Nails – You Will Never Be One Of Us Review

Die wütendste und rohste aller subkulturellen „next big thing“-Bands legt nach. „You Will Never Be One Of Us“ – die mittlerweile vierte „Full-Length“ der LA-Knüppeltruppe von Nails – erschien vor einigen Wochen auf Nuclear Blast und dürfte für jede Menge offenstehende Münder gesorgt haben. Nails sind so etwas wie der blinde Passagier des Hype-Trains, der mit eine Milliarde Stundenkilometer durch die Szene düst. Quasi die drei besoffenen CrustMetalPunks, die ungefragt aufgesprungen sind und jetzt im Kohlewaggon abhängen, Shore rauchen und einfach ihr Ding machen, während alle anderen sich Image- und Modetipps bei den The Rise Of The Northstar Jungs holen oder sich von Roger und Freddy erklären lassen, wie man 20 Jahre lang dasselbe Album schreiben und die überteuerte Nightliner-Tour trotzdem als real verkaufen kann. #hardcorestilllives #bittenichtzuernstnehmen

Nails

Was lässt sich musikalisch über den neuen Hassbatzen der drei Kalifornier sagen? Für die ersten Erkenntnisse reicht bereits ein Durchlauf des anderthalb minütigen Openers und Titeltracks. „You Will Never Be One Of Us“ ist der wohl härteste und gleichzeitig eingängigste Song, den die Band bisher geschrieben hat: Knapp anderthalb Minuten schädelspaltende Riffs, zum Fausttanz animierende Breaks und eine einfache, gewohnt martialisch verpackte Message über Integrität und Outcast-Mentalität. Der perfekte Nails-Song quasi. Die Produktion von Kurt Ballou sorgt darüber hinaus für einen maßgeschneiderten Sound und klingt dieses Mal sogar noch ein Stückchen besser, als zuvor. Auch die folgenden Stücke verlassen nicht wirklich das den Jungs vertraute Terrain. Das Fundament bildet wie immer jede Menge metallisches Highspeedgeballer zwischen Death Metal und Grindcore. Das hat natürlich schon was von dem gerade so beliebten Entombed-Core, vermittelt dabei trotz der fetten Produktion aber immer noch genug Crust – bzw. Hardcore-Spirit und Schmutz, um auch den ein oder anderen AZ-Punk bei der Stange zu halten. Und wenn die Jungs dann an der richtigen Stelle noch den Mosh-Anker werfen,  kommt auch der Harms Way und Xibalba pumpende Fit X-Kunde auf seine Kosten.  Geil. Musikalisch ist das mal wieder auf den Punkt eingezimmert, klingt dabei aber genau so, wie es soll. Roh, fies und eben trotzdem durchdacht. Auch wenn sich die Band mit dem wütend stampfendem Anfangsriff von „Made To Make You Fall“ oder dem hardcorelastigen Ende von „Life Is A Death Sentence“ hier und da ein paar Ausreißer vom Hochgeschwindigkeitsgedresche gönnen, überfahren einen die ersten vier Songs in typischer Nails-Manier.

Was Tempo, Arrangements und Songlänge angeht, bringt erst der fünfte Song namens „Violence Is Forever“ (isso!) etwas mehr Abwechslung. Der Song überschreitet nicht nur als erster die Drei-Minuten-Marke, sondern fährt die Geschwindigkeit in ¾ des Songs auch deutlich runter. Der übertrieben fiese, mit sägenden Gitarren gepaarte Groove macht einfach auf eine total soziopathische Art und Weise richtig Bock. Sollte vielleicht besser nicht im Auto laufen, wenn der kleine Patrick-Jerome zum Kinderturnen kutschiert wird. Der Song stellt auf jeden Fall einen Höhepunkt dar und ist sowas wie der Halbzeitpfiff für „You Will Never Be One Of Us“.

