Thinner – Paintime & Glory Review

Es ist mittlerweile echt so richtig Winter. Nur irgendwie nasser und weniger kalt. Also ein bisschen Winter. Aber trotzdem immer noch zu viel Winter für das folgende Review. Und das, obwohl ich das Review seit Juni hätte schreiben können/sollen/müssen. Dafür vorab ein „Sorry“ an die Band, die mir ein echt schickes Promopaket mit zwei CDs geschickt hat, die ich zwar direkt in den Player geworfen habe, aber eben erst jetzt rezensiere (was ein geiles Wort). Damit es jetzt trotzdem irgendwie passt, muss ich die Zeit ein paar Monate zurückdrehen.

Ich erinnere mich an den ziemlich großartigen Sommer diesen Jahres, an einen kleinen Roadtrip mit schönen Menschen, das HHF-Fest in Halver, übermächtige Merauder in Kölle, Pils, Schnaps, Mike Ballermann, einen Stau und eine miserable Hausparty. Die Details verschwimmen so ein bisschen. Aber neben all diesen mehr oder weniger präsenten Erinnerungen habe ich irgendwo zwischen dem ersten und letzten Bier zum Glück noch Bekanntschaft mit einer in unseren Breitengraden eher unbekannten Punk-Rock/HC-Kapelle gemacht. Und die haben gerade bei bestem Wetter und mit ihrem ganz, ganz stark angepunktem Hardcore und der richtigen Dosis Melodie ordentlich Laune gemacht. Knapp ne Woche später flatterte mir dann das oben schon beschriebene, liebevoll geschnürte Promopaket ins Haus.

Thinner

Die Rede ist von Thinner aus Berlin. Zwei Langeisen haben die Jungs schon auf Midsummer Records herausgebracht. Nach dem sehr rotzigen Debüt „Say It!“ haben die Jungs bereits im Mai 2015 mit „Paintime & Glory“ nachgelegt und spürbar am Feinschliff der Kompositionen gearbeitet.

Im Großen und Ganzen spielen Thinner einfach schnellen, auf den Punkt gespielten Punk-Rock mit einer ordentlichen Portion Hardcore der alten Schule. Auf dem Debüt fehlt noch ein bisschen der Aha-Effekt, auf der aktuellen Platte funktioniert das aber echt gut. Der Melodiefaktor wurde hier auch gefühlt etwas nach oben geschraubt. Vielleicht bilde ich mir das ein, aber irgendwie schwankt da auch so eine berlinerische Marke a la alte (!) Beatsteaks im Sound mit. Find ich nicht verkehrt und macht die Mixtur noch ein bisschen interessanter! Am besten geht die Formel immer dann auf, wenn Thinner wie bei „Tie the rope“ oder „Blackbox B Minor“ kleine, aber feine Hooks & Melodien in den sonst sehr rotzig nach vorne preschenden Sound einstreuen. Paradebeispiel für den Sound der Berliner sind ansonsten der furiosen Opener „In the firing line“ und das zum Tanz animierende „Walk down“. Damit es nicht zu langweilig wird nehmen Thinner hier & da dann aber auch mal etwas den Fuß vom Gas. So erinnert mich „Everything Ends“ z.B. an einen Mix aus Hardcore-angefixten The Clash & Green Day’s „Longview“.

Auch lyrisch hat Sänger/Gitarrist Adrian einen sehr interessanten Stil. Der Mann hat in seinem Leben scheinbar bereits einige interessante Begegnungen mit dem schönen Geschlecht gehabt und weiß über Liebe, Schmerz & Lust in der Hauptstadt zu berichten. Und das vollkommen ohne unnötigen Chauvinismus, kitschige Herzschmerzrethorik und all das, was man schon zu oft gehört hat. Das ist sympathisch und rundet die ganze Sache ab.

Fazit?! Ich höre hier ganz viel 80er Jahre Hardcore(Punk), ganz viel Mitte-90er Skate-Punk-Rock aus den weniger angepissten & verarmten Regionen der Staaten und ein bisschen Rotz-Rock im Abgang. Die Gratwanderung zwischen Hardcore & Punk gelingt dabei leichtfüßig, gänzlich ohne anbiedernde Moshparts und wird trotz all der typischen Trademarks mit einer eigenen Note versehen. Die Platte ist absolut erstklassig gespielt und auch wirklich anständig produziert. Ich tue mir etwas schwer damit jetzt konkrete Vergleiche zu anderen Bands aufzustellen, aber wenn ihr auf Mukke in der Schnittmenge aus Descendents, Good Riddance & 59 Times The Pain steht, dann ist das hier genau euer Wetter. Dass die Jungs den Sound zu dritt auch live so tight, druckvoll und authentisch rüberbringen, und sogar noch deutlich mehr Spaß als auf Platte machen, will ich zum Abschluss nochmal hervorheben. Ich würde mich freuen die Band zur Auflockerung auch mal auf dem ein oder anderen doch meistens von Mosh dominiertem Hardcore-Lineup zu sehen. Ich bin vielleicht nach den beiden Platten noch kein Die Hard Fan, aber definitiv Sympathisant der Berliner Truppe und ich werde die Jungs im Auge behalten.

Die Platte könnt ihr völlig für umme komplett streamen, also macht das mal!

Anspieltipps: „In the firing line“, „Tie the rope“, „Blackbox B Minor“


Thinner - Paintime And Glory CoverTracklist

01. In The Firing Line
02. Everything Ends
03. Tie The Rope
04. Lost For Words
05. Dead Legend
06. Tarred And Feathered
07. Blackbox B Minor
08. This Burden
09. Walk Down
10. True Surrender
11. Eastbound
12. Paintime And Glory

Info & Stream

https://thinner.bandcamp.com/album/paintime-and-glory
https://www.facebook.com/thinner.hc