Lifetaker – Thanatos Review

Kennt ihr das, wenn einen der Gedanke übermannt, dass die Welt superkacke ist? Die CSU will Jesusbabykreuze in öffentlichen Ämtern aufhängen, Bio-Gurken werden in Plastik eingeschweißt und irgendwelche c-prominente Retortenmusiker geben mal wieder öffentlichkeitswirksam ihre Echos zurück, während Campino in seiner Finca sitzt und am nächsten Xavier-Naidoo-esquen WM-Hit oder dem 2018er Aktion-Sorgenkind-Brot-für-die-Welt-Weihnachtsschmachtfetzen tüftelt, um die neue Hosenplatte zu promoten. Was bleibt einem da noch, als sich den eigenen Vernichtungsfantasien zu ergeben?!

Lifetaker
Lifetaker

Den Soundtrack zur Selbstzerstörung liefern die relativ frisch formierten Lifetaker aus dem Ruhrgebiet. Der semi-prominent aus Ex-Mitgliedern von Mossat und Wolves Carry My Name zusammengewürfelte Schlechte Laune-Trupp, liefert mit „Thanatos“ nämlich ein knapp 13-minütiges, superfieses Erstlingswerk ab, das locker als musikalische Untermalung zum nächsten rituellen Massensuizid in den Player geworfen werden könnte.

Nach ein bisschen unheilvoller Atmosphäre im Intro schalten die nihilistischen Misanthropie-Cis-Männer mit „Feral Ritual“ sofort von Null auf Hundert und rasen ab dann quasi ohne Leerlauf oder Pinkelpause durch das 7-Songs-starke Debüt. Mit erschreckender Präzision werden dabei jedem Karohemd-Hipster die Ismen aus dem ideologieromantisierten Schädel geprügelt.

Und überhaupt ist danach eh alles egal, weil die einzigen Konstanten im Leben Vernichtung, Selbsthass und Schmerz sind, verstehste?! Klingt jedenfalls extrem brutal und kippt ziemlich oft in Richtung eines adrett angerichteten Klangchaos, wie es auch höherrangige Genrevertreter kaum besser inszenieren hätten können. Ganz grob einsortieren lässt sich das musikalische Gebräu in die Schublade zwischen Death- und Grind-Metal mit ein bisschen Doom/Sludge- und Hardcore-Garnitur.

Lifetaker klingen dabei zwar nicht ganz so rumpelig-originär wie klassische Vorbilder, lassen hier & da aber durchaus ein wenig Nasum-Flair aufkommen oder erinnern an Bands wie Nails, Full Of Hell oder Cult Leader, die ein bisschen vom Converge-Teller genascht haben. Gegroovt und im straighten Blastbeat geknüppelt wird jedenfalls eher selten, viel mehr werden die Songs immer wieder von Tempowechseln und wüster Rhythmik gebrochen, die den Zugang zu den Arrangements bewusst ein bisschen schwieriger gestalten.

Mal rasend schnell, mal zäh und schleppend, aber in der Inszenierung immer sehr konsequent und auf positive Art und Weise an der Grenze des Erträglichen. „Thanatos“ schreddert sich mit sägenden und jaulenden Gitarren, Grind-Geschepper, sowie tiefen Growls im Eiltempo durch die Ohrmuscheln und lässt den unvorbereiteten Zuhörer sicherlich ein bisschen rastlos und gefühlsabsorbiert zurück.

Große Ausschläge auf der Emotionsskala hat die Scheibe nicht zu bieten. Lediglich die eingangs erwähnte, noch eher verhaltene Ouvertüre „Keres“ und das straight nach vorne stampfende „Rome“ verlassen ein wenig den eingeschlagenen Pfad der totalen rhythmischen Vernichtung. Der Lifetaker-Erstling klingt aber eben gerade durch dieses eng geschnürte Soundkorsett sehr stimmig und durchdacht.

Trotz der durchaus imposanten Wirkung der Platte, wird das sicherlich nur denen gefallen, die sich im Extrem-Metal zuhause fühlen. Auch wenn die Handschrift der musikalischen Köpfe hinter Mossat deutlich durchschimmert, wirken Lifetaker nämlich ne ganze Ecke sperriger – oder eben „anstrengender“, wie der weniger Grenzgänger-Metal-affine Hörer sagen würde. Beeindruckend ist dabei vor allen Dingen wie unglaublich exakt & schnörkellos die Scheibe eingeprügelt wurde. Das gibt dem Endprodukt trotz der überschaubaren Spielzeit eine dezent technische Note und macht klar, dass hier Leute am Werk sind, die wissen, was sie machen.

Auch der Sound stellt gängige Demo-Produktionen deutlich in den Schatten und wurde dort klangtechnisch veredelt, wo sonst u.a. Knöpfchen und Rädchen für Extrem-Metal-Größen wie Aborted gedreht werden – nämlich in den Kohlekeller Studios im idyllischen Odenwald.

Wer jetzt neugierig ist, sollte sich das Werk einfach mal auf Bandcamp reinziehen und sich anschließend das schicke Digipak oder das im Juni via Wooaaargh erscheinende Tape sichern.

Anspieltipps: „Feral Ritual“, „Trenches“ und „Rome

TracklistLifetaker - Thanatos Cover

01. Keres
02. Feral Ritual
03. Epitaph
04. Trenches
05. Revenant
06. Rome
07. Todesdrang

Stream & Info

http://www.facebook.com/LifetakerPRZR