Prison Knife – Bitter Peace EP Review

Endlich ist es soweit! Seit über einem Jahr warte ich nun auf dieses Release. Im September 2014 habe ich in meinem Interview mit Marcel Ströter (Sänger von Drift, The Platoon, Tiger Crew) schon erfahren, dass Tiger Crew es bei einer EP belassen werden und es mit einem neuen Projekt weitergehen soll. Ein Jahr ist nun ins Land gezogen und wir dürfen uns über neuen Output freuen. Mit Prison Knife hat sich die Truppe um Marcel Ströter auf einen Namen geeinigt, der schon vermuten lässt, dass es hier nicht wirklich freundlich zugehen wird und hey, das ist auch gut so!

Prison Knives

Um den Härtegrad der Band zu erhöhen hat sich Marcel noch Walle von Fallbrawl, Matthias von The Ice und Daniel von Tiger Crew dazu geholt. Ich finde das klingt nach einer sehr spannenden Kombination und konnte es kaum abwarten endlich mal reinzuhören. Als ich das Päckchen aufmachte, erwartete mich mehr als nur ein Tape, mehr als nur ein liebloses 0815 Release und wenn ich meine Arbeitskollegen in meiner Agentur fragen würde, hätte ich wohl “Aggressives Marketing” als Antwort bekommen. Was ich hier mitgeliefert bekam war ein Prison-Knife, ein echtes Prison Knife. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen und noch die Eier haben die per Post zu verschicken, Hut ab! Nachdem ich jetzt also die Waffe hatte, brauchte ich nur noch den passenden Soundtrack um im Knast überleben zu können. Also schmeiß ich doch direkt mal das Tapedeck an, Kassette rein, “Play” gedrückt und ab dafür!

Begrüßt wird man von leichten Noise-Geräuschen, Gitarrenkrach und angepissten Vocals, wie ich sie schon erwartet habe. Stürmendes Gitarrengewitter und ein heftiges Gekloppe an den Drums herrschen hier. An den enormen Druck, den dieser Song vermittelt, hatte ich mich soeben erst gewöhnt, als auf einmal, wie aus dem Nichts, ein idyllisches Instrumental einsetzt. Poah. Erstmal wirken lassen. Das fühlte sich gerade an, als würde man eine Minute lang gnadenlos mit Totschlägern verprügelt werden, sein eigenes Blut vom Boden auflecken um dann doch festzustellen, dass es nur ein Alptraum war. Erstmal Kopf schütteln und wieder fassen. Mit “Rated Break Point“, dem zweiten Song auf der EP, verhält es sich etwas anders. Der Song baut sich langsam auf, bringt Stück für Stück jede einzelne Komponente ins Spiel und dauert auch fast drei mal so lang wie der erste Song. Die immer wiederkehrenden Melodien im Hintergrund, die mich sehr an typische Crust oder D-Beat Elemente erinnern, verleihen dem Song eine sehr eigene Dynamik und schaffen es irgendwie, mich melancholisch zu stimmen, wobei ich doch gerade eben erst geprügelt wurde. Aua.

Mit “In The Wake” bin ich leider schon beim letzten Song der EP angekommen, was zum einen sehr traurig ist, weil ich gerade erst in Stimmung kam, mit meinem neu erworbenen Messer herumzuspielen aber zum anderen sicherlich besser für mich und meine Mitmenschen ausgeht. Nun gut, noch einmal alles geben, denk ich mir. Es fängt wieder an, dieses Noise-Geräusch, mittlerweile stimmt es mich ganz panisch aber anscheinend erfüllt es seinen Zweck, dieser Noise. Die Gittare setzt ein, die Drums rücken nach und auch die oben genannten Melodien kehren wieder zurück. Ein richtiger Brainfuck, wenn man das mal so sagen darf. Es wird weiter und weiter nach vorne geprescht, die Parolen strömen nur so heraus und verdammt, schon wieder ein unerwartetes Instrumental, mit dem ich nicht gerechnet hatte! Kurz darauf folgt ein Monolog von Heinz Sobota’s “Minus-Mann”, welcher exzellent die betrübte Stimmung transportiert. Einen besseren Abschluss für ein solches Instrumental hätte man sich nicht wünschen können. Die dramatischen Riffs zurren im Hintergrund mit und setzen nach Beendigung des Monologs noch einmal zum Angriff an, kurz und knapp wird man noch einmal wach gerüttelt, dann ist nach fast 10 Minuten Gesamtlaufzeit Schluss.

Was bleibt mir abschließend zu sagen außer, dass man hier wirklich eine richtig fette Eigenproduktion geliefert bekommt und Freunde von D-Beat und Crust hier richtig glücklich mit werden? Vielleicht, dass wir uns glücklich schätzen können, dass wir einen so vielseitigen Musiker wie Marcel Ströter am Start haben, der uns immer wieder mit neuen Projekten verwöhnt und es nie langweilig wird, da sich der Sound immer wieder weiter entwickelt, nie stehen bleibt und sich nicht im HC-Mainstream verliert. Mittlerweile ist das Tape übrigens ausverkauft und das ist ein klares Statement für diese Truppe, von denen wir hoffentlich in Zukunft noch mehr hören dürfen.

Prison Knife - Bitter Peace CoverTracklist

01. Bitter Peace
02. Rated Break Point
03. In The Wake

Für weitere Infos checkt:

http://prisonknife.bandcamp.com