Witness – Trials & Tribulations Review

Es ist Herbst. Die Badesaison ist rum, aber trotzdem scheint die gegen das Siegerländer Sauwetter ankämpfende Sonne in mein Kinderzimmerchen und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Die Welt und das Wetter sind jedenfalls gerade (noch) nicht kacke genug, um All Out War zu hören und ne Mülltonne anzuzünden. Also leg ich heimlich eine Alicia Keys CD in den Player und freue mich, weil die Musik voll schön ist. Bevor mich dabei Jemand ertappt und ich meine Street Credibility endgültig verliere, fällt mir aber zum Glück ein, dass ich noch ein Release auf dem „To review“-Zettel stehen habe, das vermutlich ebenfalls ganz gut zu meiner aktuellen Stimmung & der Wetterlage passt.

WITNESS BAND

Die Rede ist von Witness – ein paar kölschen Jungs, die mit „Trials & Tribulations“ kürzlich ihre Debüt-EP veröffentlicht haben. Witness erinnern mich auf dem Erstling an Hot Water Music, Basement oder neuere Title Fight – nur irgendwie ein bisschen roher. Das liegt vor allem an Sänger/Basser Stefan, der auch in einer lupenreinen Punk- oder Hardcoreband eine gute Figur abgeben würde und den fünf Songs einen gewissen rotzigen Charme verleiht. Die Hardcore-Einflüsse äußern sich ansonsten aber nur in dem einminütigen Uptempo-Ausreisser „Canvas“, weil die Grundausrichtung der vier anderen Kompositionen dann unterm Strich nämlich doch sehr verspielt und melodisch ist. Ist aber gar nicht schlimm – ganz im Gegenteil! Denn was sich Witness da zusammenspielen hat Hand und Fuß, klingt nach Spätsommer, ein bisschen Herbst und wird vor allem mit viel Energie und Herz vorgetragen. Die Jungs haben auf jeden Fall ein Gespür für coole Melodien und klasse Arrangements, was sich vor allem bei „Luck Of Draw“ und dem sehr stimmigen Titeltrack zeigt, die ich jedem, der jetzt neugierig geworden ist, als Anspieltipps empfehlen kann.

„Trials & Tribulations“ klingt für mich irgendwie ein bisschen nach einer etwas moderner gestalteten Variante des 90s Emo/PostPunk, den Bands wie Jawbreaker oder The Get Up Kids gespielt haben. Ja, genau, damals war Emo noch Punk und Punk war ziemlich cool. Du musst dich also auch nicht vor deinen Fußballkumpels schämen, die Platte gut zu finden. Macht auf jeden Fall Laune und liegt gefühlt irgendwo zwischen Melodramatik und positiven Vibes. Coming of age Musik im besten Sinne quasi. Wenn die Band noch ein bisschen am Ohrwurmfaktor und der musikalischen Eigenständigkeit feilt, dann hat die Truppe sicherlich das Zeug viele Freunde zu finden. Client (jetzt Twin Red) haben ja ganz gut vorgemacht, dass die Szene durchaus offen für diesen sympathischen Sound ist.

Für den Moment solltet ihr die Songs einfach mal für umme auf Bandcamp laden und euch eine eigene Meinung bilden. Wem gefällt, was er hört, der kann „Trials & Tribulations“ seit September auch auf Vinyl erwerben und den Jungs damit ein paar wohlverdiente Kröten in die Bandkasse werfen. Bleibt festzuhalten, dass Köln mittlerweile einiges kann. Daher ruhig auch mal die Kumpelbands Kids, Giver, Lavatch und Seconds Of Peace checken.

WITNESS Trials & Tribulations Album CoverTracklist

01. Paperships
02. Luck Of Draw
03. Canvas
04. Trials & Tribulations
05. Patience

Für weitere Informationen checkt:

http://www.facebook.com/witnessCGN
http://witnesscgn.bandcamp.com