Deftones – Gore Review

Eine gefühlte Ewigkeit nach dem grandiosen “Koi No Yokan” kommt die vielleicht wichtigste Band aus dem Alternative Rock/Metal-Sektor zurück. Das jüngste Kind der Deftones hört auf den Namen “Gore” und passt mit dem schicken Flamingo-Cover rein optisch schon mal gut in den diskographischen Familienstammbaum. Die Hipster-Fan-Fraktion freut sich sicherlich schon das Motiv im nächsten Batik-Workshop auf ein Leinen-Shirt zu drucken. Aber auch der gemeine Durchschnittsfan, nennen wir ihn Moritz, muss den US-Amerikanern lassen, dass sie wie (fast) immer ein Gespür für schlichte Eleganz haben.

Deftones

Genau diese spartanisch aber wunderschön vertonte Eleganz zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die elf neuen Songs. Das Fundament bilden einmal mehr atmosphärische, relativ übersichtlich arrangierte Midtempo-Songs. Ausgeschmückt werden die Kompositionen mit schweren Riffs, dezenten Gitarrenmelodien, Keys/Samples, jede Menge Deftones-typischer Laut/Leise-Dynamik, ein paar catchy Hooks und einer erstklassigen Produktion. Über all dem thront wie immer Chinos auf beruhigende Art und Weise nerviger Heul/Schrei/Irgendwas-Gesang, an dem sich vermutlich die Geister scheiden. Das klingt jetzt vielleicht insgesamt etwas nach Schema F, ist aber im Detail ganz schön raffiniert und liebevoll zusammenkomponiert. Auf mich wirken die Songs musikalischer und abwechslungsreicher. Die Platte klingt unheimlich schlüssig und konsequent. Von den ersten Takten des Openers „Prayers/Triangles“ bis zum finalen „Rubicon“ passt hier alles. Auf elektronische Spielereien und die typische Halbballade a la “Entombed” oder “Beauty School” wird verzichtet, dafür fehlen aber auch weitgehend die Ausflüge in härtere Gefilde. „Gore“ ist insgesamt weniger ungestüm, als der sehr ausbalancierte Vorgänger, bei dem sich atmosphärische Songs und straighte Nummern die Waage hielten.

Dass die Platte mehr als einen Durchlauf braucht, um wirklich zu zünden, liegt vor allem daran, dass sich ein richtiger Kracher zunächst nicht erschließt. Hitcharakter haben am ehesten “Doomed User” (der härteste Song der Platte) und das eher poppige “Phantom Bride”, bei dem Alice In Chains Axtmann Jerry Cantrell ein wunderschönes 80s-lastiges Solo beisteuern darf. Dazwischen gibt es jede Menge tolle Songs, an deren individuelle Stärken man sich von Durchlauf zu Durchlauf herantasten muss. Und wenn man sich mit den fehlenden Ausschlägen auf der Richterskala angefreundet hat, bekommt man ein ausgezeichnetes und kurzweiliges Album geboten, dass unterschwellig die gesamte Gefühlspalette von Wut und Melancholie bis hin zu dezentem Optimismus transportiert. Nach ca. acht Durchläufen kann ich behaupten, dass die Scheibe ein absoluter Grower ist. “Gore” klingt sehr reif und durchdacht und macht von mal zu mal mehr Spaß. Vielleicht nicht die beste Deftones Platte, aber wie immer ein Ausrufezeichen im glatt gespülten Radio-Rock-Universum. Ich bin und bleibe Fan!

TracklistDeftones - Gore Cover

01. Prayers/Triangles
02. Acid Hologram
03. Doomed User
04. Geometric Headdress
05. Hearts/Wires
06. Pittura Infamante
07. Xenon
08. (L)MIRL
09. Gore
10. Phantom Bride (featuring Jerry Cantrell)
11. Rubicon

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