Nach vier weiteren knapp einminütigen Gewaltorgien folgt mit „They Come Crawling Back“ dann auch schon der Rausschmeißer – wohlgemerkt nach nicht einmal 13 Minuten Spielzeit. Und jetzt Achtung! Der Song ist wahnsinnige Acht (!!!) Minuten und Vierzehn lang. Das ist dann also Nails‘ persönliches „In-A-Gadda-Da-Vida“. Also nur mal so… der Song ist länger als Zeppelin’s „Stairway To Heaven“! Durchzogen von schleppenden, harten Riffs präsentieren sich Nails hier von einer rhythmisch etwas wandelbareren Seite und lassen die ICE-Geschwindigkeit mal ganz außen vor. Für mich der dritte Highlight-Song der Platte und definitiv der „most progressive song“ der Bandgeschichte. Einziger Kritikpunkt meinerseits wäre, dass man hier auch gut und gerne zwei Songs hätte raus machen können. Es wirkt dann im Kontext vielleicht doch etwas zu bemüht. Die Bremse mal richtig durchzutreten steht Nails sehr gut, einen 12-Minuten-Song brauche ich auf der nächsten Platte dann aber auch nicht unbedingt.

Fazit: Nails klingen hier, wie Nails klingen sollen. Für mich zumindest. Die Band bleibt dem Konzept der Vorgänger „Unsilent Death“ und „Abandon All Life“ treu, knüppelt von Anfang an drauf los, versteckt den ersten Song, welcher der Drei-Minuten-Grenze nahe kommt und das Tempo runterfährt in der Mitte, knüppelt noch mal ne Runde und beendet die musikalische Gewaltorgie mit dem eigenständigsten Song der Bandgeschichte. Es wird sicherlich einige Leute geben, die mit dieser Platte nicht mehr ganz so viel anfangen können, wie mit den doch sehr dreckigen Vorgängern. Das ist ok und bleibt unter’m Strich eine Glaubensfrage. Dass der ein oder andere Flaggenträger der Power Violence Community jetzt „Sellout“ schreit oder von Hollywood-Crust-Metal spricht, kann man nicht verhindern. Glattpoliert und gefällig klingt aber wohl anders.

Lasst euch also nix von Hypes erzählen oder euch von Metal Sucks und Co. einreden, die Band wäre total überbewertet oder eigentlich nur primitiv. An der Qualität und Treffsicherheit der zehn Songs kann man einfach nicht herummeckern. Geschmäcker sind verschieden, klar. Auf mich wirkt der ein oder andere Kommentar dann aber einfach nach pseudoelitärem „aus Prinzip kacke finden, weil isso“-Gehabe. Und früher war ja eh alles besser. Na gut, für den ein oder anderen Songtitel/Text dürfen die Jungs auch mal nen Zehner ins Arschlochglas bzw. Phrasenschwein werfen, aber Hand aufs Herz, dass finden wir ja alle auch ganz geil und nicht jede Band muss den Anspruch haben hochpolitisch zu sein. „You Will Never Be One Of Us“ bietet 20 Minuten wütende Riffs, wildes Geschrei und die Nackenwirbel zum knacken bringende Parts. Das ist so stimmig wie stumpf, macht aber Spaß. Für mich die bisher beste Nails Platte. Das ist Metal. Das ist Hardcore. Schön, dass eine Band mit diesem Sound heute so viel Erfolg haben kann.

Hardcore-Kids, die durch Nails erst auf den Geschmack gekommen sind, dürfen gerne mal bei Bands wie Napalm Death oder Nasum reinhören, Freunde der härteren Heavy Metal-Spielarten können sich davon überzeugen, dass auch die verrufene Hardcore-Szene ab und an mal einen Genregrenzgänger hervorbringt, der sich vor den Großen des Extrem-Metal-Sektors trotz HC-Background nicht verstecken muss.

TracklisteNails - You Will Never Be On Of Us Cover

01. You Will Never Be One of Us 
02. Friend to All 
03. Made to Make You Fall 
04. Life Is a Death Sentence
05. Violence Is Forever
06. Savage Intolerance
07. In Pain
08. Parasite
09. Into Quietus 
10. They Come Crawling Back

Anspieltipps

You Will Never Be One Of Us, Violence Is Forever, They Come Crawling Back

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