die Attitüde zu verlieren. Den Hörer erwartet also auch hier ein Feuerwerk an Breaks, Tempowechseln und natürlich auch Mosh-Passagen, die sich aber ähnlich wie schon auf der “Burn” sehr ungezwungen anhören und wunderbar in das Gesamtbild der EP passen. Die Songs “Dying Legend” und “Eyes and Teeth” fügen sich in dieser Beschreibung nahtlos ein, auch wenn gerade der Anfang von “Dying Legend” erwähnenswert hart ist. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal hervorheben, wie gut Brooke Schwartz als Sänger hier funktioniert. Hier sitzt jede Silbe, jede Betonung, jeder Wechsel zwischen Backing- und Lead-Vocals. Mit Sicherheit wurde hier viel Arbeit und Zeit investiert, was sich aber auszahlt. Es ist ein Genuss diesem Handwerk zuzuhören, allerdings muss man diese Art von Gesang auch mögen. Hier wird weniger im typischen Sinne “geschrieen”, als sehr aggressiv schon fast rap-artig über den Song geflowt. Diese Art von Gesang ist für CDC allerdings ein Markenzeichen, so dass hier Fans des alten Materials keine Überraschungen erleben sollten, außer das wir hier wie gesagt das Beste zuhören kriegen, was CDC jemals im Bereich Gesang abgeliefert haben.

Mit “Temple” stellt sich dann als letzter Track die größte Überraschung der Scheibe ein. Hier wird einige Gänge zurückgefahren und die Härte und Aggressivität der letzten Songs weichen Melodie und einer gewissen Melancholie. Der Gesang wird hier teilweise komplett klassisch gerappt, aber ebenfalls mit so einer Varianz und mit einem Gefühl in der Stimme, dass das auch nicht Rap-Affinen-Hörern einfach gefallen muss. Eine E-Town-Concrete-Referenz scheint hier unausweichlich. Für mich nicht nur textlich der stärkste Song der Platte, welcher allerdings fairerweise auch etwas konkurrenzlos aus dem Raster fällt, da er sich halt musikalisch ganz drastisch vom Rest unterscheidet. Apropos Texte: Auch an dieser Stellschraube wurde enorm gedreht, welche nun auch lesenswert sind und Inhalte transportieren. Die etwas fragwürdigen und scheinbar eher party-orientierten Texte des älteren Materials scheinen mit dem neuen Release endgültig der Vergangenheit anzugehören.

Was bleibt abschließend noch zu sagen? Ich bin begeistert. CDC liefern zwar wieder nur eine EP, aber 100% auf den Punkt. Der Sound wirkt erwachsener als alles Vorherige: Es gibt keine Skits, keine Einrufe und relativ wenige Singalongs. Die Songs sind durchdacht, abwechslungsreich und machen Spaß. Zudem wurde mit “Temple” ein absoluter Überraschungssong geliefert. Wem “Burn” gefallen hat, der wird seine Freude mit “End” haben. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für die Platte und ich wünsche mir, dass die Jungs möglichst viel Erfolg damit haben werden. Allein wegen der enormen Qualität beim Gesang wird es schwer diese EP dieses Jahr noch zu toppen. Wem übrigens Vinyl nicht liegt, der kann sich mal bei dem Label Filled With Hate Records umschauen, welche dieses Release als limitierte Kassette raushauen werden.

Tracklist

1. End
2. Degeneration
3. Dying Legend
4. Eyes and Teeth
5. Temple

Markus Kasten

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