Mizery – Survive The Vibe

Kali, “die Schwarze” oder auch “die Zerstörerin” genannt, steht im hinduistischen Glauben für die drei Aspekte der kosmischen Funktion. Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung sind zwingend miteinander verbunden. Kali verkörpert Tod und Zerstörung, welche die Fesseln der Verwirrung zerschneiden und den Menschen zur Gewissheit verhelfen. Auf dem Cover der Platte “Survive The Vibe” ist sie mit Schwertern bewaffnet und hält abgetrennte Köpfe in ihren vier Händen.

Mizery gründeten sich 2011 in San Diego und veröffentlichen nun ihre erste EP via Lion’s Share Records und als Tape bei unseren Freunden von Injustice Records. Dass bei den Kaliforniern keine Anfänger am Werk sind, hört man beim Opener „Burn“ sofort. Die Band teilt sich Besatzungsmitglieder mit Downpresser und Soul Search, welche ja gerade erst auf Eurotour waren. Kaum sind ein paar Sekunden gespielt, so schleudern Mizery den Zuhörer gleich mal ein hammermäßiges Riff entgegen, welches mir sofort ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Das anfänglich Thrash Metal geprägte Riffing wechselt schnell zu einem sehr groovigen Hardcore-Sound, welcher zum exzessiven Kopfnicken verleitet. Und das war nur der Anfang! Geschmeidig nimmt das Release Fahrt auf und wechselt gekonnt zwischen melodischen, vor sich dahin groovenden und harten, sehr tight gespielten Moshparts. Der Sound erinnert mich teilweiße an aktuelle Überflieger der Szene wie Turnstile oder Expire, was aber durchaus positiv zu verstehen ist. Aber auch die Parallelen zu den Urgesteinen Cro-Mags, gerade zu “Best Wishes”-Zeiten. sind unüberhörbar.

Bei dem Song „Causualty Of Love „ zeigen Mizery wieder ihre Stärke: top gespielte, melodische Riffs gehen mit druckvollen Moshparts einher und überraschen den Hörer so, dass es einfach Spaß macht beim Zuhören. Textlich gesehen ist die Platte um einiges düsterer und nachdenklicher, als man es anhand des Sounds erwarten könnte. Thematisiert werden unter anderem die Besessenheit der Menschen von Besitz und die Nutzlosigkeit der angehäuften Reichtümer gegenüber der kalten Hand des Todes. Mizery beschreiben das Streben nach einem Ausweg aus den Mühen und der Verzweiflung, die das Leben mit sich bringt. Abschließende Erkenntnis: Die Mühen sind nutzlos, denn das Leben endet zu schnell. Bei „Forced Rebirth“ wird das hinduistische Thema der Wiedergeburt aufgegriffen. Mit Textzeilen wie: „Reincarnation a punishment for destruction of the self – Self preservation irrelevant with no instructions“ wird deutlich, dass die Reinkarnation für die Jungs von Mizery keineswegs eine Erlösung ist, sondern viel mehr ein ewiger, leidvoller Zyklus.

Somit passt das Cover von „Surive The Vibe“ sehr gut und bildet mit den Texten ein sehr stimmiges Gesamtkonzept. Alles im allem muss ich sagen, dass Mizery mit „Surive The Vibe“ ein mehr als solides Release veröffentlicht haben. Leider fehlt mir jedoch der überwältigende Aha-Effekt und auch die Songstruktur ähnelt sich an manchen Stellen doch sehr. Aufgrund der kurzen Spielzeit passt das jedoch und wirkt nicht eintönig. Ich lege diese EP jedem ans Herz, der schon Downpresser mochte und auf Hardcore mit einem gehörigen Crossover-Einschlag steht. Wenn ihr euch die Tapevariante via Injustice-Records besorgt, gibt es sogar den Bonus-Track “Lavender Dreams” gratis obendrauf!

Tracklist:

1. Burn
2. Forced Rebirth
3. Casualty Of Love
4. Surive The Vibe
5. Last Wishes
6. Lavender Dreams (Tape Only)

Paul Frenzel

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/mizeryhardcore?fref=ts

http://injustice-records.limitedrun.com/products/536117-mizery-survive-the-vibe

http://lionsharecs.bandcamp.com/album/survive-the-vibe