Empowerment – Bengalo Review

Empowerment haben in Deutschlands durchaus illustrer Hardcore-Szene zweifelsohne so etwas wie einen Sonderstatus inne. Das liegt nicht nur daran, dass die Band einen eigenwilligen Mix aus Master Killer-geschwängerten NYHC-Vibes und Rotzpunkattitüde zusammenrührt, sondern sicherlich auch am unmissverständlich-politischen Standing, für das die Herren aus Stuttgart spätestens seit dem bärenstarken 2012er Debüt „Gegen.kult“ bekannt sind.

Generell transportieren Empowerment dabei seit den Gründungstagen ein sehr stimmiges Bild gelebter, nicht aufgesetzter Anti-Attitüde, die bei der Verneinung von Social Media-Aktivitäten anfängt und beim textlichen Charme von Songs wie „Stuttgart Asozial“ aufhört. Lange Rede, kurzer Sinn: man kann der Truppe die Authentizität einfach nicht absprechen – eine Eigenschaft die viel zu vielen Bands bei dem Versuch das eigene Portfolio in irgendein gerade angesagtes Schema zu pressen leider allzu oft verloren geht.

Empowerment 2018
Empowerment 2018

Solche Vorschusslorbeeren lassen die Erwartungshaltung zum passend betitelten Nachfolger „Bengalo“ natürlich ins Unermessliche wachsen. Schon die ersten Klänge sollten den geneigten EMPWRMNT-Sympathisanten dann aber beruhigen. Harte Riffs straight outta Stu York, Groove, wütendes Gebelle & Gangshouts. ALLES BLEIBT HIER SO WIE DAS WAR!!!!111

Auch sechs Jahre nach „Gegen.kult“ verlassen Empowerment die damals eingeschlagenen, musikalischen Pfade höchstens marginal. Die Jungs sind keinesfalls zahm oder leise geworden und auch die Texte sind unverändert kompromisslos in deutscher Sprache verfasst. Thematisiert werden neben dem allgegenwärtigen, antifaschistischen Mindset und dem Ying und Yang der Zwischenmenschlichkeit vor allen Dingen die gesellschaftlichen Schattenseiten einer Republik zwischen Politikverdrossenheit und Rechtsruck. An Aktualität und Relevanz ist die Platte also nicht zu überbieten und der abwechslungsreich inszenierte NYHC/Antifa-Punk-Hybrid-Sound peitscht die politische Message ins Gemüt des Zuhörers ohne sich zu oft selbst zu zitieren. Ein besonderes Merkmal ist dabei einmal mehr die sehr markante Stimme von Sänger Jogges.

Dass „Bengalo“ trotz aller musikalischen und lyrischen Ähnlichkeit zum Vorgänger-Album nicht zu einem Abziehbild verkommt, verhindern die Jungs durch ein sehr dynamisches Songwriting. Die Platte verbindet harte Midtempo-Nummern wie den metallischen Opener und Titeltrack, treibende Merauder-Verneigungen („Von Mensch zu Mensch“), punkig-flottere Stücke („Die Söhnin“, „Verbundenheit“) und Empowerment-typische Gassenhauer à la „Stu York State Of Mind“ zu einem gleichermaßen stimmigen, wie abwechslungsreichen Gesamtbild.

Garniert wird das Ganze mit ein paar Rap-Einlagen und Features. Besonders erwähnenswert ist dabei ein deutschsprachiger Trap-Song mit dem Titel „Mensch Ist Mensch“, der gleichermaßen unerwartet wie passend im Zentrum der Platte neben den sonst so altbewährten Klängen steht. Auch wenn der Track sicherlich gewöhnungsbedürftig ist und auf gar keinen Fall jedermanns Fall sein wird, unterstreicht er gerade durch den ansprechenden Text gewissermaßen die Symbiose aus Unkonventionalität & sattelfestem ideologischen Fundament.

Soundtechnisch rumpelt und groovt die Platte verdammt hochklassig durch die Boxen ohne auf Ecken und Kanten zu verzichten. Auch hier gelingt der Spagat zwischen Dreck und ansprechender Produktion ziemlich mühelos. Bei all der Punk-Attitüde kann man den Jungs eine gewisse Professionalität einfach nicht absprechen.

Auch wenn „Bengalo“ für mich persönlich keinen lupenreinen Hit wie „Stuttgart Asozial“ liefert, sollte hier Jeder, der auf Merauder, Cro-Mags oder Slime steht blind zugreifen. Wer jetzt neugierig oder auf der Suche nach dem Soundtrack zur nächsten AFD-Gegen-Demo ist, sollte unbedingt den Album-Stream checken oder die Platte bzw. CD bei End Hit Records ordern. Stu York State Of Mind!

TracklistEmpowerment - Bengalo Cover

01. Bengalo
02. Von Mensch Zu Mensch
03. 161
04. Die Söhnin
05. Noch Immer Für Immer
06. Z
07. Mensch Ist Mensch
08. Stu York State Of Mind
09. Nichts Als Instinkt
10. Verbundenheit
11. Unsere Generation
12. Unter Meiner Haut
13. Drastische Zeiten

Info & Stream

http://deutschpunk.blogspot.com
https://endhitsrecords.bandcamp.com/album/bengalo
https://endhitsrecords.bigcartel.com