Xibalba / Suburban Scum – Split EP

Das Geheimnis einer erfolgreichen Detonation ist nicht zwangsläufig die Größe der Bombe, sondern die Zusammenstellung und Mixtur der Inhaltsstoffe. Der Sprengkörper kann noch so wuchtig und erfolgsversprechend sein – wenn die chemische Reaktion im Inneren nicht funktioniert, hat wohl alles keinen Zweck.

xibalba

 

Weg vom Chemiebaukasten, hin zur Split EP von Xibalba & Suburban Scum. Die 2014 auf Closed Casket Activities erschienene Split beinhaltet zwei Tracks der Kalifornier von Xibalba und vier Songs der Jungs aus New Jersey, wobei Xibalba doch zeitlich den größeren Teil der Scheibe ausmacht (knapp 13 Minuten). Mit insgesamt satten 22 min Spielzeit kann sich die Platte auf jeden Fall sehen lassen. Abseits dieser Fakten, war nichtdestotrotz mein erster Gedanke: „Hä? Xibalba und Suburban Scum? Sind die doof? Die machen doch ganz andere Musik!“ Nicht ganz sicher, was ich nun erwarten soll, befehle ich iTunes die Kapelle zu starten.

Xibalba legen mit „Death Threat“ von Beginn an, wie gewohnt mit einer Gitarrenstimmung irgendwo zwischen DropHell und Drahtseil, energetisches und treibendes Riffing hin, was von Nate’s wahnsinniger Stimme optimal unterstützt wird. Dies gilt natürlich auch andersherum. Im Vergleich zum Vorgänger „Hasta La Muerte“ verändert die Band nicht viel, wobei sie auch nicht in der Position sind, sich neu zu erfinden. Mit ihrer Mischung aus aggressivem Death Metal und schleppendem, aber trotzdem nach vorne treibendem Sludge ist der erste Song schon einmal eine Punktlandung. Nicht gerade innovativ, aber dafür mehr als effektiv. Der zweite Song „Suicide Note“ beginnt ähnlich aggressiv und schleppend, diesem fehlt jedoch ein wenig die Dynamik. Die fehlende Energie kann der siebenminütige Track auch bis zum Ende nicht erlangen – im Gegenteil – zum Ende hin verliert er an Tempo und Groove. Dies ist jedoch lediglich eine Feststellung und keine wirkliche Kritik, weil das Konzept trotzdem funktioniert. Für mich wäre „Suicide Note“ kein Livetrack, aber dafür eher was zum Genießen und Mittreiben lassen.

Suburban Scum beginnen für ihren Teil mit einem Intro, und man bekommt den Eindruck, irgendwie die CD gewechselt zu haben. Aber ein bisschen Abwechslung schadet ja bekanntermaßen nie. Die Gitarrenstimmung steigt wieder gen Normalniveau und das erste Kopfnicken beginnt langsam, aber stetig. Mit „Misery Loves Company“ beweisen Suburban Scum gleich einmal, dass sie in der Zwischenzeit nichts an ihrer Härte, Dynamik und Effizienz verloren haben. Der erste Track besticht durch viel Groove, Tempowechsel und einer unverkennbar angepissten Stimme.

Mein persönliches Highlight der Platte folgt zugleich: „Refuse To Suffer“ beginnt mit mehr oder weniger entspannt-groovigen Drums, Bass und simplen Gitarrenakkorden, bevor es dann mit einem Schlag scheppert und die imaginären Fäuste ans Hörgebälk fliegen! Der Drumeinsatz bei 1:20 und das darauffolgende Riffing mit 2-Step setzen der ganzen Sache noch die Krone auf! Meine Fresse, da jeht einem et Herz off! Auch der Rest des Tracks kann durch eingängiges Geschreie und aggressive Songstrukturen absolut überzeugen. Live sollten dabei die Mauern jeder Venue vor Angst zittern!

Der dritte und insgesamt letzte Track „Little From The World“ auf der Split ist ein Cover von der ehemaligen Hardcore-Punk-Gruppe Cold As Life aus Detroit, welcher sich vom Original hinsichtlich Tempo und Aggressivität durchaus absetzt, was wohl vor allem der Stimme des Suburban Scum Sängers und dem knackig abgemischten Gitarrensound zu verdanken ist. Auch dieser Song macht vor allem durch das hohe Tempo und die Breakdowns am Ende viel Spaß und besitzt deshalb auch durchaus Live-Qualitäten.

Um nochmal kurz auf den Chemiebaukasten zurückzukommen: Betrachten wir die Platte als ein Sprengkörper, dann hat jener definitiv Potenzial, das ein oder andere Ziel niederzureißen! Wie sagt man so schön: „Die Mischung machts!“. Beide Kapellen bestechen durch Härte, Aggressivität und Durchschlagskraft, doch jede Band auf ihre eigene Art und Weise. Man braucht kein Musikexperte zu sein, um zu erkennen, dass sich die Bands in musikalischer Hinsicht relativ stark unterscheiden, doch ist diese Diskrepanz kein Grund dazu, nicht eine gemeinsame Platte auf den Markt zu bringen, denn beide verfolgen die gleichen Ziele und setzen diese lediglich mit anderen Mitteln um. Zudem knüpfen beide Bands an ihre vorherigen Platten nahtlos an und lassen sich auch auf der aktuellen EP nicht lumpen. Zwar fehlt mir bei Xibalba ein wenig die vom „Hasta La Muerte“-Album bekannte Hasserfülltheit, welche dem Hörer vor allem bei Tracks wie „Burn“ oder „Laid To Rest“ nahezu die Haut vom Körper puhlt, nichtsdestotrotz zeigen sie aber, was sie können. Suburban Scum überraschen nicht mit Innovation oder Experimentierfreudigkeit, dafür aber mit Kontinuität und Durchschlagskraft. Warum auch viel verändern, wenn man weiß was man hat? Für Freunde von Xibalba und Suburban Scum ist die Split definitiv keine Geldverschwendung und lohnt sich von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Tracklist:cover

1. Death Threat
2. Suicide Note
3. Intro
4. Misery Loves Company
5. Refuse To Suffer
6. Little From The World (Cold As Life Cover)

Tobias Kallenbach

Für weitere Informationen checkt:

http://xibalbasl.bandcamp.com

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http://suburbanscum.bandcamp.com

http://www.facebook.com/pages/Suburban-Scum/133773913359425