Outspoken Festival Warm Up Show

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen, grau und trist hängen die Wolken am Himmel und die endlose Monotonie des Alltags bestimmt den Wochenverlauf.

Das Einzige, das mich über diese gefühlte endlos lange Woche gerettet hat, war die Aussicht auf Freitagabend. Dann war es endlich so weit: Feierabend, schnell ein Sixpack in der Flaschenbierhandlung meines Vertrauens geschnappt, die Karre mit guten Freunden vollgestopft und ab nach Köln zur „Warm Up Show“ vom Outspokenfest.

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Und das fährt mit einem der härtesten Line Ups in diesem Sommer auf: Still Ill, Ablaze, Unit 731, Reduction, EMBRACED BY HATRED und No Zodiac. Wenn das mal nicht eine Einladung zum Dampfablassen ist, dann weiß ich auch nicht. Dank diverser Platzregenattacken während der Fahrt und der obligatorischen Parkplatzsuche in Köln, kamen wir gerade rechtzeitig am MTC an. Ich habe es noch kurz geschafft mir einen kleinen Überblick zu verschaffen und alle Freunde und Bekannte zu begrüßen, dann fingen Still Ill auch schon mit ihrem Set an. Also schnell das Bier ausgetrunken und ab in den Keller.

Wer die letzten beiden veröffentlichten Lieder „Frozen Souls“ und „ Lost All Faith“ von den Aachenern kennt, der hat schon gemerkt, dass ein Stilbruch in der Band stattgefunden hat. Die schnellen Oldschoolparts sind fast gänzlich zugunsten von harten Moshparts verschwunden und da die Setlist der Jungs nur aus neuen Songs bestand, wurde das Publikum gleich mal ordentlich wach gerüttelt. Wer das MTC in Köln nicht kennt, muss zum besseren Verständnis wissen, dass die Lokation ein doch eher schmaler, langgezogener Keller ist. Dementsprechend viel oder eher wenig Platz bietet sich vor der Bühne. Still Ill wurden heftig gefeiert und jeder Breakdown hart umkämpft. Ich persönlich würde es mir zwar wünschen, dass ein paar alte, schnelle Songs ihren Weg ins Set zurückfinden würden, aber auf das neue Album kann man mega gespannt sein.

Passend zu der in mir brodelten Weltuntergangsstimmung betraten nun Ablaze die Bühne. In gewohnt nihilistischer, wütender Art peitschten sie dem Publikum ihre Meinung über den Verderb der Menschheit, Religion und Glauben entgegen. Leider ohne jegliche Resonanz. Was eben noch so gut gestartet hatte, wich hier in ein zurückhaltendes Kopfnicken. Wahrscheinlich war der Metalanteil dann doch zu hoch.

UNIT 731, wer jetzt grübelt und überlegt “waren das nicht die…” – Ja, genau das waren die, die 2007„A Plague Upon Humanityherausgebracht haben. Eine brachiale Platte sondergleichen. Leider ist es um die Band in den letzten Jahren sehr ruhig geworden, so dass ich gar nicht mehr wusste, dass es die Pittsburger überhaupt noch gibt. Aber jetzt melden sie sich mit neuem Material zurück, welches härter kaum sein kann. Und genauso ihr Auftritt. Und gerade bei den ältern Songs verloren so einige die Beherrschung. Mag die Musik stumpf sein, wie sie will, Unit ist eine absolut geniale Live Band und Eric hat eine Stimme, die die Erde beben lässt.

Während dem Reduction Set brauchte ich erst einmal eine Pause und nutzte die geografisch gute Lage des MTC aus, um mich mit Bier zu stärken und mich geistig auf das nun anstehende vorzubereiten.

Embraced by Hatred: definitiv das Highlight des Abend. Es gibt wohl kaum eine deutsche Band, die mich so geprägt hat wie diese. Und nun kam nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ein Lebenszeichen des schlafenden Riesen. „On the Grind“ – wow, plötzlich fühlte ich mich als hätte mich der Delorean schnurstracks ins New York der 90er Jahre befördert. Der Sound wirkt erwachsener und die Riffs ausgereifter, als auf der „Real Recognize Real“ und das uns kein neues „None To“ erwartet, damit war ja zu rechnen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an den heutigen Auftritt und an das angekündigte neue Material. Um es vorwegzunehmen, ich wurde nicht enttäuscht.

Was für ein Auftritt!

Die Band versprühte eine Energie und eine Souveränität, dass man einfach mitgerissen wurde. EBH brauchten nur wenige Sekunden, bis sich jeder im Raum bewegte und so manch ein alter Hase aus seiner Moshabstinenz gerissen wurde. Mit „Masterkiller“ von Merauder und dem sehnsüchtig erwarteten Life of Agony Cover machten die Jungs klar, wer sie zu ihrem neuen Material inspirierte. Mich persönlich hat es sehr gefreut, dass auch „Down To Concrete“ ins Set aufgenommen wurde. Mit dem Auftritt bewiesen EBH, dass sie nicht totzukriegen sind und ich freu mich noch mehr auf das bald erscheinende neue Album.

Nach dem grandiosen Auftritt konnte es eigentlich nicht besser werden. Somit hatten No Zodiac als Headliner ein schweres Los gezogen, mit dem sie aber gut umgehen konnten. Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da statteten die Chicagoer der Domstadt ihren letzten Besuch ab. Diesmal mit neuem Sänger und ebenfalls mit einer neuen Scheibe in den Startlöchern. Connor als neuer Vokalist machte seinen Job sehr gut. Seine tiefe und imposante Stimme verleiht der Band einen viel düsteres Auftreten, was jeden Breakdown umso rücksichtsloser wirken lies. Eine Dampfwalze diese Band. Und mit den Klassikern „Population Control“ und „Chaos Regins“ konnte noch mal jeder seine letzten Energiereserven mobilisieren. Wem der neue Sänger gefallen hat, der sollte auf jeden Fall mal sein zweites Projekt Cold Sun auschecken!

So muss ein Freitag aussehen: nur gute Auftritte, viele gute Leute und eine super Stimmung machten den Abend zu einer mehr als gelungenen Warm Up Show. Danke P&R Concerts für diese Show und allen, die rumgekommen sind und die Bands gefeiert haben. Leicht betrunken und zahm wie ein Hundewelpen konnten wir nun beruhigt den Rückweg antreten.

Paul Frenzel

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