Foundation – Turncoat Review

Alles hat ein Ende. Mit ihrer letzten EP „Turncoat“ besiegelt Foundation ebenihres. Doch das Quintett aus Atlanta tritt nicht leise ab.

Spätestens seit mir der Sänger auf der Tour 2011 einfach so nen Stapel CD’s in die Hand drückte und sich mit mir lange über Gott und die Welt unterhalten hat, gehört Foundation zu meinen absoluten Lieblingsbands, sowohl musikalisch als auch lyrisch. Wie ich finde, hat die Band in beiden Aspekten nochmal eine Schippe nachgelegt.

Foundation Live

Beim ersten Hördurchgang fällt direkt auf, dass die fünf Songs wesentlich flüssiger laufen als das zum Beispiel auf der LP „When The Smoke Clears“ aus dem Jahr 2011 noch der Fall war. Das erleichtert das Hören, wenn man nicht auf das typische, leicht abgehackt-disharmonische Riffing der Band steht. Trotzdem geht der charakteristische Foundation-Sound nicht verloren, er ist etwas klarer und schneller geworden, aber unverkennbar. Musikalisch hat sich Foundation in den letzten vier releaselosen Jahren kaum verändert, dafür aber perfektioniert. Der Sound drückt immer noch, alles scheint etwas schneller geworden zu sein. Die Band tritt wirklich auf dem Höhepunkt ihrer Leistung ab.

Die Produktion der EP ist sehr gut. Alle Instrumente sind klar zu hören und gut aufeinander abgestimmt und auch bei sehr fetten Parts platzt der Mix nicht aus den Nähten. Die Vocals passen ebenfalls gut rein und sind besser hörbar und angenehmer als auf bisherigen Releases. Auf dem Cover findet sich ein gefesselter Mann in grün, an dem eine Nachricht mit einem Schwert befestigt ist. Das Ganze ist in einer gemalten Acryl-auf-Leinwand-Optik gehalten. Cool.

Die Lyrics sind für mich die Stelle, an der „Turncoat“ wirklich punktet. Foundation war für mich immer eine der wenigen Bands, bei denen Inhalt absolut im Vordergrund steht und aus mehr besteht als „die Welt ist Scheiße“, „hart aber gleichzeitig traurig zu sein“ und „coole Freunde zu haben“. Keine Sorge, auch diese Themen werden abgehandelt, unter anderem wird die „verdammte Welt“ auf den elektrischen Stuhl verbannt. Auch mit Gottesglauben wird im Song „Silence Above, Quiet Below“ abgerechnet, aufgrund der Diskrepanz zwischen dem „Perfekten Morgen“ und dem unperfekten Heute.

Doch Foundation hat sich immer mit mehr beschäftigt. Deutlich wird das darin, dass sich zum dritten Mal ein Song zum Thema Hingabe, mit dem Titel „Devotion III“ auf der EP befindet. Darin wird beschrieben, dass die wahre Stärke in der Vergänglichkeit liegt, die motivert, seinen Scheiß in den Griff zu bekommen anstatt „unbesiegbar“ durch eine kaputte Welt zu wandeln, was als Verschwendung angesehen wird. Obwohl Foundation bekennende Anhänger der Straight Edge-Bewegung sind, findet sich auf „Turncoat“ kein Song, der dieses Thema direkt anspricht. Die EP ist lyrisch also auch für Menschen vertragbar, die gerne das ein oder andere Bier genießen.

Oft greift die Band auf Stilmittel und Schlagworte aus militärischen Bereichen zurück, zum Beispiel sich auf sein Schwert zu stürzen anstatt dem Feind in die Hände zu fallen. Das alles passt in das Gesamtkonzept der Band der absoluten Hingabe gegenüber sich selber und dem Fokus auf das, was wirklich wichtig ist. Umso besser, dass das Ganze ohne predigenden oder philosophischen Unterton geschieht. In Zeiten generisch prolliger „Ich ficke dich“ und „Ich kann dreimal so viele Butterfly Aerials wie du ziehen“ Beatdownsyndrombands und stark politisch predigender Bands ist das eine Seltenheit und hat Foundation für mich wirklich zu etwas besonderem gemacht. Sehr schade, dass Foundation ihre Segel streichen.

Den einzigen Abstrich, den ich einräumen muss, ist dass die musikalische Härte wieder nicht vollends mit der lyrischen Härte mithalten kann. Zwar sind einige Passagen superhart und kompromisslos, allerdings sind diese für mich auf der EP bei diesem Grad inhaltlicher Überzeugung erneut zu dünn gestreut, um sich in meine Alltime-Top 5 Releases zu spielen.

Wer immer noch nicht überzeugt ist, dem sei gesagt, dass ein Teil von jedem EP-Kauf der Krebsbehandlung einer Bekannten der Band zugutekommt. Wer sich „Turncoat“ nicht holt, ist nun wirklich selbst schuld.
What we do is all that matters.

Foundation - Turncoat CoverTracklist

01. The New Faith
02. A Warm Place In Hell
03. Failure Breeds Failure
04. Devotion III
05. Silence Above, Quiet Below

Für weitere Informationen checkt:

Foundation Bandcamp
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